
Spokane und Athen im Feuer: 700 Gebäude, 65.000 Evakuierte
Quellen (10)
- NBC News: 700 structures lost Spokanenbcnews.com
- Washington State Standard: Fires destroy structureswashingtonstatestandard.com
- Al Jazeera: Why Spokane wildfires so severealjazeera.com
- The Conversation: Why Spokane wildfires became catastrophictheconversation.com
- NPR: Spokane residents forced to evacuatenpr.org
- CNN: Spokane wildfire arson arrest Old Trails Firecnn.com
- Euronews: Greek firefighters hope to contain blaze near Athenseuronews.com
- NBC News: Helicopter collision Greecenbcnews.com
- CNBC: Greece wildfire pictures winds heatwavecnbc.com
- ProtoThema: Fire front Attica-Boeotia Kithaironen.protothema.gr
Zwei Löschhubschrauber kollidierten am Sonntag über dem brennenden Attika: Ein dänischer Pilot und sein griechischer Kopilot starben, vier Tage nachdem erste Flugzeuge den Feuerwall westlich von Athen aufhalten sollten. Tausende Kilometer entfernt verwandelten drei gleichzeitige Brände im Großraum Spokane mehr als 700 Gebäude in Asche. Es ist der vierte August 2026 und zwei Regionen kämpfen gleichzeitig um ihre Viertel.
Drei Feuer, null Prozent eingedämmt
Das sogenannte Spokane Complex Fire besteht aus drei eigenständigen Brandfronten, die seit Samstag durch den trockenen Vorortgürtel von Washingtons zweitgrößter Stadt fressen. Der Old Trails Fire verbrannte rund 1.465 Hektar, der Autumn Lane Fire 1.356 Hektar, der Fairview Fire weitere 427 Hektar. Zusammen sind mindestens 3.250 Hektar betroffen, alle drei Brände galten am Montag nach Angaben des koordinierenden Bundeseinsatzteams als null Prozent eingedämmt.
Bürgermeisterin Lisa Brown bezeichnete die Lage als "die schlimmste Naturkatastrophe, mit der unsere Region je konfrontiert wurde." Mehr als 65.000 Menschen stehen unter Evakuierungsanordnung oder Evakuierungswarnung, nahezu die Hälfte aller Stadtbezirke Spokanes ist betroffen. Für den Old Trails Fire wurde ein Mann wegen Brandstiftung festgenommen, wie Behörden am Montag mitteilten. Die Ursachen der anderen beiden Brände werden noch untersucht.
Die Intensität der Feuer erklärt sich aus einer Kombination, die Klimaforscher für den Westen der USA seit Jahren dokumentieren. Der Winterschneefall in Washington war unterdurchschnittlich niedrig und ließ die Bodenfeuchtigkeit früh sinken. Eine Hitzewelle trieb die Temperaturen auf Extremwerte, während die Luftfeuchtigkeit einbrach. Starke Winde verwandelten einzelne Funken in rasende Fronten. Für den gesamten Bundesstaat Washington wurden in diesem Sommer bereits rund 182.000 Hektar Vegetation zerstört, eine der schwersten Brandsaisons seit drei Jahrzehnten.
Fünfter Tag westlich von Athen
Rund 60 Kilometer nordwestlich der griechischen Hauptstadt hält ein Feuer seit dem 30. Juli die Feuerwehr in Atem. Der Brand begann bei Porto Germeno an der Boeotia-Küste, fraß sich über den Kithairon-Gebirgszug und bedroht jetzt die Küstenstadt Megara mit rund 30.000 Einwohnern. Mehr als 500 Feuerwehrleute und Dutzende Löschflugzeuge aus mehreren EU-Ländern sind im Einsatz.
Die Tragödie am Sonntag verdüsterte den Einsatz weiter: Zwei Bell-Hubschrauber kollidierten beim Löscheinsatz westlich von Athen. Ein dänischer Pilot und sein griechischer Kopilot kamen ums Leben, zwei weitere Besatzungsmitglieder wurden verletzt. Seit Beginn des Feuers Ende Juli wurden insgesamt fünf Feuerwehrleute getötet. Es war das zweite europäische Großfeuer des Sommers in Griechenland nach den Bränden auf dem Peloponnes im Juli.
Meteorologen warnten, dass die kurze Windpause, die Montag und Dienstag den Löschflugzeugbetrieb ermöglichte, nicht von Dauer sein würde. Für Mittwoch und Donnerstag sind erneut starke Winde und steigende Temperaturen prognostiziert. Die Präfektur ließ mehrere Küstendörfer vorsorglich evakuieren. Ob Megara gehalten werden kann, entscheidet sich in den nächsten 48 Stunden.
Ein Sommer, der ein Muster zeigt
Wer die Feuersaison 2026 auf einer Karte aufträgt, sieht keinen Zufall: Bordeaux (42.000 Hektar, Juli), Attika (fünfter Tag, August), Spokane (3.250 Hektar in 48 Stunden). In Europa brannten 2025 mehr als eine Million Hektar EU-Fläche, das Doppelte des langjährigen Durchschnitts. Klimatologen sehen darin einen statistisch verlässlichen Trend: Die Brandfläche in der nördlichen Hemisphäre wächst, weil Dürre und Hitze zusammenwirken, bevor Regen kommen kann.
Was den Einsatzkräften auf beiden Seiten des Atlantiks fehlt, ist dieselbe Ressource: Luftkapazität. Europa verfügt im rescEU-Programm über 22 Löschflugzeuge, eine Zahl, die bereits im Sommer 2025 nicht ausreichte, als Brände in Portugal, Griechenland und Spanien gleichzeitig um die Maschinen konkurrierten. Die EU hat 600 Millionen Euro für 12 neue Löschflugzeuge bewilligt, erste Lieferungen sind frühestens 2027 geplant. Bis dahin helfen gegenseitige Entsendungen von Kräften, aber die Gesamtkapazität bleibt begrenzt. In den USA koordiniert eine bundesstaatliche Einheit den Einsatz in Spokane, aber auch dort hatte ein Übergang von Waldbrand zu Stadtbrand, der schneller als erwartet kam, die Taktik überfordert.
Bis Mittwoch: Das Wetterfenster schließt sich
Für Spokane erwarten die Behörden in den nächsten Tagen kühlere Temperaturen und günstigere Winde, die den rund 65.000 Evakuierten eine baldige Rückkehr ermöglichen könnten. Ob die Brandlinien bis dahin gesichert sind, hängt vom Verlauf der Nacht ab. Brandermittler gehen davon aus, dass die genaue Schadenshöhe erst nach vollständigem Löschen erfasst werden kann. Erste Schätzungen für den Old Trails Fire allein nennen über 640 zerstörte Gebäude.
In Attika ist das Zeitfenster enger. Für Mittwoch ist die nächste Hitzewelle angekündigt. Griechenlands Waldbrandkarten sind laut einem Rechnungshofgutachten aus dem Jahr 2025 mehr als 45 Jahre alt und nie aktualisiert worden, was die Modellierung der Brandausbreitung erschwert. Für die Feuerwehr bedeutet das: Man kämpft mit modernen Mitteln auf der Basis veralteter Geländekarten. Wie weit das Feuer Megara noch näherkommen kann, bevor Gegenwehr effektiv wird, wird die Windrichtung am Mittwochmorgen zeigen.
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