UN beschließt erste Erklärung zum Meeresspiegelanstieg
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UN beschließt erste Erklärung zum Meeresspiegelanstieg

Die UN-Generalversammlung hat am 24. September 2026 im Konsens die erste gemeinsame Erklärung zum Meeresspiegelanstieg angenommen. Das Dokument bekräftigt eine Vermutung zugunsten fortbestehender Staatlichkeit im Einklang mit dem Völkerrecht sowie die Möglichkeit für Staaten, ihre nach UNCLOS festgelegten Meereszonen trotz physischer Veränderungen durch den Meeresspiegelanstieg beizubehalten. Für Entwicklungsländer, insbesondere kleine Inselstaaten und die am wenigsten entwickelten Länder, fordert die Erklärung zugleich mehr und leichter zugängliche Finanzierung.

Quellen (15)
  1. ‘Rising seas are sinking futures’ | UN Newsnews.un.org
  2. UN General Assembly adopts declaration on sea level risewmo.int
  3. The UN has issued its first joint declaration on sea level rise - CSMonitor.comcsmonitor.com
  4. UN Adopts First Sea Level Rise Declaration, Safeguards Island Nations’ Statehood and Maritime Rightsdowntoearth.org.in
  5. UN adopts first sea-level rise declaration as coastal nations confront mounting legal challenges - JURIST - Newsjurist.org
  6. High-level Meeting to Address the Existential Threats Posed by Sea-level Rise | General Assembly of the United Nationsun.org
  7. Concept Note - High-level Meeting on Sea-Level Riseun.org
  8. UN Declaration on Sea Level Rise 1 We, the Heads of State and Government and high-level representatives to the opening of the 81st session of the General Assembun.org
  9. UN passed the first declaration on sea level risegoodgoodgood.co
  10. Alliance of Small Island States (AOSIS)aosis.org
  11. LIVE: World leaders approve new declaration to tackle rising sea levels | UN Newsnews.un.org
  12. UN adopts first sea-level rise declaration to protect island statestheclimatewatch.com
  13. Governments at UN General Assembly support global ocean observationwmo.int
  14. Canada and the European Union help secure approximately $339 million in pledges for the Global Ocean Observing System | Prime Minister of Canadapm.gc.ca
  15. UN passes first declaration on sea level rise, protecting island nations' sovereignty | Gristgrist.org
6. Oktober 2026, 20:36 Uhr815 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Beim hochrangigen Treffen der 81. UN-Generalversammlung nahmen die Staats- und Regierungschefs die UN Declaration on Sea Level Rise am Donnerstag, dem 24. September 2026, im Konsens an. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie erfolgte die Annahme durch Akklamation, nach einem langwierigen und intensiven Verhandlungsprozess. Laut einem Bericht des Christian Science Monitor billigten damit alle 193 UN-Mitgliedstaaten eine gemeinsame Erklärung zum Meeresspiegelanstieg. Die vierseitige Erklärung fordert laut Down To Earth stärkere Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Küstengemeinschaften.

Auftrag aus dem Jahr 2024

Den Auftrag für das Treffen hatte die Generalversammlung bereits am 1. August 2024 mit ihrer Entscheidung 78/558 erteilt, die ein hochrangiges Treffen und eine handlungsorientierte, im Konsens ausgehandelte Erklärung verlangte. Dem Treffen von 2026 vorausgegangen war ein hochrangiges Treffen am 25. September 2024, bei dem die Generalversammlung den Meeresspiegelanstieg zu einem Thema von globalem Interesse erhoben und politische Führung sowie abgestimmtes globales Handeln angemahnt hatte. Die UN-Völkerrechtskommission hatte das Thema bereits seit 2019 untersucht und ihre Arbeit zu Seerecht, fortbestehender Staatlichkeit und dem Schutz betroffener Personen 2025 abgeschlossen.

Was die Erklärung für bedrohte Staaten festschreibt

Im Kern bekräftigt der Text eine Vermutung zugunsten fortbestehender Staatlichkeit und unterstreicht die Kontinuität von Souveränität, souveränen Rechten und der UN-Mitgliedschaft betroffener Länder im Einklang mit dem Völkerrecht. Er erinnert daran, dass das Verschwinden eines Bestandteils eines bereits bestehenden Staates nicht notwendigerweise den Verlust seiner Staatlichkeit bedeuten würde. Nach UNCLOS, dem UN-Seerechtsübereinkommen, festgelegte Meereszonen können Staaten trotz physischer Veränderungen durch den Meeresspiegelanstieg beibehalten, ohne dass ihnen das Recht verwehrt bleibt, diese später zu aktualisieren. Nach Darstellung des Christian Science Monitor bedeutet das konkret: Länder können als souveräne politische Einheiten selbst bei einem späteren Verschwinden ihres Landes fortbestehen und weiterhin ihre ursprüngliche Meeresgrenze samt ausschließlicher Rechte für Fischerei oder Energie kontrollieren. Der amtliche Deklarationstext bekräftigt eine Vermutung zugunsten fortbestehender Staatlichkeit im Einklang mit dem Völkerrecht; der Erhalt von Meereszonen bezieht sich ausdrücklich auf nach UNCLOS festgelegte Zonen. Offen bleiben laut einem Bericht von JURIST unter anderem Fragen zu Umsiedlung, Staatsangehörigkeit, Entschädigung und grenzüberschreitender Vertreibung, wenn Bevölkerungen gezwungen sind, ins Ausland zu ziehen.

