
REM-Schlaf-Anteil mit geringerem Risiko für 83 Krankheiten verknüpft
Quellen (1)
Eine in der Fachzeitschrift PLOS Medicine veröffentlichte Kohortenstudie hat Akzelerometer-Daten von 95.559 Teilnehmenden der britischen UK Biobank ausgewertet, um reale Schlafmuster mit dem späteren Auftreten von Krankheiten in Verbindung zu setzen. Ein höherer Anteil an REM-Schlaf, der Traumschlafphase mit schnellen Augenbewegungen, war demnach mit einem geringeren Risiko für 83 von insgesamt 156 mit Schlafmustern assoziierten Krankheits-Inzidenzen verbunden.
Auch ein höherer Tiefschlaf-Anteil ging mit selteneren Erkrankungen einher, während eine größere Schlaf-Unregelmäßigkeit und längere nächtliche Wachzeiten mit einem erhöhten Risiko für mehrere Krankheiten assoziiert waren.
Wie die Forscher vorgingen
Grundlage ist die UK Biobank, für die zwischen 2006 und 2010 insgesamt 502.129 Personen im Alter von 40 bis 69 Jahren aus 22 Untersuchungszentren in England, Schottland und Wales rekrutiert wurden. Zwischen Juni 2013 und Dezember 2015 wurden 236.519 dieser Teilnehmenden gebeten, sieben Tage lang einen Beschleunigungssensor am Handgelenk zu tragen, 103.611 lieferten verwertbare Daten. Nach Ausschluss von Aufzeichnungen mit unzureichender Datenqualität blieb eine Analysestichprobe von 95.559 Personen übrig, deren Bewegungsdaten mit dem Algorithmus SleepNet in Schlafstadien wie REM-, Tief- und Leichtschlaf sowie in Kennwerte wie Schlafdauer, Schlafunregelmäßigkeit und Wachzeit nach dem Einschlafen übersetzt wurden. Die Teilnehmenden wurden im Median 8,9 Jahre lang bis zum ersten Auftreten einer Erkrankung, bis zum Tod oder längstens bis zum 1. April 2024 nachverfolgt.
Insgesamt fanden die Studienautoren Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Schlafmustern und der Häufigkeit von 156 Krankheits-Diagnosen. Ein höherer Anteil an REM-Schlaf war mit einem geringeren Risiko für 83 Krankheiten assoziiert, ein höherer Anteil an Tiefschlaf mit einem geringeren Risiko für 7 Krankheiten. Umgekehrt war eine größere Schlaf-Unregelmäßigkeit mit einem erhöhten Risiko für 3 Krankheiten verbunden, eine erhöhte Wachzeit nach dem Einschlafen mit einem erhöhten Risiko für 6 Krankheiten.
Für die Schlafdauer zeigten weitere Analysen nichtlineare Zusammenhänge mit 86 Krankheitsbildern, bei 69 davon lag die Schlafdauer mit dem geringsten Risiko überwiegend zwischen 6 und 8 Stunden. Am auffälligsten war die Gruppe mit extrem kurzem Schlaf von weniger als 5 Stunden: Verglichen mit der Referenzgruppe von 6 bis 8 Stunden Schlaf machte sie 37 der insgesamt 41 festgestellten signifikanten nachteiligen Assoziationen aus.
Beobachtung statt Beweis
Die Studienautoren nennen selbst das beobachtende Studiendesign als Hauptlimitation, es bleibe anfällig für nicht erfasste Störfaktoren und lasse keine Kausalschlüsse zu. Auch die Methode zur Bestimmung der Schlafstadien hat Grenzen: Der SleepNet-Algorithmus erreichte bei der Unterscheidung von REM-, Nicht-REM- und Wachphasen einen F1-Score von 0,49, was laut Studie einer für bewegungsbasierte Modelle typischen, moderaten Klassifikationsleistung entspricht. Im Vergleich mit der Polysomnographie im Schlaflabor wichen die vom Algorithmus geschätzten Werte im Mittel um 48,2 Minuten bei der Schlafdauer und um -17,1 Minuten bei der REM-Dauer ab.
Nach eigenen Angaben der Autoren bestehen keine Interessenkonflikte, finanziert wurde die Untersuchung unter anderem durch chinesische Förderprogramme, deren Geldgeber laut Studie keinen Einfluss auf Design, Auswertung oder Veröffentlichung hatten.
Sechs bis acht Stunden als Zielgröße
Die Autorinnen und Autoren ziehen aus ihren Daten den Schluss, dass die Aufrechterhaltung von 6 bis 8 Stunden Schlaf mit einer günstigeren Schlafarchitektur und einem geringeren Krankheitsrisiko einhergeht. Die Ergebnisse beruhen jedoch auf Beobachtungsdaten und einem Schlafstadien-Modell mit moderater Genauigkeit, sie zeigen Zusammenhänge, keine bewiesenen Ursachen.
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