Uganda: Weiße Nashörner kehren nach 43 Jahren zurück
Good News

Uganda: Weiße Nashörner kehren nach 43 Jahren zurück

Im März 2026 trafen die ersten Weißnashörner seit 43 Jahren im Kidepo Valley Nationalpark ein. Wilderei hatte die Art in Uganda 1983 ausgelöscht. Ein gezieltes Zuchtprogramm macht die Rückkehr jetzt möglich.

Quellen (8)
  1. Mongabay — Decades after poaching, rhinos are back in Ugandanews.mongabay.com
  2. Global Conservation — Historic Rhino Reintroductions in Kidepo Valley NPglobalconservation.org
  3. Save the Rhino — Uganda Rhino Reintroductionssavetherhino.org
  4. Click Orlando / AP — Uganda reintroduces rhinos since 1983clickorlando.com
  5. A-Z Animals — Remarkable Comeback of Rhinos in Ugandaa-z-animals.com
  6. Yahoo News — White Rhinos Reintroduced to Uganda 43 Years Afteryahoo.com
  7. WWF Österreich — Iberische Luchse weniger gefährdetwwf.at
  8. Journeys Uganda — White Rhinos Restoration to Kidepo Valleyjourneysuganda.com
13. August 2026, 16:08 Uhr791 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Acht Nashörner in Transportboxen, auf Lastwagen geladen, von einem Zuchtreservat im Zentrum Ugandas in den entlegenen Kidepo Valley Nationalpark. Am 17. März 2026 öffneten sich die Boxen. Die Art, die Wilderer 1983 aus Ugandas Wildnis vertrieben hatten, ist zurück und mit ihr kehrt ein Tier zurück, das hier seit 43 Jahren nicht mehr gesehen wurde.

1983: Das Ende der Nashörner in Uganda

Uganda war einst reich an Nashörnern. Breitmaulnashörner lebten in den Savannen des Nordens und Nordostens, Spitzmaulnashörner an anderen Standorten des Landes. Die politischen Unruhen der 1970er und frühen 1980er Jahre, kombiniert mit organisiertem Hornschmuggel auf internationalen Schwarzmärkten, vernichteten die Bestände vollständig. Bis 1983 gab es kein einziges wildes Nashorn mehr im Land.

artenschutz

Die historisch in Uganda heimische Art war das Nördliche Breitmaulnashorn, von dem heute weltweit nur noch zwei Weibchen in Gefangenschaft leben. Eine Reintroduktion dieser Unterart ist damit ausgeschlossen. Für die Kidepo-Wiederansiedlung kam deshalb das Südliche Breitmaulnashorn infrage, das ökologisch dieselbe Nische besetzt und als Großherbivore Graslandschaften formt. James Musinguzi, Geschäftsführer der Uganda Wildlife Authority, erkannte offen an, dass es sich um eine andere Unterart handele, betonte aber den ökologischen Gewinn: Nashörner sind Schlüsselarten, deren Weideverhalten anderen Tier- und Pflanzenarten zugutekommen.

2005: Das Ziwa Sanctuary als Brücke zurück

Zweiundzwanzig Jahre nach dem letzten wilden Nashorn schloss die Uganda Wildlife Authority gemeinsam mit Rhino Fund Uganda einen Schutzvertrag für das Ziwa Rhino Sanctuary, ein rund 7.000 Hektar großes Privatgelände in Zentral-Uganda. Sechs Tiere bildeten den Ausgangspunkt: vier Südliche Breitmaulnashörner aus Kenia und zwei aus einem US-amerikanischen Zoo. Das Reservat bot eingezäunten Lebensraum mit rund um die Uhr bewaffneter Bewachung, ohne die ein Zuchtprogramm in dieser Region kaum realistisch wäre.

