USA und Iran: Warum ein Friedensdeal so schwer wird
Trump erwartet ein "großes Abkommen" mit Iran, das den Krieg beendet und die Straße von Hormus öffnet. So sagte er es letzte Woche in einem Interview mit CNBC. Dann scheiterten die Gespräche in Islamabad nach 21 Stunden. Was dort scheiterte, ist nicht der gute Wille einzelner Verhandler, sondern ein Interessenkonflikt, der seit Jahrzehnten keine Lösung findet und den Trump 2018 selbst verschärft hat.
Das Erbe des zerstörten Atomdeals
Um zu verstehen, warum die aktuellen Verhandlungen so schwierig sind, muss man 2018 zurückgehen. Barack Obama hatte 2015 nach jahrelangen Verhandlungen das Atomabkommen JCPOA abgeschlossen: Iran begrenzte seine Urananreicherung auf 3,67 Prozent (waffenfähiges Uran braucht 90 Prozent), akzeptierte Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde und reduzierte seinen Zentrifugenpark drastisch. Im Gegenzug wurden Sanktionen gelockert und eingefrorene iranische Vermögen freigegeben.
Trump kündigte das Abkommen 2018 einseitig auf und nannte es den "schlechtesten Deal aller Zeiten". Er verschärfte die Sanktionen unter seiner Maximaldruckstrategie auf ein Niveau, das den iranischen Ölexport faktisch auf null senkte. Iran reagierte schrittweise: Heute reichert das Land Uran auf mindestens 60 Prozent an, verfügt über Vorräte, die für mehrere Atombomben ausreichen würden und lässt IAEA-Inspektoren nur noch eingeschränkt ins Land.
Die Ironie ist kaum verborgen. Trump steht jetzt vor denselben Grundkompromissen wie Obama 2015: Wie weit darf Iran Uran anreichern? Welche Sanktionen werden aufgehoben? Welche Verifikationsmechanismen akzeptiert Teheran? Dieselben Fragen, die er damals als inakzeptabel bezeichnete, muss er heute selbst beantworten. Nur dass Irans Verhandlungsposition 2026 stärker ist als 2015: Das Land hat mehr Zentrifugen, höher angereichertes Uran und hält seit Wochen die Straße von Hormus blockiert.
Drei Kernkonflikte, die keiner lösen kann
In Islamabad prallten am Mittwoch drei ungelöste Streitpunkte aufeinander, die nach 21 Stunden noch genauso ungelöst waren wie zu Beginn.
Erstens: das Atomprogramm. Die USA fordern den vollständigen Verzicht auf Urananreicherung auf iranischem Boden. Iran betrachtet dieses Recht als nationale Sicherheitsfrage und rote Linie, die keine Verhandlung berühren darf. Außenminister Abbas Araghtschi wiederholte diese Position zuletzt am Dienstag. Die Revolutionsgarden formulieren es schärfer: Das Atomprogramm ist der einzige langfristige Schutzschirm gegen US-Eingriffe.
Zweitens: die Sanktionen. Iran will die vollständige Aufhebung aller US-Sanktionen als Vorbedingung für substanzielle Zugeständnisse. Die USA wollen einen schrittweisen Ansatz mit Verifikation, bevor Sanktionen fallen. Das klassische Henne-Ei-Problem: Wer liefert zuerst das größere Zugeständnis?
Drittens: die Seeblockade. Iran knüpft die Rückkehr an den Verhandlungstisch an die Aufhebung der US-Seeblockade iranischer Häfen. Die USA betrachten die Blockade nicht als Kriegshandlung, sondern als Sanktionsdurchsetzung. Dieser Unterschied ist für Teheran nicht akzeptabel. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, der die iranische Delegation in Islamabad leitete, erklärte vor dem Abflug, Iran werde "keine Verhandlungen akzeptieren, die von Drohungen überschattet sind".
Das Kommandoproblem in Teheran
Selbst wenn Araghtschi und Ghalibaf sich auf Kompromisse einlassen wollten, ist unklar, wer in Iran das letzte Wort hat. Trumps Einschätzung, Irans Führung sei "ernsthaft gespalten", trifft einen realen Sachverhalt. Nach dem Tod von Obersten Führer Ali Khamenei zu Beginn des Konflikts im Februar 2026 ist die Kommandostruktur ungeklärt. Die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) untersteht formal nicht dem Präsidenten oder Außenminister, sondern dem Obersten Führer. Mahdi Mohammadi, Sicherheitsberater Ghalibaffs, erklärte vergangene Woche öffentlich, die Revolutionsgarde handle nach eigenem militärischen Ermessen, unabhängig von politischen Waffenruhebeschlüssen.
Das zeigte sich am Mittwochabend: Noch während die Delegationen in Islamabad verhandelten, hielt die IRGC die Blockade der Straße von Hormus aufrecht. Ghalibaf kann der US-Seite Kompromisse anbieten, die Revolutionsgarden anschließend ignorieren. Die US-Defense Intelligence Agency warnte zuletzt, China liefere wahrscheinlich in den nächsten Wochen neue Luftabwehrsysteme an Iran, was Teherans militärische Position weiter stärken würde. Eine verlängerte Feuerpause gibt Teheran Zeit genau dafür.
Warum trotzdem beide Seiten einen Deal wollen
So verhärtet die Positionen sind: Beide Seiten haben echte Anreize für eine Einigung. Iran kämpft unter der doppelten Last von Kriegskosten und Sanktionen gegen eine Wirtschaftskrise. Für die USA ist der Ölpreis das drängendste Problem: Brent notiert bei rund 96 Dollar pro Barrel, rund 35 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn. Die Internationale Energieagentur warnt, bei dauerhafter Hormusblockade könnten die Preise auf 150 bis 200 Dollar steigen. In Deutschland haben bereits 83 Prozent der Unternehmen negative Auswirkungen gemeldet; die Bundesregierung halbierte ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,5 Prozent.
Das Problem liegt weniger im Willen als in der Innenpolitik beider Seiten. Trump kann einem Deal nicht zustimmen, der wie eine Wiederholung des Obama-Abkommens aussieht, das er öffentlich als gescheitert bezeichnete. Die iranische Führung kann keinem Deal zustimmen, den die Revolutionsgarden als Kapitulation lesen würden.
Nächster Schritt: Pakistan versucht es erneut
Pakistanischer Armeechef Field Marshal Asim Munir will in den nächsten Tagen nach Teheran reisen, um die Bedingungen für eine Wiederaufnahme der Gespräche auszuloten. Trump hat kein neues Enddatum für die Waffenruhe gesetzt. Die nächste mögliche Verhandlungsrunde in Islamabad wird derzeit für Ende dieser Woche (26. bis 29. April) sondiert.
Aber die Grundkonstellation bleibt dieselbe wie am Mittwoch: Iran fordert die Aufhebung der Seeblockade als Vorbedingung, die USA lehnen das ab. Die Revolutionsgarden blockieren Hormus nach eigenem Ermessen. Und Trump droht öffentlich mit Bombardement, falls die Gespräche endgültig scheitern. Drohungen dieser Art haben in der Vergangenheit Teherans Verhandlungsbereitschaft eher verringert als erhöht.