Die Finanzierung bleibt laut Grist unter dem von Fachleuten für nötig gehaltenen Niveau

Die Erklärung fordert zugleich erweiterten Zugang zu Finanzierung und erkennt laut Christian Science Monitor eine Verpflichtung entwickelter Länder an, Maßnahmen zum Schutz von Küsten mitzufinanzieren. Wie Grist berichtet, erhöht die Erklärung für sich genommen die verfügbaren Mittel für Staaten wie die Marshallinseln jedoch nicht: Wohlhabende Länder zahlen derzeit rund $130 billion pro Jahr an Zuschüssen und zinsgünstigen Krediten für saubere Energie und Anpassung, deutlich weniger als Fachleute für nötig halten. Die Welt hatte vereinbart, bis 2035 jährlich $300 billion an Klimahilfen bereitzustellen. Ein großer Teil davon sind Kredite, die laut Grist viele Inselstaaten kaum tragen können, wie die milliardenschweren Schulden der Bahamas nach dem Hurrikan Dorian von 2019 zeigen. AOSIS-Vorsitzender und Palaus Präsident Surangel Whipps Jr. erklärte laut AOSIS, die Erklärung könne den Meeresspiegelanstieg selbst nicht stoppen, das könne nur Klimaschutz; jeder Bruchteil eines Grades Erwärmung lege die Welt auf weiteren Anstieg fest. UN-Generalsekretär António Guterres forderte laut UN News bei dem Treffen, die globalen Emissionen müssten sofort ihren Höhepunkt erreichen und bis 2035 um 60 Prozent sinken, während sich die Anpassungsfinanzierung verdreifachen müsse.

Im Vergleich: Mehr als drei Jahrzehnte diplomatischer Vorarbeit

Die Erklärung baut auf jahrzehntelanger Vorarbeit kleiner Inselstaaten auf: Erstmals Alarm geschlagen hatten sie 1989 mit der Malé-Erklärung zu globaler Erwärmung und Meeresspiegelanstieg. Die Führungsspitzen des Pacific Islands Forum verabschiedeten 2021 und 2023 eigene Erklärungen zu Meereszonen und Staatlichkeit. Die Allianz der kleinen Inselstaaten AOSIS verabschiedete entsprechende Erklärungen 2021 und 2024. Der Internationale Gerichtshof stützte diese Position im Juli 2025 mit einem Gutachten, laut dem ein Staat seine Staatlichkeit nicht notwendigerweise verliert, wenn eines der traditionell damit verbundenen Elemente entfällt. Der Internationale Seegerichtshof hatte laut JURIST bereits in seinem Gutachten von 2024 festgestellt, dass menschengemachte Treibhausgasemissionen Meeresverschmutzung im Sinne von UNCLOS darstellen können und Staaten verpflichtet sind, die Meeresumwelt vor Folgen wie dem Meeresspiegelanstieg zu schützen.

Das Ausmaß der Bedrohung wächst dabei messbar: Die Anstiegsrate des globalen mittleren Meeresspiegels hat sich laut der Konzeptnotiz der Generalversammlung von 2.1 auf 4.7 Millimeter pro Jahr verdoppelt. Diese Verdopplung vollzog sich zwischen den Messzeiträumen 1993 bis 2002 und 2015 bis 2024. Schon heute leben laut Guterres rund 770 Millionen Menschen weniger als fünf Meter über der Hochwasserlinie. Weltweit wohnen zudem etwa 900 Millionen Menschen in tief liegenden Küstenzonen. Diese Zahl soll sich laut Prognose der Generalversammlung bis 2050 der Marke von einer Milliarde nähern.

Die Umsetzung der Forderungen nach Anpassung, finanzieller Unterstützung und stärkerem Klimaschutz hängt nach Einschätzung von Down To Earth von einzelnen Ländern und internationalen Institutionen ab. Die Generalversammlung hat sich selbst verpflichtet, spätestens bei ihrer dreiundachtzigsten Sitzung Umfang und Modalitäten eines weiteren hochrangigen Treffens festzulegen, das vor Ende der vierundachtzigsten Sitzung stattfinden soll. Bahamas-Premierminister Philip Davis brachte die Erwartung auf den Punkt: Die Erklärung werde den Fluss konkreter Maßnahmen hoffentlich verstärken, auch wenn sein Land schon jetzt Land an das Wasser verliere.

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