Die Strategie bewährte sich. Bis 2023 wuchs die Population auf 42 Tiere. Kein einziges fiel in diesem Zeitraum der Wilderei zum Opfer. Damit war die Ziwa-Population groß genug, um Tiere dauerhaft in freie Wildgebiete abzugeben, ohne den Bestand im Sanctuary zu gefährden. Im Januar 2026 kamen zunächst vier Nashörner ins Ajai Wildlife Reserve im Nordwesten des Landes.

17. März 2026: Die Rückkehr nach Kidepo

Kidepo Valley liegt im äußersten Nordosten Ugandas, an der Grenze zum Südsudan und zu Äthiopien und gilt als eines der am wenigsten beeinträchtigten Savannenökosysteme des Kontinents. Am 17. März 2026 trafen die ersten zwei Südlichen Breitmaulnashörner aus dem Ziwa Sanctuary ein. Sechs weitere folgten in den nächsten Wochen, sodass acht Tiere die neue Nashornzone im Narus-Tal beziehen. Das neue Gehege umfasst fertige Zaunanlagen, Brandschutzinfrastruktur und einen ausgebauten Zugangsweg am Nataba-Gate.

nashorn

Zusätzlich wurden im Rahmen des ersten bilateralen Wildtiertauschabkommens zwischen Uganda und Kenia fünf Nashörner aus Kenia nach Kidepo transferiert. Als nächste Reintroduktionswelle plant die Uganda Wildlife Authority mindestens 20 Östliche Schwarznashörner, eine weitere bedrohte Nashornart, für ugandische Schutzgebiete.

Im Vergleich: Artenschutz kann Arten zurückbringen

Die Geschichte des Iberischen Luchses belegt, wohin konsequente Schutzarbeit führen kann. Im Jahr 2001 lebten nur noch 62 ausgewachsene Tiere auf der Iberischen Halbinsel. Spanien und Portugal investierten über zwei Jahrzehnte in Lebensraumschutz, Zucht und Auswilderung. 2025 zählten die Behörden 2.663 Individuen. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stufte die Art daraufhin von stark gefährdet auf verletzlich herab.

Das Südliche Breitmaulnashorn selbst ist eine vergleichbare Erfolgsgeschichte. Im frühen 20. Jahrhundert lebten von dieser Unterart weniger als 100 Tiere, fast ausschließlich in einem kleinen Schutzgebiet in der damaligen Natal-Provinz Südafrikas. Durch strikte Schutzmaßnahmen und internationale Zuchtprogramme stieg der Bestand nach IUCN-Daten auf mehr als 17.000 Tiere. Uganda schöpft aus dieser Erholung: Die Gründertiere im Ziwa Sanctuary kamen ursprünglich aus Kenia und den USA, beides Länder, in denen die Unterart durch genau solche Programme gerettet wurde.

Was den Erfolg jetzt gefährdet

Drei konkrete Risiken bestehen fort. Wilderei: Kidepo Valley liegt in einem historisch instabilen Grenzgebiet nahe dem Südsudan. Das Ziwa Sanctuary konnte seinen Bestand durch permanente Bewachung schützen, doch freie Wildbahn ist schwerer zu sichern als ein eingezäuntes Reservat. Das Nashornhorn erzielt auf Schwarzmärkten weiterhin hohe Preise, was den Anreiz für Wilderei nicht beseitigt.

Mensch-Tier-Konflikte: Das Karamoja-Gebiet wird von Hirtengemeinschaften bewohnt, die traditionell Parkränder für Weideland nutzen. Eine funktionierende Koexistenz braucht Zeit, gezielte Kommunikation und konkrete Kompensationsmechanismen. Genetische Basis: Acht Gründertiere in Kidepo sind zu wenig für langfristige genetische Gesundheit. Weitere Transfers aus Ziwa und internationalen Reservaten werden in den kommenden Jahren nötig sein. Die geplante zweite Reintroduktionswelle mit Östlichen Schwarznashörnern würde die Gesamtzahl wild lebender Nashörner in Uganda deutlich erhöhen und die Artenvielfalt des ugandischen Nashornprogramms stärken.

Kommentare