
156 Tote: UN wirft USA Kriegsverbrechen im Iran vor
Quellen (7)
- Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
- NPRnpr.org
- CNBCcnbc.com
- CNNcnn.com
- Al Jazeeraaljazeera.com
- NBC Newsnbcnews.com
- ZEIT Onlinezeit.de
Am 28. Februar 2026 trafen US-amerikanische Luftangriffe die Grundschule Shajareh Tayyebeh in der südlichen iranischen Stadt Minab. Nach iranischen Angaben wurden dabei mehr als 150 Menschen getötet, unter ihnen nach Angaben von Überlebenden 120 Kinder und 26 Lehrkräfte. Knapp sieben Monate nach dem Angriff hat eine UN-Untersuchungskommission hinreichende Gründe für das Vorliegen von Kriegsverbrechen festgestellt. Washington hat den Bericht umgehend zurückgewiesen.
Was die UN-Kommission festgestellt hat
Die Unabhängige Internationale Tatsachenfeststellungsmission zur Islamischen Republik Iran legte ihren Bericht am 17. September 2026 vor. Die Kommission untersuchte zwei Angriffe vom 28. Februar: den Einschlag auf die Grundschule in Minab sowie einen zweiten Angriff auf einen Kultur- und Sportkomplex in Lamerd. In beiden Fällen gelangte die Kommission zu dem Schluss, dass hinreichende Gründe für die Annahme bestehen, die USA hätten das Kriegsverbrechen des unterschiedslosen Angriffs begangen, eines, der nicht zwischen militärischen Zielen und der Zivilbevölkerung unterscheidet.
Besonders belastend für die US-Position: Die Kommission stellte fest, dass das Schulgebäude selbst der beabsichtigte Zielpunkt des Einschlags war. CNN berichtete unter Berufung auf den Bericht, die Zerstörung sei nicht das Ergebnis eines Versehens oder von Kollateralschäden eines Angriffs auf eine nahe gelegene Militäranlage gewesen. Damit weist die Kommission das US-Narrativ zurück, wonach Zivilisten unbeabsichtigt zu Schaden kamen.
Der Bericht wurde vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen beauftragt, einem Gremium mit 47 Mitgliedsstaaten, das im Jahr 2022 nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine eine vergleichbare Untersuchungskommission eingesetzt hatte. Die vorliegende Kommission wurde am 24. November 2022 eingerichtet, um die Niederschlagung der Mahsa-Amini-Proteste zu untersuchen. Ihr Mandat wurde im Januar 2026 verlängert und auf die militärischen Operationen des laufenden Konflikts ausgedehnt.
Washingtons Reaktion: bedeutungsloser Unsinn
Die Reaktion der US-Regierung auf den Bericht war scharf. stellvertretende Weißes-Haus-Sprecherin Anna Kelly bezeichnete die Arbeit des UN-Menschenrechtsrats als bedeutungslos. Beamte des Außenministeriums erklärten gegenüber Medien, die USA räumten dem Bericht keinerlei Glaubwürdigkeit ein. Das iranische Regime sei die einzige Partei, die Kriegsverbrechen begehe. Das Außenministerium ergänzte, der UN-Menschenrechtsrat betreibe seit Jahrzehnten „anti-amerikanische Rhetorik und Antisemitismus” und diene „repressiven Regimen als Bühne”.
Diese Sprache ist aus US-amerikanischen Reaktionen auf frühere UN-Kritik vertraut, aber in ihrer Schärfe bemerkenswert. Der Antisemitismus-Vorwurf gegen ein UN-Gremium, das sich mit dem Iran-Krieg befasst, wird von Menschenrechtsorganisationen als Ablenkungsmanöver kritisiert. Amnesty International hatte bereits im März 2026 Befunde zu den Februarangriffen veröffentlicht und die Angriffe als ungesetzlich bezeichnet. Human Rights Watch hat eigene Befunde bereits im März 2026 veröffentlicht.
Was das völkerrechtlich bedeutet
Der Bericht der Kommission hat selbst keine rechtlich bindende Wirkung. Er dokumentiert Befunde und kann Grundlage für weitere Verfahren sein, etwa vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH). Die USA erkennen die Jurisdiktion des IStGH allerdings nicht an und haben das Statut von Rom nie ratifiziert. Damit ist der direkte Weg zu strafrechtlicher Verfolgung durch ein internationales Gericht versperrt.
Dennoch hat der Bericht diplomatisches Gewicht. Er entsteht in einem Kontext, in dem die USA seit dem Beginn des Iran-Konflikts international unter wachsendem Druck stehen. Mehrere europäische Regierungen haben öffentlich gefordert, den Schutz von Zivilisten zur Bedingung für weitere diplomatische Unterstützung zu machen. Russland und China haben den Bericht bereits für Angriffe auf die westliche Glaubwürdigkeit genutzt. Die eigentliche Frage ist, ob europäische Regierungen ihn als Druckmittel für konkrete Bedingungen verwenden oder ihn stillschweigend zur Kenntnis nehmen.
Formelle Vorstellung im UN-Menschenrechtsrat am 21. September: Was folgt
Der Bericht wurde am 21. September 2026 dem vollständigen UN-Menschenrechtsrat in Genf formell vorgestellt. Das war der erste Moment, an dem Mitgliedsstaaten offiziell Stellung nehmen mussten. Beobachter rechneten mit einem deutlichen Riss zwischen westlichen Demokratien, die den USA nahestehen und der übrigen Ratsmehrheit. Eine Resolution, die USA zu weiteren Ermittlungen verpflichtet, braucht eine Mehrheit der 47 Mitgliedsstaaten. Wie der Rat abstimmt, wird auch Auskunft darüber geben, wie breit die internationale Isolation der USA in der Iran-Frage tatsächlich ist.
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