
Autoren: ChrimsonR-Therapie mit Brille in kleiner Studie sicher
Quellen (9)
- ClinicalTrials.gov: Dose-escalation Study to Evaluate the Safety and Tolerability of GS030 in Subjects With Retinitis Pigmentosa (NCT03326336)clinicaltrials.gov
- Optogenetic therapy shows safe step forward in vision restoration - Institute of Molecular and Clinical Ophthalmology Baseliob.ch
- New England Journal of Medicine: Optogenetic Therapy for Restoring Aspects of Visual Functiondoi.org
- Optogenetic therapy safe, shows signs of vision restoration in patients with advanced retinitis pigmentosa, according to international study led by Pitt scientists | EurekAlert!eurekalert.org
- Optogenetics restores some vision in small study | STATstatnews.com
- Gensight Biologics and the 15-20 National Hospital Announce NEJM Publication on GS030 Phase 1/2 Trial Results in Late-Stage Retinitis Pigmentosa | Morningstarmorningstar.com
- Optogenetic Therapy Can Now Restore Partial Vision in Blind Patientsdeeplytech.substack.com
- Press release: Nobel Prize in Physiology or Medicine 2026 - NobelPrize.orgnobelprize.org
- Nature Medicine: Partial recovery of visual function in a blind patient after optogenetic therapy (Sahel et al., 2021)doi.org
In einer offenen, nicht randomisierten Studie hat ein internationales Team um Sahel und Roska, wie das IOB Basel mitteilt, im New England Journal of Medicine Ergebnisse zu zehn durch fortgeschrittene Retinitis pigmentosa erblindeten Menschen veröffentlicht. Jeder Teilnehmer erhielt eine einmalige intravitreale Injektion eines Gentherapie-Vektors, der das Gen für das lichtempfindliche Protein ChrimsonR in retinale Ganglienzellen einbringt, kombiniert mit einer eigens entwickelten Lichtstimulationsbrille.
Sicherheit war der primäre Endpunkt der Studie. Die Autoren bewerten die Behandlung innerhalb der Grenzen dieser kleinen Studie als sicher und fordern weitere Forschung zu Sicherheit und Wirksamkeit.

Zehn Teilnehmer in offener, nicht randomisierter Studie
Tatsächlich aufgenommen wurden laut ClinicalTrials.gov zehn Menschen, die durch fortgeschrittene Retinitis pigmentosa erblindet waren. Vorgesehen waren drei Dosierungsgruppen mit je drei Teilnehmenden sowie eine Erweiterungsgruppe mit der höchsten gut vertragenen Dosis. Die Schwelle für eine klinisch bedeutsame Verbesserung, eine Abnahme der Reizschwelle um mindestens 0.6 logarithmische Einheiten beziehungsweise eine etwa vierfache Zunahme der Lichtempfindlichkeit, legten die Studienautoren anhand von Literaturbefunden fest und nicht vorab im Studienprotokoll. Retinitis pigmentosa ist, wie STAT berichtet, eine genetische Erkrankung, die zur Degeneration der lichtempfindlichen Netzhautzellen führt und Betroffene oft schon im jungen Erwachsenenalter rechtlich blind macht; eine Untergruppe mit einer bestimmten Mutation kann gentherapeutisch behandelt werden.
34 unerwünschte Ereignisse am Auge
Bei neun der zehn Teilnehmer registrierten die Studienautoren insgesamt 34 unerwünschte Ereignisse am Auge, davon 23 leichte und 10 mittelschwere. Als schweres Ereignis werteten sie einen vorübergehenden Verschluss der zentralen Netzhautarterie unmittelbar nach der Injektion, der sich innerhalb von Minuten nach dem Eintropfen des Mittels Iopidine zurückbildete.
Was einige Teilnehmer mit der Brille konnten
Die University of Pittsburgh berichtet, manche Teilnehmer hätten mit der Brille besser erkannt, ob ein Objekt vorhanden war, seine Position bestimmt und gezielt danach gegriffen, normales Sehen oder Lesen stellte die Behandlung aber nicht wieder her. Auch das IOB Basel schreibt, mehrere Teilnehmer seien beim Erkennen von Objekten, beim Finden von Türöffnungen und beim Folgen von Linien mit der Brille besser geworden, normales Sehvermögen stellte die Behandlung aber nicht wieder her. Laut der University of Pittsburgh fanden Forschende unter Leitung von Marlene Behrmann mittels Elektroenzephalografie Hinweise darauf, dass visuelle Signale den visuellen Kortex erreichten; vier Teilnehmer zeigten über Monate bis Jahre hinweg konsistente Verbesserungen bei mehreren alltagsnahen Sehaufgaben. Deeply berichtete abweichend am 13. Oktober von sieben klinisch bedeutsam verbesserten Teilnehmern, während Studie, Pittsburgh und IOB sechs nennen.
Wer die Studie finanzierte
GenSight Biologics finanzierte die Studie als Industriesponsor. Laut Unternehmensmitteilung sind José-Alain Sahel und Botond Roska Mitgründer des Unternehmens. Die Offenlegungsformulare der Autoren liegen laut der Mitteilung der University of Pittsburgh auf NEJM.org vor. Sahel erklärte, die Ergebnisse seien explorativ und müssten bestätigt werden.
Im Vergleich: von Rattennervenzellen zum Menschenauge
Die Methode testete das Team um Sahel und Roska bereits in einem 2021 veröffentlichten Fallbericht an einem einzelnen blinden Patienten: Mit einem ChrimsonR-kodierenden Vektor und einer speziell entwickelten Brille erkannte, lokalisierte, zählte und berührte er Objekte mit behandeltem Auge und eingeschalteter Brille. Die zugrunde liegende Technik geht auf Grundlagenforschung zurück, für die Nobelversammlung am Karolinska Institutet am 5. Oktober 2026 den Medizin-Nobelpreis an Karl Deisseroth, Peter Hegemann und Georg Nagel vergab. Deisseroth zeigte das Verfahren 2005 an Rattennervenzellen und ließ es zwei Jahre später im Gehirn lebender Mäuse funktionieren.
Bis zum geschätzten Studienabschluss im Oktober 2027
Laut ClinicalTrials.gov war PIONEER im Februar 2026 noch aktiv, nahm aber keine neuen Teilnehmenden mehr auf; Studienbeginn war im September 2018, primärer Abschluss und Studienabschluss sind für Oktober 2027 geschätzt. Deeply erwartete am 13. Oktober erweiterte Studien für 2027 und 2028 sowie eine mögliche Zulassung zwischen 2029 und 2031.
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