Ozonloch 2025: Fünftkleinste Saison seit 1992
Das antarktische Ozonloch hatte 2025 seine fünftkleinste Ausdehnung seit Messbeginn 1992. Am 1. Dezember schloss es sich vollständig, drei Wochen früher als der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Hinter dieser Erholung steht einer der bemerkenswertesten Erfolge globaler Umweltpolitik: das Montrealer Protokoll von 1987, das einzige UN-Abkommen, das jemals von allen 198 Mitgliedstaaten ratifiziert wurde.
1985: Die Entdeckung, die alles veränderte
Britische Wissenschaftler des Antarctic Survey entdeckten 1985 ein dramatisches Loch in der stratosphärischen Ozonschicht über dem Südpol. Die Ursache war klar: Fluorchlorkohlenwasserstoffe, kurz FCKW, die in Kühlschränken, Spraydosen und Lösungsmitteln eingesetzt wurden, bauten das Ozon in der Stratosphäre systematisch ab. Jene Schutzschicht, die Leben auf der Erde vor schädlicher UV-Strahlung bewahrt, hatte über der Antarktis bereits ein Loch von mehreren Millionen Quadratkilometern. Zwei Jahre nach der Entdeckung, 1987, unterzeichneten 46 Staaten das Montrealer Protokoll und verpflichteten sich zum weltweiten Ausstieg aus FCKW und verwandten Substanzen. Es war der Beginn eines historischen Experiments: Kann die Menschheit einen selbst verursachten atmosphärischen Schaden rückgängig machen?
2006: Der Tiefpunkt
Die Substanzen, die das Ozon abbauen, verweilen jahrzehntelang in der Atmosphäre. Das Ozonloch erreichte seinen Rekord deshalb erst im September 2006, fast zwanzig Jahre nach Unterzeichnung des Protokolls: 27,5 Millionen Quadratkilometer, eine Fläche größer als Nordamerika. Der Ausstieg aus FCKW war international längst im Gange, aber die bereits in der Stratosphäre vorhandenen Substanzen ließen sich nicht zurückrufen. Es galt zu warten.
Das Protokoll fand in dieser Phase seinen Rhythmus. 2009 ratifizierten alle 198 UN-Mitgliedstaaten das Abkommen, eine universelle Ratifizierung, die bis heute kein anderes UN-Umweltabkommen erreicht hat. Seit 1987 wurden über 99 Prozent der kontrollierten ozonabbauenden Substanzen weltweit außer Betrieb genommen.
2025: Das Maß der Erholung
Am 9. September 2025 erreichte das Ozonloch seine diesjährige Höchstausdehnung von 22,86 Millionen Quadratkilometern, fast fünf Millionen weniger als im Jahr 2023. Die Konzentration ozonschädlicher Substanzen in der antarktischen Stratosphäre ist seit ihrem Höchststand um das Jahr 2000 um ein Drittel gesunken. Hätten die Chlorkonzentrationen auf dem Niveau von vor 25 Jahren verharrt, wäre das Loch 2025 um weitere 2,6 Millionen Quadratkilometer größer ausgefallen, errechneten Wissenschaftler der NASA. Das Protokoll hat in der Atmosphäre eine messbare Spur hinterlassen.
Susan Solomon vom Massachusetts Institute of Technology, die zu den Erstbeschreiberinnen des FCKW-Mechanismus gehört, schrieb in einer 2025 im Fachmagazin Science veröffentlichten Studie: In einem günstigen Jahr könnte es schon um 2035 gar kein antarktisches Ozonloch mehr geben. Die Weltorganisation für Meteorologie WMO und die NASA gehen konservativer vor: Ihre Konsensprojektion setzt die vollständige Rückkehr zu den Ozonwerten von 1980 über der Antarktis auf das Jahr 2066 an.
Im Vergleich: Warum Montreal gelang, was Kyoto scheitern ließ
Das Montrealer Protokoll lässt sich nur richtig einordnen, wenn man es gegen das Scheitern anderer Umweltabkommen hält. Das Kyoto-Protokoll von 1997 sollte CO₂-Emissionen begrenzen, erzielte aber keine universelle Ratifizierung: Die USA stiegen nicht in die Ratifizierung ein, Kanada trat 2012 aus. Forschende sehen im Montreal-Protokoll drei Bedingungen, die damals günstig zusammentrafen: ein eindeutiger kausaler Zusammenhang zwischen einer abgrenzbaren Substanzgruppe und dem gemessenen Schaden, industriell verfügbare Substitute für die betroffenen Branchen und durchsetzbare Handelsbarrieren gegenüber Nichtunterzeichnern. Beim CO₂ fehlen alle drei Bedingungen in dieser Reinheit.
Das Protokoll hat auch einen klimatischen Nebeneffekt, der wenig bekannt ist. Analysen aus der Klimaforschung schätzen, dass die Welt ohne die FCKW-Reduktion bis zum Ende des Jahrhunderts rund 2,5 Grad Celsius zusätzlich wärmer wäre. FCKW sind selbst potente Treibhausgase. Das Abkommen hat damit gleichzeitig die Ozonschicht gerettet und der Klimaerwärmung beiläufig entgegengewirkt.
Von 1987 bis 2066: Der vollständige Bogen
Vierzig Jahre liegen zwischen der Unterzeichnung des Montrealer Protokolls und dem Messstand von 2025. Weitere vierzig Jahre werden vergehen, bis das Ozonloch über der Antarktis nach WMO-Prognose vollständig auf den Stand vor der Industrialisierung zurückgekehrt sein wird. Das ist langsam, aber es folgt einem Plan. Die Ozonkurve zeigt, was möglich ist, wenn ein atmosphärisches Schadensproblem früh genug erkannt, eindeutig einer Substanzgruppe zugeordnet und durch verbindliche internationale Vereinbarungen mit konkreten Ausstiegspflichten angegangen wird.
Wer 2026 zur Welt kommt, könnte das vollständige Schließen des Ozonlochs noch erleben. Das ist eine der raren Aussagen über Umweltpolitik, für die es heute empirische Grundlage gibt.