
48 Prozent erwarten Kanzlerwechsel: Was jetzt kommt
Quellen (12)
- Wikipedia: 2026 Friedrich Merz political crisisen.wikipedia.org
- Stuttgarter Zeitung: 48% erwarten Kanzlerwechsel laut YouGovstuttgarter-zeitung.de
- DGB Kampagnensite: Aktionstag Sozialstaat 26.9.dgb.de
- IG Metall Leipzig: Hart verdient — DGB Protesttag in 15 Großstädtenigmetall-leipzig.de
- ad-hoc-news: DGB-Proteste 26. September — Fahimi fordert Nachbesserungen bei Rentead-hoc-news.de
- ms-aktuell: DGB mobilisiert bundesweit gegen Arbeitszeitreformms-aktuell.de
- ZDF: Merz Rede beim DGB — Reformen keine Bösartigkeitzdfheute.de
- nd-aktuell: DGB-Bundeskongress — aufgeheizte Stimmung, kalte Mathematiknd-aktuell.de
- Bayerische Staatszeitung: Gewerkschaften rufen zu Großdemos gegen Merz-Regierung aufbayerische-staatszeitung.de
- Bundestag: Klingbeil stellt Haushaltsentwurf 2027 vorbundestag.de
- VdK: Demos für einen starken Sozialstaat am 26.9.vdk.de
- BMAS: Arbeitsmarktzahlen Mai 2026 — 34,83 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigtebmas.de
Laut einer YouGov-Befragung vom 17. September 2026 rechnen 48 Prozent der Deutschen damit, dass Friedrich Merz dieses Jahr nicht mehr Kanzler sein wird. Am 26. September demonstrieren in 15 deutschen Städten gleichzeitig Hunderttausende gegen seine Regierung. Was diese Krise von früheren Merz-Tiefs unterscheidet: Die Gegner agieren diesmal gemeinsam und mit konkreten Forderungen.
Historisch niedrig, strukturell begründet
Die Zahlen sind eindeutig. Eine INSA-Umfrage für Bild hält fest: 14 Prozent der Befragten halten Merz für den richtigen Kanzler, 78 Prozent lehnen ihn ab, darunter, laut selber Erhebung, eine Mehrheit der Unionswähler. In einer hypothetischen Direktwahl zwischen Merz und AfD-Bundesvorsitzender Alice Weidel käme Weidel auf 31 Prozent, Merz auf 17 Prozent.
National führt die AfD Umfragen mit 28 bis 29 Prozent an, die Union liegt je nach Institut bei 18 bis 21 Prozent. Die schlechtesten Belege für die Bundespartei kamen am 6. September aus Sachsen-Anhalt: Die AfD holte 43,8 Prozent, die CDU fiel auf 17,2 Prozent, ihr historisch schlechtestes Ergebnis in diesem Bundesland.
Merz trat bereits unter Druck an. Im Mai 2025 verpasste er im ersten Bundestag-Wahlgang die nötige Mehrheit: 310 von 316 benötigten Stimmen, erst der zweite Durchgang brachte 325. Seitdem hat sich die Lage nicht stabilisiert, sondern zugespitzt.
Hart verdient, was der DGB am 26. September will
Am Samstag, den 26. September, ruft der DGB unter dem Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ zu Kundgebungen in 15 deutschen Städten auf: Berlin, Bremen, Erfurt, Essen, Frankfurt am Main, Freiburg, Hamburg, Hannover, Kiel, Leipzig, Magdeburg, Nürnberg, Rostock, Saarbrücken und Stuttgart. Der Sozialverband VdK beteiligt sich ebenfalls.
Drei konkrete Konfliktlinien treiben die Mobilisierung. Erstens die Rentenreform: Die Koalition plant, das Renteneintrittsalter anzuheben. DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi fordert hingegen die Beibehaltung der Rente ab 63 und höhere Mütterrenten. Zur Finanzierung verlangt der DGB höhere Bundessubventionen, finanziert durch stärkere Besteuerung von Besserverdienenden, Erbschaften und Vermögen.
