Merz in Kyjiw: Brückenangriff und Drohnenversprechen
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Merz in Kyjiw: Brückenangriff und Drohnenversprechen

Bundeskanzler Merz reiste am Sonntagmorgen überraschend per Zug nach Kyjiw und versprach Tausende Abfangdrohnen. Während er mit Selenskyj sprach, traf eine russische Rakete die Nordbrücke über dem Dnipro.

Quellen (8)
  1. Tagesspiegeltagesspiegel.de
  2. Tagesspiegeltagesspiegel.de
  3. ZDF heutezdfheute.de
  4. ZEIT Online Liveblogzeit.de
  5. Die Weltwelt.de
  6. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  7. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  8. Euronewseuronews.com
4. Oktober 2026, 10:01 Uhr760 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Am Sonntagmorgen traf Bundeskanzler Friedrich Merz überraschend in Kyjiw ein, begleitet von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmern aus Rüstung und Energie. Kurz nach seiner Ankunft griff Russland die Nordbrücke über den Dnipro an. Merz blieb, traf sich mit Präsident Selenskyj und versprach: baldige Auslieferung von Tausenden Abfangdrohnen.

Der überraschende Besuch mit Wirtschaftsdelegation

Der Kyjiw-Besuch war nicht angekündigt worden. Merz reiste per Zug in die ukrainische Hauptstadt, das übliche Transportmittel für westliche Staatsgäste, da der ukrainische Luftraum für zivile Flüge gesperrt ist. Die Delegation war ungewöhnlich: Neben Wirtschaftsministerin Reiche reisten laut ZEIT Online zehn Unternehmer aus Rüstung und Energie mit, was auf konkrete Verhandlungen über Rüstungskooperation hindeutet.

Laut Angaben aus Regierungskreisen will Merz den ukrainischen Streitkräften die baldige Auslieferung von Tausenden Abfangdrohnen zusichern, die speziell zur Bekämpfung russischer strahlgetriebener Kampfdrohnen entwickelt wurden. Dieser Typ fliegt schneller als propellerbetriebene Drohnen und gilt daher als besonders gefährlich für ukrainische Stellungen.

Angriff auf die Nordbrücke während der Gespräche

Dass die russische Seite den Besuch registriert hatte, zeigte sich rasch. Während Merz und Selenskyj zusammentrafen, traf eine russische Rakete die Fahrbahn der Nordbrücke über dem Dnipro. Bürgermeister Vitali Klitschko bestätigte den Angriff. Die Brücke wurde für den Verkehr gesperrt. Teile der Hauptstadt befanden sich gleichzeitig unter Drohnenalarm.

Merz ließ sich davon nicht beeindrucken. Er habe Kyjiw besucht, „weil die Ukraine all unsere Unterstützung für die kommenden Wochen braucht“, sagte er. Und er fügte hinzu: „Wird Russland nicht gestoppt, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns.“ Die Worte fielen wenige Tage nachdem Merz den Außenministern-Kontakt mit Russland bewertet hatte: „Russland ist offensichtlich überhaupt nicht an ernsthaften Gesprächen interessiert“, hatte er nach dem Treffen von Außenminister Wadephul mit dem russischen Kollegen Lawrow in New York erklärt, dem ersten bilateralen Gespräch der Außenminister beider Länder seit mehr als viereinhalb Jahren.

NATO bleibt standhaft, Russland mobilisiert weiter

Im Hintergrund des Kyjiw-Besuchs läuft eine militärische Dynamik, die beide Seiten beschäftigt. NATO-Generalsekretär Mark Rutte bekräftigte: Die Allianz werde „noch mehr für die Ukraine tun, nicht weniger“. ungeachtet russischer hybrider Bedrohungen. Russland testete seinerseits gerade die Reaktionen westlicher Geheimdienste: Estland warf Moskau einen Brandanschlag auf die Firma Milrem Robotics in Tallinn vor, die unbemannte Militärsysteme für die Ukraine entwickelt. Estnische Ermittler erklärten, die Täter seien gefasst worden; der Anschlag sei im Auftrag russischer Geheimdienste erfolgt. Russland bestritt die Vorwürfe.

Auf dem Schlachtfeld verschärft Moskau den Druck: Putin unterzeichnete ein Dekret für 15.500 zusätzliche Soldaten. Präsident Selenskyj warnte zugleich, Nordkorea bereite die Entsendung von 10.000 weiteren Soldaten vor. Nach dem ersten Kontingent nordkoreanischer Kräfte, das in den vergangenen Monaten in russischen Reihen dokumentiert wurde.

Wadephul drängt die Slowakei. Die EU-Allianz bröckelt

Außenminister Johann Wadephul war zuletzt in Bratislava, um die Regierung des linksnationalen Ministerpräsidenten Robert Fico zu mehr Solidarität mit der Ukraine zu drängen. Die Slowakei ist eine der wenigen EU-Mitgliedsstaaten, die gute Kontakte zu Moskau pflegt und Sanktionen gegen Russland skeptisch gegenübersteht. Fico wirft dem Westen vor, die Spannungen mit Russland anzuheizen. Wadephul forderte bei dem Treffen mit seinem Amtskollegen Blanar auch die Abkoppelung der Slowakei von russischen Energielieferungen.

Dieser diplomatische Druck auf Bratislava zeigt das Grundproblem westlicher Ukraine-Politik: Nicht nur militärische Unterstützung, sondern auch die Einheit der EU-Partner kostet Aufwand. Der Besuch in Kyjiw ist insofern auch eine Botschaft nach innen, ein Signal an skeptische Partner, dass Deutschland die Ukraine als strategische Priorität behandelt.

Zehntausend nordkoreanische Soldaten als nächste Eskalationsstufe

Was als nächstes kommt, hängt vor allem von zwei Entwicklungen ab. Erstens: Ob und wann die angekündigten Tausende deutschen Abfangdrohnen tatsächlich eintreffen, ein konkretes Datum nannte Merz nicht. Zweitens: Wenn Selenskyjs Warnung vor 10.000 nordkoreanischen Soldaten zutrifft, wäre das die bislang direkteste Einbindung eines Drittstaates auf russischer Seite. Nordkorea hätte dann nicht nur Munition und Drohnen geliefert, sondern Kampftruppen entsandt.

Ruttes Zusage, die NATO tue mehr, nicht weniger, ist vor diesem Hintergrund nicht nur eine Beruhigungsgeste für Kyjiw, sie ist auch eine Warnung an Pjöngjang und Moskau, dass der Westen die Eskalationsleiter mitklettert.

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