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Fast 10.000 Wisente: Europas größter Landsäuger kehrt zurück

Fast 10.000 Wisente: Europas größter Landsäuger kehrt zurück

Vor zehn Jahren lebten nur rund 2.500 Europäische Wisente frei in der Wildbahn, heute sind es fast 10.000. Die Rückkehr des größten Landsäugers Europas überrascht auch als Klimaschutzbeitrag.

15. April 2026, 6:26 Uhr 542 Wörter · 3 Min. Lesezeit

Vor einem Jahrhundert galt der Europäische Wisent als ausgerottet. 1927 wurde das letzte freilebende Tier in Polen erschossen. Was danach folgte, ist eine der bemerkenswertesten Wiederherstellungsgeschichten der Naturschutzgeschichte: Mit weniger als 60 Tieren in Zoos begann eine Zucht, die heute fast 10.000 freilebende Wisente in ganz Europa hervorgebracht hat.

Vom Aussterben zur Trendwende

Ende 2024 zählte die Europäische Bisonpopulation 9.762 freilebende Individuen, wie Daten der Rewilding-Organisation IUCN zeigen. Vor zehn Jahren waren es noch rund 2.500. Diese Verdreifachung ist das Ergebnis jahrzehntelanger koordinierter Schutzprogramme in mehr als sieben Ländern: Polen, Weißrussland, Litauen, Rumänien, Deutschland, die Schweiz und Bulgarien beherbergen heute wieder eigene Herden.

Im Dezember 2020 reagierte die Weltnaturschutzunion IUCN auf diese Entwicklung und stufte den Wisent auf der Roten Liste von "gefährdet" auf "potenziell gefährdet" herab. Das ist keine Entwarnung, aber ein klares Signal: Der Trend ist umgekehrt.

Besonders deutlich zeigt sich der Erfolg in Rumänien. In den Südkarpaten, im Tarcau-Gebirge, wächst eine Herde, die heute über 100 Tiere zählt. Seit 2019 lebt wieder eine Gruppe im bulgarischen Rhodopengebirge. Und in Deutschland werden Wisente in mehreren Projekten wiederangesiedelt, darunter im Rothaargebirge im Sauerland, wo die erste freilebende Herde Westeuropas entstanden ist.

Ein unerwarteter Klimaschutzbeitrag

Was viele überrascht: Wisente sind nicht nur ein Symbol des Artenschutzes, sie sind auch Klimaschützer. Eine 2024 im Fachjournal Journal of Geophysical Research: Biogeosciences veröffentlichte Studie von Forschern der Yale University untersuchte die rumänische Herde im Tarcau-Gebirge. Das Ergebnis: 170 Wisente können durch ihre Weidewirkung und die Veränderung der Vegetation so viel Kohlenstoff im Boden binden, dass es den Emissionen von 43.000 bis 84.000 Pkw pro Jahr entspricht.

Der Mechanismus dahinter ist der sogenannte Ökosystem-Ingenieurs-Effekt. Wisente fressen selektiv, trampeln Boden und Totholz nieder und schaffen so kleinräumige Strukturen, die für viele Arten Lebensraum bieten und gleichzeitig die Kohlenstoffspeicherung im Boden fördern. Wo Wisente grasen, entstehen artenreichere Wälder.

Naturschutz als Wirtschaftsfaktor

Die Rückkehr der Wisente zieht Menschen an. In Polen und Rumänien hat sich rund die Bisonbeobachtung ein nennenswerter Ökotourismus entwickelt. Reiseagenturen bieten spezialisierte Touren an, lokale Gemeinschaften profitieren. Das verändert auch die gesellschaftliche Akzeptanz für Wildtiere in der Kulturlandschaft: Wo Tiere Einnahmen bringen, sinkt der Druck auf illegale Bejagung.

Nicht alle Entwicklungen verlaufen reibungslos. Landwirte in einigen Regionen berichten von Schäden an Feldern und Weidezäunen. Naturschutzorganisationen und lokale Behörden arbeiten an Entschädigungsmodellen, die Konflikte abmildern sollen.

Was als Nächstes kommt

Das Ziel der europäischen Naturschutzprogramme ist eine stabile Gesamtpopulation von mindestens 5.000 genetisch vielfältigen Tieren in freier Wildbahn, verteilt über möglichst viele voneinander unabhängige Herden. Dieses Ziel gilt als erreicht, doch die Arbeit geht weiter: Genetisch isolierte Populationen müssen durch gezielte Umsiedlungen vernetzt werden, um Inzucht zu vermeiden. In mehreren Ländern, darunter Frankreich und die Slowakei, laufen Machbarkeitsstudien für weitere Wiederansiedlungen.

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