
AfD-Leak: Weidel kritisierte früher Höcke
Quellen (9)
- Kehrtwende - Berichte über AfD-Leaks: Interne Mails belegen Weidels Abkehr von Distanzierung zum rechten Flügeldeutschlandfunk.de
- Übersicht AfD-Leak: Was in den Daten stecktcorrectiv.org
- E-Mails aus AfD-Leak: Was wusste Weidel über illegale Spenden?zdfheute.de
- E-Mails aus der AfD-Spitze: Ein Leak macht noch kein Parteiverbottagesspiegel.de
- Geleakte AfD-Mails: Was wir wissen und was nichtzdfheute.de
- Vorwürfe gegen AfD-Chefin: Geleakte E-Mails belasten Weidel offenbar in Affäre um illegale Großspendetagesspiegel.de
- Interne E-Mails öffentlich: AfD blamiert sich mit Datenleak | taz.detaz.de
- Erkenntnisse aus dem AfD-Leak: Feindeslisten und Hakenkreuzfahnen | taz.detaz.de
- Cyberangriff: Hacker erbeuten offenbar Hunderttausende AfD-E-Mailshandelsblatt.com
Als Mitglied im Bundesvorstand warnte Alice Weidel davor, dass die Partei die bürgerliche Mitte verlieren und ihr die Nennung im Verfassungsschutzbericht bevorstehen könnte, wie Berichte von Focus und Die Welt zeigen, die der Deutschlandfunk wiedergibt. Dabei kritisierte sie explizit den thüringischen AfD-Landeschef Höcke wegen rassistischer und den früheren baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Gedeon wegen antisemitischer Äußerungen.
An ihre Bundesvorstandskollegen schrieb Weidel, die AfD werde sich in eine nicht mehr beherrschbare Richtung verändern und forderte sie auf: „Wacht endlich auf!“
Ein Datenleck mit rund 420.000 Mails
Die Unterlagen stammen aus dem September 2026, die Hacker verschafften sich offenbar Zugriff auf einige zentrale Mail-Postfächer der Partei und das frei verfügbare Leak umfasst mehr als 280 Gigabyte. Die Mails reichen von März 2013 bis zum 14. September 2026.
Nach Angaben der Partei wurden nur wenige Mail-Postfächer widerrechtlich kopiert und die betroffenen Nutzer informiert, CORRECTIV verweist jedoch zugleich auf große abgeflossene Datenmengen.
Neue Fragen zur Spendenaffäre
Schon im November 2018 hatten NDR, WDR und die Süddeutsche Zeitung aufgedeckt, dass dem AfD-Kreisverband Bodensee 132.000 Euro aus der Schweiz gespendet worden waren; Weidel war dort als Spitzenkandidatin im Wahlkreis 293 angetreten. Parteien dürfen Spenden über 500 Euro nicht annehmen, wenn der Spender nicht feststellbar ist. Das Geld stammte Recherchen von ZDF frontal und dem Spiegel zufolge wahrscheinlich vom Immobilienmilliardär Henning Conle und war offenbar gestückelt überwiesen worden, möglicherweise um den eigentlichen Spender zu verschleiern.
Aus den nun veröffentlichten E-Mails geht laut ZDFheute hervor, dass Weidel persönlich organisierte, wie Spenden für ihren Wahlkampf angenommen und ausgegeben werden sollten. Am 10. Juli 2017 bat sie die Schatzmeisterin ihres Kreisverbands, das Konto zweimal wöchentlich zu prüfen und ihr Eingänge per E-Mail zu bestätigen; sie schrieb, ihr seien Spenden für ihren Social-Media-Wahlkampf angekündigt worden. Der Verwendungszweck lautete „Wahlkampfspende Alice Weidel Social Media“, der erste Teilbetrag von umgerechnet 8.021,59 Euro ging vier Tage später ein, danach folgten 16 weitere Zahlungen über zwei Zürcher Pharmafirmen. Am 11. Juli 2017 bat Weidel um ein eigenes Unterkonto für ihre persönlichen Spenden, das die Kreisschatzmeisterin noch am selben Tag einrichtete. Knapp zwei Wochen danach ließ sie sich offenbar vom AfD-Bundesschatzmeister eine Vorlage für einen Umlaufbeschluss schicken, die ihr freie Auftragsverfügung über die für sie eingehenden zweckgebundenen Bundestagswahlkampfspenden einräumen sollte; ihr Kreisvorstand stimmte zu. Damit konnte Weidel spätestens Ende Juli 2017 über das Geld aus der Schweiz entscheiden, von dem rund 32.000 Euro bereits eingegangen waren.
Weidel hatte erklärt, von einer „ungebetenen Spende“ erst im September 2017 am Rande einer Wahlkampfveranstaltung erfahren zu haben, ihr Sprecher nannte als wahrscheinlichen Tag den 17. September 2017. Ihr Sprecher erklärte, sie habe damals viele Gespräche mit potenziellen Unterstützern geführt und weder konkrete Summen noch die Zahlungen der Zürcher Pharmafirma PWS erwartet; eine für sie arbeitende Presserechtskanzlei ließ eine Nachfragefrist verstreichen. Laut ihrem Sprecher revidiert Weidel keine ihrer bisherigen Aussagen in der Spendenaffäre, ob sie den Milliardär Henning Conle kennt, ließ sie erneut unbeantwortet.
Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte bereits geurteilt, dass die AfD die Schweizer Spenden nicht hätte annehmen dürfen, die Bundestagsverwaltung verhängte eine Strafe von 396.000 Euro gegen die Partei. Das Ermittlungsverfahren gegen Weidel persönlich stellte die Staatsanwaltschaft Konstanz dagegen ein, weil sich kein hinreichender Verdacht ergab, dass sie an einer Stückelung der Spenden zur Verschleierung ihrer Herkunft mitgewirkt oder sich mit dem Spender abgesprochen hatte.
Der Tagesspiegel zieht aus den Mails das Zwischenfazit, dass sie die AfD durchaus in Bedrängnis bringen könnten; ob sie den rechtlichen Status der Partei verändern, sei aber mindestens unklar. Unter den rund 617.000 Dateien fänden sich brisante Informationen, etwa zur Wahlkampfspende für Weidel und zu extremistischem Gedankengut unter Mitgliedern.
Carmen Wegge, Sprecherin der parlamentarischen Linken der SPD, erklärte, die Mails könnten wichtige zusätzliche Erkenntnisse liefern und forderte politischen Willen, die nächsten Schritte für ein Verbotsverfahren einzuleiten. Im Bundesinnenministerium und andernorts bestehen jedoch massive Zweifel, ob das ebenfalls geleakte Gutachten des Verfassungsschutzes als Grundlage für ein Verbot ausreichen würde, dafür müsste nachgewiesen werden, dass die AfD im Kern eine verfassungsfeindliche Partei ist.
Gleichzeitig bilden die E-Mails nach einer Einschätzung des Tagesspiegel bei Weitem nicht die gesamte Kommunikation der Partei ab, da auch in der AfD verschlüsselte Messenger genutzt und Gespräche direkt geführt werden.
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