Solarmodule zwischen Gleisen: Bilanz des ersten Betriebsjahres
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Solarmodule zwischen Gleisen: Bilanz des ersten Betriebsjahres

Seit April 2025 testet das Schweizer Start-up Sun-Ways in Buttes entfernbare Solarmodule zwischen den Bahnschienen. Zur Bilanz des ersten Betriebsjahres meldete Sun-Ways im Juni 2026, mehr als 11.000 Züge seien über die Anlage gefahren, ohne die Stabilität der Module zu beeinträchtigen. Die französische Bahngesellschaft SNCF prüft anhand des Pilotprojekts, ob sich die Technik für ihr Netz eignet.

Quellen (11)
  1. Sun-Ways' railway solar plant reports positive first-year resultsggba.swiss
  2. COMMUNIQUÉ DE PRESSE Paris / Ecublens (Suisse), le 2 février 2026 Le groupe SNCF s’associe à la start-up suisse Sun-Ways pourgroupe-sncf.com
  3. Installation photovoltaïque Sun-Ways - transN - Notre force, votre réseau. Transports publics neuchâtelois SA, Neuchâtel, La Chaux-de-Fonds, Le Locle, Suissetransn.ch
  4. Swiss Federal Railways tests solar panels — early success shinesswissinfo.ch
  5. Trains in Switzerland Are Now Running Over Solar Panels in a First-of-Its-Kind Testzmescience.com
  6. Switzerland turns train tracks into solar power plants - SWI swissinfo.chswissinfo.ch
  7. Swiss railway solar panel experiment passes one-year milestonelenews.ch
  8. Switzerland turned its train tracks into solar power plantsgoodgoodgood.co
  9. Sun-Ways signs its first commercial project in Italy | GGBaggba.swiss
  10. French railway operator tests solar on train tracks - pv magazine Globalpv-magazine.com
  11. Swiss solar rail project sharing know-how with France - SWI swissinfo.chswissinfo.ch
28. Oktober 2026, 18:25 Uhr691 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Mehr als ein Jahr nach dem Start berichtete GGBA im Juni 2026, die Anlage habe laut Sun-Ways ihre Sicherheits- und Produktionsziele erreicht: Gründer Joseph Scuderi erklärte, mehr als 11.000 Züge seien über die Module gefahren, ohne deren Stabilität zu beeinträchtigen. Das französische Bahnunternehmen SNCF beteiligt sich an dem Pilotprojekt, um insbesondere die Auswirkungen der Technik auf Wartungsarbeiten zu untersuchen.

Ein Jahr Praxistest in Buttes

Die Anlage besteht aus 48 Solarmodulen zu je 380 Watt auf einem rund 100 Meter langen Gleisabschnitt mit einer installierten Leistung von 18 Kilowatt. Seit Mai 2025 hatte die Anlage laut GGBA bis zum 29. Juni 2026 trotz einer rund einmonatigen Unterbrechung wegen Schnee und technischer Arbeiten mehr als 16.000 Kilowattstunden Strom erzeugt, etwa der Jahresverbrauch von drei bis vier Haushalten. Der erzeugte Strom wird nach Angaben des Betreibers transN in das örtliche Verteilnetz eingespeist.

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Wie die Module zwischen den Schienen funktionieren

