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KI-Agenten im Büro: OpenAI trennt sich von Microsoft

KI-Agenten im Büro: OpenAI trennt sich von Microsoft

OpenAI hat diese Woche KI-Agenten für Teams eingeführt, die eigenständig in Slack, Google Drive und Kalender arbeiten. Gleichzeitig endete der Exklusivvertrag mit Microsoft, der die KI-Branche seit 2019 strukturiert hatte.

5. Mai 2026, 23:00 Uhr 636 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Ab dieser Woche können Unternehmen KI-Agenten in ChatGPT einrichten, die eigenständig Aufgaben in Slack bearbeiten, Google-Drive-Dokumente analysieren und Kalendereinträge anlegen, während das Team schläft. Die sogenannten Workspace Agents sind seit dem 1. Mai kostenlos verfügbar. Was weniger Aufmerksamkeit bekam: Gleichzeitig endet die Exklusivpartnerschaft zwischen OpenAI und Microsoft, die seit 2019 die Strukturen des KI-Markts bestimmt hatte. Zwei Ankündigungen, eine Verschiebung in der Machtarchitektur des KI-Sektors.

Was Workspace Agents konkret können

OpenAI beschreibt Workspace Agents als geteilte Automatisierungen für Teams. Ein Unternehmen richtet einen Agenten ein, der mit Slack verbunden ist und eingehende Supportanfragen klassifiziert. Ein anderer liest täglich Google-Drive-Ordner aus und fasst neue Dokumente zusammen. Die Agenten laufen auf einem Zeitplan oder reagieren auf Ereignisse, ohne dass jemand manuell eingreifen muss.

Die technische Grundlage ist GPT-5.5, das OpenAI ebenfalls in dieser Woche veröffentlichte. Laut OpenAI erreicht das Modell 82,7 Prozent auf dem Terminal-Bench 2.0, einem Benchmark für eigenständige Programmieraufgaben, sowie 58,6 Prozent auf dem SWE-Bench Pro, der misst wie gut ein Modell echte Software-Fehler in Quellcode-Repositorys behebt. Zum Vergleich: Frühere Modelle lagen bei SWE-Bench Pro deutlich unter 40 Prozent. OpenAI vermarktet GPT-5.5 auch unter dem Namen Codex als universellen Programmier-Agenten, der sich direkt mit Entwicklungsumgebungen verbinden kann.

Die Workspace Agents sind bis zum 6. Mai kostenlos verfügbar, danach auf kreditbasierte Preise umgestellt. Wie viele Agenten-Anfragen in einem Team-Account inbegriffen sind, kommunizierte OpenAI noch nicht abschließend.

Warum der Microsoft-Bruch eine größere Nachricht ist

Am 27. April 2026 meldete Bloomberg, dass OpenAI und Microsoft ihren Exklusivvertrag aufgelöst haben. Seit 2019 hatte Microsoft in mehreren Runden insgesamt fast 14 Milliarden US-Dollar in OpenAI investiert und dafür das exklusive Recht erhalten, OpenAI-Modelle in seinen Cloud-Diensten Azure anzubieten. Andere Cloudanbieter konnten GPT-4 oder GPT-5 nicht direkt lizenzieren.

Mit dem Ende dieser Vereinbarung ist GPT-5.5 jetzt auch auf Amazon Bedrock und, nach Unternehmensangaben in Kürze, auf Google Cloud verfügbar. Das verändert die Wettbewerbslogik: Amazon und Google können ihren Unternehmenskunden OpenAI-Modelle direkt anbieten, statt auf eigene Modelle ausweichen zu müssen. Microsoft bleibt weiterhin ein zentraler Partner von OpenAI, verliert aber seine Alleinstellung.

Microsofts Reaktion kam prompt. Das Unternehmen kündigte die M365-E7-Stufe an, intern als "Frontier Suite" bezeichnet, die ab dem 1. Mai für 99 US-Dollar pro Nutzer und Monat verfügbar ist. Sie bündelt die bisherigen Enterprise-5-Funktionen mit dem KI-Assistenten Copilot und dem neuen Agent 365. Microsoft setzt darauf, die Integration von KI-Agenten mit Office-Produkten enger zu gestalten als es die OpenAI-eigenen Workspace-Agenten ermöglichen.

Was das für Unternehmen bedeutet

Die praktische Konsequenz ist eine Beschleunigung des Marktes für KI-Agenten in Unternehmen. Bis vor einem Jahr dominierten kleine Pilotprojekte: ein Chatbot im Kundendienst, eine automatisierte Zusammenfassung von Meeting-Protokollen. Workspace Agents und vergleichbare Produkte ermöglichen nun den nächsten Schritt: die eigenständige Ausführung mehrstufiger Aufgaben über mehrere Systeme hinweg.

Für IT-Abteilungen bedeutet das neue Sicherheitsfragen. Agenten, die auf Slack, E-Mail und Google Drive zugreifen, haben Leserechte und potenziell Schreibrechte auf sensible Unternehmensdaten. OpenAI betont in seiner Dokumentation, dass Agenten nur die Berechtigungen erhalten, die ein Administrator explizit erteilt. Wie verlässlich diese Abgrenzungen in der Praxis sind, werden die ersten Unternehmenseinsätze zeigen.

In Deutschland ist die regulatorische Dimension besonders relevant: Der EU AI Act, der ab 2027 gilt, stuft autonom handelnde Agenten je nach Risikoklasse unterschiedlich ein. Für Unternehmen, die Workspace Agents in sensiblen Bereichen wie Personalwesen oder Finanzberichterstattung einsetzen wollen, könnten zusätzliche Dokumentations- und Prüfpflichten gelten.

Codex und die nächste Benchmark-Runde

OpenAI hat angekündigt, GPT-5.5 im Sommer 2026 mit einer erweiterten Kontextlänge zu versehen, die noch umfangreichere Codeanalysen ermöglicht. Gleichzeitig arbeiten Google mit Gemini Ultra und Anthropic mit Claude 5 an eigenen Konkurrenzprodukten für den Unternehmensbereich. Die Benchmarks werden enger. Der Unterschied zwischen führenden Modellen bei SWE-Bench Pro liegt derzeit bei weniger als zehn Prozentpunkten. Welches Modell 2027 in den Rechenzentren großer Konzerne läuft, ist offen. Die Entscheidung wird nicht nur von technischen Metriken abhängen, sondern davon, welcher Anbieter die besseren Integrationen und günstigeren Preise anbieten kann.

Quellen (6)