
Pentagon prüft Abzug von 40.000 US-Soldaten aus Europa
Quellen (8)
- Tagesspiegeltagesspiegel.de
- Berliner Zeitungberliner-zeitung.de
- BusinessToday (Pentagon review)businesstoday.in
- Grosswald.org (NDAA Section 1249)grosswald.org
- Blick.ch (Fort Trump)blick.ch
- Time Magazine (Mai 2026)time.com
- TVP Worldtvpworld.com
- Sicherheit & Verteidigungsuv.report
Das Pentagon prüft den Abzug von bis zu 40.000 US-Soldaten aus Europa. Das wäre die größte amerikanische Truppenreduktion auf dem Kontinent seit dem Ende des Kalten Krieges und würde knapp die Hälfte der aktuell rund 80.000 stationierten Kräfte betreffen. Deutschland als größtes Aufnahmeland mit 36.000 stationierten Soldaten wäre am stärksten betroffen.
Was das Pentagon plant
General Alexus Grynkewich, Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa (USEUCOM) und NATO-Oberbefehlshaber Europa (SACEUR), hat laut Berichten des Tagesspiegel die Ausarbeitung interner Planungsoptionen bestätigt. Der Umfang reicht von 25.000 bis zu 40.000 Soldaten, zusätzlich sollen Kampfflugzeuge, Kriegsschiffe und schweres Gerät abgezogen werden. Grynkewich soll noch diese Woche eine erste Beurteilung an Verteidigungsminister Pete Hegseth übergeben. Die endgültige Empfehlung ist für den 6. November vorgesehen, danach würde sie Präsident Donald Trump zur Entscheidung vorgelegt.
Am stärksten betroffen wären laut Berliner Zeitung: Deutschland (36.000 Soldaten), Italien (12.000) und Spanien, das wichtige Luftstützpunkte und Marinestützpunkte beherbergt. Ein Abzug am unteren Ende der Bandbreite (25.000) würde die US-Präsenz in Europa um fast ein Drittel reduzieren, am oberen Ende (40.000) nahezu halbieren.
Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, in den 1980er Jahren, waren bis zu 300.000 US-Soldaten in Europa stationiert. Nach dem Ende des Warschauer Pakts wurden die Zahlen schrittweise reduziert, auf zuletzt rund 80.000. Selbst diese Zahl galt in Europa als Mindestsignal amerikanischer Bündnisverpflichtung gegenüber Russland. Ein Abzug auf 40.000 oder weniger würde dieses Signal unwiderruflich verändern.
Die stille Deadline: Was am 30. September ausläuft
Was die Debatte besonders brisant macht: Die gesetzliche Untergrenze von 76.000 US-Soldaten in Europa gilt nur noch eine Woche. Paragraf 1249 des Verteidigungshaushalts 2026 (NDAA 2026) verbietet die Verwendung von Haushaltsmitteln, wenn die Truppenstärke dauerhaft unter 76.000 fällt und zwar nur für Mittel des Fiskaljahres 2026, das am 30. September endet. Ob der Haushalt 2027 eine analoge Klausel enthält, ist noch offen.
Selbst wenn diese Grenze gilt: Hegseth und Grynkewich müssten je eine unabhängige Stellungnahme an den Kongress übermitteln und die Kompatibilität mit der nationalen Sicherheit sowie die Abstimmung mit der NATO nachweisen. Das ist eine politische Hürde, aber kein absolutes Veto des Parlaments.
NATO zwischen Alarm und strategischer Neuordnung
Die Meldung trifft Europa in einer angespannten Lage. Polens Ministerpräsident Donald Tusk hatte in der vergangenen Woche im Warschauer Parlament vor bevorstehender russischer Eskalation gewarnt. Ein massiver US-Truppenabzug würde in genau diese Phase fallen.
Für Deutschland ist der Einschnitt nicht nur militärisch bedeutend. Ramstein Air Base in der Pfalz ist das zentrale Drehkreuz für alle US-Militärtransporte nach Europa und in den Nahen Osten. Die Marinefliegerstation Sigonella auf Sizilien und der Marinestützpunkt Rota in Spanien erfüllen ähnliche Funktionen für den Mittelmeerraum. Ein Abzug von bis zu 40.000 Soldaten bedeutet nicht nur weniger Truppen, sondern das Wegbrechen einer logistischen Infrastruktur, die über Jahrzehnte aufgebaut wurde.
Gleichzeitig berichtete die Schweizer Zeitung Blick, dass Trump erwägen könnte, Polen als Gegenleistung für Loyalität einen dauerhaften US-Stützpunkt anzubieten, der informell als Fort Trump bezeichnet wird. Das würde die Architektur der US-Präsenz in Europa verschieben: weg von einer breiten Streuung über Deutschland, Italien und Spanien, hin zu einer konzentrierten Präsenz an der NATO-Ostflanke.
Politischer Widerstand im Kongress
Nicht alle Mitglieder der Republikanischen Partei stehen hinter einem umfangreichen Truppenabzug. Bei früheren Ankündigungen hatten Senatsausschussvorsitzender Roger Wicker und Streitkräfteausschuss-Chef Mike Rogers öffentlich Widerstand signalisiert und gewarnt, ein Abzug untergrabe die Abschreckung gegenüber Russland. Ob dieser Widerstand einen deutlich größeren Schritt stoppen kann, bleibt offen.
Die Entscheidung würde nach dem 6. November bei Trump liegen. Der Kongress könnte im laufenden Haushaltsprozess für 2027 eine neue Schutzklausel erzwingen, doch angesichts der Mehrheitsverhältnisse ist das kein sicheres Szenario.
Der Fahrplan bis November: Was gilt und was offen bleibt
Der aktuelle Planungsrahmen ist das vorläufige Ende einer Serie von Ankündigungen. Time Magazine hatte bereits im Mai berichtet, dass der US-Truppenabbau in Europa erst begonnen habe. Im selben Monat ordnete Hegseth den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland an. Was damals als schrittweiser Rückbau begann, nimmt nun die Form eines umfassenden Umbaus an.
Für die europäischen NATO-Partner laufen die Entscheidungsfristen eng zusammen: Die gesetzliche Schutzgrenze endet am 30. September, Hegseths Empfehlung folgt am 6. November, danach Trump. Die Frage, die Bundesaußenminister Johann Wadephul bereits im Mai formuliert hatte, wie eigenständig Europa in einem Szenario werden kann, in dem die USA ihre Kontinentalpräsenz halbieren, ist jetzt keine hypothetische mehr.
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