Die Photovoltaikzellen liegen auf den Bahnschwellen zwischen den Schienen und lassen sich für Wartungsarbeiten entfernen. Scuderi erklärte, ein sechs Meter langes Modul aus drei Solarpaneelen lasse sich mit speziellen Werkzeugen in etwa zehn Minuten von Gleis und Stromnetz trennen, was beim Austausch von Schwellen oder Schweißarbeiten wichtig sei. Zur Reinigung hatte das Unternehmen zunächst eine am Zugheck montierte Bürste geplant, nach Scuderis Angaben entfernt inzwischen schon der Luftstrom vorbeifahrender Züge, die auf dem Abschnitt höchstens 90 Kilometer pro Stunde erreichen, den Staub von selbst. Verlegt werden können die Module nach Angaben von Sun-Ways mit einer gemeinsam mit dem Gleisbauunternehmen Scheuchzer entwickelten Maschine, die nach Angaben von Scheuchzer künftig bis zu 1.000 Quadratmeter Module pro Tag verlegen könnte, wie ZME Science im August 2026 berichtete. Der Internationale Eisenbahnverband äußerte laut diesem Bericht Bedenken, die Module könnten Mikrorisse bekommen, das Brandrisiko erhöhen oder Lokführer durch Reflexionen ablenken. Sun-Ways erklärte, diesen Punkten mit widerstandsfähigeren Modulen, Antireflexbeschichtungen und Sensoren begegnet zu sein, ob sich das außerhalb einer Prototypenumgebung bewährt, soll der bis April 2028 laufende Versuch zeigen. Der Fraunhofer-Forscher Martin Heinrich hält die Idee, Bahngleise für Solarstrom zu nutzen, laut Swissinfo-Recherche von 2025 grundsätzlich für sinnvoll, bezweifelt aber den Vorteil der Entfernbarkeit: Module sollten seiner Einschätzung nach einmal installiert und danach 20 bis 30 Jahre nicht mehr angefasst werden, weil jede Entfernung Kosten und Schadensrisiko erhöhe.

Was SNCF für einen Einsatz in Frankreich prüft

Laut der SNCF-Pressemitteilung unterzeichnete der Konzern im November 2025 einen Kooperationsvertrag mit Sun-Ways, der ihn zur Partnerin des Pilotprojekts macht. Die Zusammenarbeit soll bis zum geplanten Abschluss des Projekts im April 2028 laufen und SNCF ermöglichen zu bewerten, ob sich die Technik für das französische Schienennetz eignet. SNCF ist laut Swissinfo für rund 28.000 Kilometer Bahnstrecken verantwortlich und zählt zu den größten industriellen Stromverbrauchern Frankreichs. Mehrere andere Berichte, etwa von Le News und Good Good, sowie der GGBa-Bericht vom Juni 2026 nennen dagegen Februar als Monat der Unterzeichnung.

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Im Vergleich: Wie groß das Potenzial laut Sun-Ways sein könnte

Sun-Ways schätzt, dass Module auf dem Schweizer Schienennetz von rund 5.000 Kilometern unter Ausschluss von Tunneln und schlecht beleuchteten Abschnitten jährlich bis zu einer Terawattstunde Strom liefern könnten, umgerechnet etwa 2 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs und eine belegte Fläche von schätzungsweise 760 Fußballfeldern. Zum Vergleich plant Italien nach Angaben von GGBa, sein nationales Schienennetz um 2 Gigawatt Solarleistung zu ergänzen, während Südkorea im September 2025 ein zweijähriges Pilotprojekt nahe dem Bahnhof Osong mit der Option auf landesweite Ausweitung genehmigte.

Die technischen und rechtlichen Hürden vor dem Ausbau

Vor einem großflächigen Einsatz bleiben laut Le News technische Hürden: Die bisherige Technik eigne sich noch nicht für Abschnitte, die länger als etwa 500 Meter sind; die Umwandlung des erzeugten Stroms in Hochspannung für den Transport über größere Distanzen gelte als weiteres Hindernis. Hinzu kommt die Regulierung: Scuderi rechnet damit, dass eine behördliche Genehmigung in der Schweiz bis zu drei Jahre dauern kann; er fordert einen regulatorischen Experimentierraum, in dem neue Technik getestet werden kann, während sich der rechtliche Rahmen anpasst. Das Bundesamt für Verkehr hatte die mindestens dreijährige Testphase in Buttes damit begründet, das Verhalten der Gleise über alle Jahreszeiten hinweg untersuchen zu müssen. Sun-Ways beschreibt die Anlage in Buttes laut pv magazine als das erste entfernbare Solarstromsystem, das auf einer aktiven Bahnstrecke installiert wurde.

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