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Erste TB-Impfung seit 100 Jahren: 20.000 Probanden, fünf Länder, eine Chance

Erste TB-Impfung seit 100 Jahren: 20.000 Probanden, fünf Länder, eine Chance

Der Impfstoffkandidat M72/AS01E könnte die erste neue Tuberkulose-Impfung seit über 100 Jahren werden. Die Phase-3-Studie mit bis zu 20.000 Teilnehmern hat die Einschreibung abgeschlossen.

13. April 2026, 6:18 Uhr 548 Wörter · 3 Min. Lesezeit

Der einzige heute verfügbare Tuberkulose-Impfstoff wurde 1921 zum ersten Mal beim Menschen eingesetzt. Seitdem ist auf diesem Gebiet wenig passiert, während die Krankheit weltweit jedes Jahr rund 1,5 Millionen Menschen tötet. Ein neuer Impfstoffkandidat, M72/AS01E, könnte das ändern: Die Phase-3-Studie hat die Einschreibung abgeschlossen und testet nun an rund 20.000 Teilnehmern, ob der Schutz aus früheren Studien sich bestätigen lässt.

Der Stand der Forschung

Die BCG-Impfung, benannt nach den Bakteriologen Calmette und Guérin, schützt Säuglinge zuverlässig vor schweren TB-Verläufen, versagt aber bei Erwachsenen mit latenter Infektion. Genau das ist das weltweite Problem: Schätzungsweise ein Viertel der Weltbevölkerung trägt Mycobacterium tuberculosis in sich, ohne krank zu sein. Bei geschwächtem Immunsystem, etwa durch HIV oder Mangelernährung, bricht die Krankheit dann aus.

M72/AS01E richtet sich an diese Gruppe. Der Kandidat kombiniert ein Fusionsprotein aus zwei TB-Antigenen mit dem Adjuvans-System AS01E, das auch im zugelassenen Malaria-Impfstoff RTS,S verwendet wird und die Immunantwort verstärkt. In einer Phase-2b-Studie, deren Abschlussergebnisse im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden, zeigte der Impfstoff eine Schutzwirkung von 54 Prozent gegen aktive Lungentuberkulose über drei Jahre. Das klingt zunächst bescheiden, ist aber in der Tuberkuloseforschung ein historisches Ergebnis: Kein anderer Kandidat für Erwachsene hatte zuvor überhaupt eine messbare Wirkung gezeigt.

Die Phase-3-Studie

Das Bill & Melinda Gates Medical Research Institute, ein gemeinnütziger Zweig der Gates Foundation, sponsert die Phase-3-Studie. Finanziert wird sie von der Gates Foundation und dem Wellcome Trust gemeinsam; die Gesamtinvestition wird auf rund 550 Millionen US-Dollar geschätzt.

Die Studie läuft an 54 Standorten in fünf Ländern: Südafrika, Kenia, Malawi, Sambia und Indonesien. Die Teilnehmer umfassen Menschen mit und ohne HIV-Infektion, da TB für HIV-Positive besonders gefährlich ist und eine wirksame Impfung genau in diesen Bevölkerungsgruppen besonders dringend gebraucht wird. Die Einschreibung von rund 20.000 Probanden wurde schneller als erwartet abgeschlossen, wie das Gates Medical Research Institute mitteilte.

Was auf dem Spiel steht

Tuberkulose ist die Infektionskrankheit, an der weltweit die meisten Menschen sterben, nach COVID-19 erst kürzlich wieder auf Platz eins zurückgekehrt. In einkommensschwachen Ländern trifft sie vor allem Menschen im arbeitsfähigen Alter; die wirtschaftlichen Folgekosten sind enorm. Gleichzeitig breiten sich multiresistente Stämme aus, gegen die selbst die neuesten Antibiotika nur begrenzt wirksam sind.

Eine 54-prozentige Schutzwirkung würde, konsequent eingesetzt, Millionen Fälle pro Jahr verhindern. Modellrechnungen der WHO gehen davon aus, dass eine TB-Impfung mit dieser Wirksamkeit bis 2050 über 75 Millionen Leben retten könnte. Der Impfstoff wird von GlaxoSmithKline entwickelt und steht unter Lizenz dem Gates Medical Research Institute zur Verfügung.

Was als Nächstes kommt

Die Ergebnisse der Phase-3-Studie werden voraussichtlich in den kommenden Jahren vorliegen. Wenn der Kandidat die Wirksamkeit bestätigt, wäre eine Zulassung durch WHO, FDA und EMA der nächste Schritt, gefolgt von Gesprächen über Preisgestaltung und Verteilung für einkommensschwache Länder, in denen die Krankheitslast am größten ist. Gavi, die Impfstoffallianz, hat bereits Interesse an einer Aufnahme in ihr Portfolio signalisiert.

KI-gestützt erstellt

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