UniCredit legt am 5. Mai Angebot für Commerzbank vor
Am 5. Mai 2026 wird UniCredit-Chef Andrea Orcel liefern müssen, was er seit Monaten ankündigt: das formelle Übernahmeangebot für die Commerzbank. Einen Tag zuvor, am 4. Mai, stimmen UniCredit-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die nötige Kapitalerhöhung ab. Das Angebot sieht 35 Milliarden Euro vor, bezahlt durch den Tausch von 0,485 neuen UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie. Die Bundesregierung, die gut 12 Prozent der Commerzbank hält, hat das Vorhaben als inakzeptabel abgelehnt. Orcel kontert: Der Prozess sei nicht mehr aufzuhalten.
Wie es dazu kam
Im September 2024 stieg UniCredit still bei der Commerzbank ein, zunächst mit knapp 9 Prozent. Bis Anfang 2026 hatte das Mailänder Geldhaus seinen Anteil auf 29,99 Prozent ausgebaut, die rechtlich kritische Schwelle für ein automatisches Pflichtangebot knapp unterbietend. Im März 2026 machte UniCredit das Vorhaben öffentlich: eine vollständige Übernahme für rund 35 Milliarden Euro über einen Aktientausch ohne Barkomponente.
Die Commerzbank kämpft seitdem auf mehreren Fronten gegen die feindliche Übernahme. Das Frankfurter Institut hat eine Verteidigungsstrategie ausgearbeitet, die am 8. Mai mit der Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Quartal 2026 und einem neuen Strategieplan bis 2030 ihren Kern zeigen soll. Die Wette der Commerzbank: überzeugende Zahlen und ein eigenständiger Zukunftspfad als stärkstes Argument gegen die Übernahme.
Orcel und die Logik des Unaufhaltsamen
Orcel, seit 2021 CEO von UniCredit, hat das Commerzbank-Engagement zur zentralen Strategie erklärt. Er begründet das Vorhaben mit dem Mehrwert einer pan-europäischen Bank: UniCredit wäre nach einer Übernahme eine der größten Banken der Eurozone mit Präsenz in mehr als 10 Ländern. Die Industrielogik sei klar, sagte Orcel und man könne nicht gegen die Schwerkraft ankämpfen. Gleichzeitig ließ er die Tür für Verbesserungen des Angebots offen, falls Commerzbank in direkte Gespräche einsteige: Falls ein Kompromiss sich abzeichne, sei eine Nachbesserung des Angebots möglich.
Das klingt nach dem klassischen Schachzug einer feindlichen Übernahme: hartes Angebot als Einstiegsposition, verbunden mit dem Signal, dass ein freundlicher Zusammenschluss günstiger für alle wäre. Die Commerzbank-Führung hat das bislang abgelehnt und betont, das Haus sei eigenständig lebensfähig und stark genug, um allein zu wachsen.
BaFin greift ein, Berlin sucht Alternativen
Die Bankenaufsicht BaFin ist in den Übernahmekampf eingetreten. Sie verbot UniCredit, auf Konferenzen oder in sozialen Medien Spekulationen über die finanzielle Lage der Commerzbank zu verbreiten. UniCredit hatte in Kampagnen Behauptungen über Schwächen der Commerzbank veröffentlicht, die BaFin als sensationell und unbegründet einstufte. Das Verbot gilt für die gesamte Dauer des Angebots und umfasst auch Analysten-Gespräche.
Die Bundesregierung, die nach der Commerzbank-Rettung 2008 noch rund 12 Prozent der Bank hält, lehnt die Übernahme ab. Berlin hat Berichten zufolge nach einem sogenannten White Knight gesucht, einem alternativen Investor, der einen größeren Anteil kaufen und UniCredit strategisch ausbremsen könnte. Konkrete Ergebnisse dieser Suche sind nicht bekannt.
Was das für Beschäftigte und Kunden bedeutet
Die Commerzbank ist mit rund 11 Millionen Privat- und Geschäftskunden sowie gut 40.000 Beschäftigten eine der größten Retailbanken Deutschlands. UniCredit hat Synergiegewinne durch die Übernahme in Aussicht gestellt. In der Praxis bedeuten Banken-Fusionen dieser Größenordnung regelmäßig: Filialschließungen, Plattformkonsolidierung und Personalabbau. Arbeitnehmervertreter im Commerzbank-Aufsichtsrat haben Bedenken angemeldet.
Für den deutschen Bankenmarkt steht mehr auf dem Spiel als die Zukunft eines Instituts. Eine erfolgreiche Übernahme würde den Trend zur europäischen Bankenfusion beschleunigen. Deutsche Finanzpolitiker sehen darin eine Frage nationaler Finanzautonomie: Wer kontrolliert mittelfristig die Kreditversorgung für den deutschen Mittelstand, wenn die größten deutschen Privatbanken in ausländischer Hand sind?
Der Fahrplan der nächsten Wochen
UniCredit-Aktionäre stimmen am 4. Mai über die Kapitalerhöhung ab. Am 5. Mai erscheint das formelle Übernahmeangebot. Am 8. Mai präsentiert die Commerzbank Quartalszahlen und ihren Strategieplan 2030. Dann beginnt eine mehrwöchige Annahmefrist, in der Commerzbank-Aktionäre entscheiden müssen, ob sie ihre Anteile tendern. Die Bundesregierung kann ihre 12 Prozent behalten und das Angebot damit symbolisch ablehnen, scheitern lassen kann sie es damit allein nicht. Commerzbank muss genug Aktionäre überzeugen, auf Eigenständigkeit zu setzen. Das entscheidet sich in den nächsten Wochen.