Zweitens das Arbeitszeitrecht. Die Koalition will im Arbeitszeitgesetz die tägliche Schutzgrenze durch ein wöchentliches Modell ersetzen. Für den DGB steht damit der Acht-Stunden-Tag unter Druck und mit ihm Schutzmechanismen, die für viele Beschäftigte im Niedriglohnbereich verbindlich wirken.
Drittens der Ton. Beim DGB-Bundeskongress im Mai 2026 versuchte Merz persönlich zu deeskalieren. „Das alles ist keine Bösartigkeit von mir oder von der Bundesregierung“, sagte er den Delegierten. IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner antwortete direkt: „Sozialabbau schafft in diesem Land keinen einzigen Arbeitsplatz.“ DGB-Chefin Fahimi warnte vor einem „Abbau von Sozialstaat und Arbeitnehmerrechten“. Der Dialog war vorbei, bevor er begann.
Die Haushaltslücke als Treiber
Der strukturelle Hintergrund des Konflikts ist ein Haushalt unter dauerhaftem Druck. Finanzminister Lars Klingbeil plant für 2026 eine Nettokreditaufnahme im Kernhaushalt von rund 98 Milliarden Euro, für 2027 im Kernhaushalt 118,7 Milliarden Euro. Gegenüber Gewerkschaftsvertretern bezifferte Klingbeil die Lücke auf „30, 40 Milliarden für die nächsten Jahre“.
Wie diese Lücke geschlossen wird, ist der eigentliche Kern des Streits. Die Koalition setzt auf strukturelle Kürzungen: höheres Renteneintrittsalter, flexiblere Arbeitszeiten, geringere Sozialleistungen. Der DGB fordert das Gegenteil: Mehreinnahmen durch eine gerechtere Steuerbelastung von Vermögen, Erbschaften und hohen Einkommen. Was in der öffentlichen Debatte zu wenig vorkommt: die gewerkschaftliche Forderung nach Rentenfinanzierung über Steuern auf Spitzeneinkommen ist ein konkreter Gegenvorschlag, der in Koalitionsverhandlungen bislang nicht ernsthaft geprüft wurde. Für die rund 34,8 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bedeutet das: Die Kostenfrage wird ohne ihre wichtigste Gegenstimme entschieden.
Söder fehlt auf der Liste
Acht CDU-Ministerpräsidenten haben eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, mit der sie Merz den Rücken stärken und die Personaldebatte für beendet erklären. Markus Söder unterzeichnete nicht. Als CSU-Chef gilt er den acht CDU-Ministerpräsidenten als nicht zugehörig zu dieser Erklärung. Beide werden in Medien und CDU-internen Gesprächen als mögliche Kanzlernachfolger gehandelt.
Die YouGov-Befragung vom 17. September 2026 fragte nicht danach, ob Merz zurücktreten sollte, sondern ob er bis Jahresende noch Kanzler sein wird. 48 Prozent verneinten das, 31 Prozent verneinten das nicht, 21 Prozent machten keine Angabe. Das ist ein Unterschied, der zeigt, wie weit die Debatte schon gegangen ist: 48 Prozent erwarten einen Kanzlerwechsel bis Jahresende; 31 Prozent rechnen mit Merz' weiterem Verbleib im Amt.
Am 20. September schlossen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern die Wahllokale. Die CDU schnitt in Berlin mit 18,8 Prozent schwach ab und scheiterte in Mecklenburg-Vorpommern mit 4,9 Prozent an der Fünfprozenthürde. Die Erzählung vom ostdeutschen Sonderfall ist damit widerlegt. Sechs Tage später testen die Gewerkschaften in 15 Städten, wie viel Mobilisierungskraft der Widerstand gegen Merz’ Kurs hat. CDU/CSU-Fraktionschef Thorsten Frei hat die Kanzlerdebatte für beendet erklärt. Söder hat nicht unterschrieben.
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