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Iran beschießt drei US-Zerstörer trotz Waffenruhe

Iran beschießt drei US-Zerstörer trotz Waffenruhe

Am 7. Mai beschoss die iranische Revolutionsgarde die Zerstörer USS Truxtun, USS Rafael Peralta und USS Mason mit Raketen, Drohnen und Schnellbooten. Die US-Marine wehrte alle Angriffe ab und flog Gegenschläge. Beide Regierungen behaupten, die Waffenruhe gelte formal noch.

8. Mai 2026, 8:41 Uhr 762 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Am Abend des 7. Mai beschoss die iranische Revolutionsgarde die Zerstörer USS Truxtun, USS Rafael Peralta und USS Mason mit Raketen, Drohnen und bewaffneten Schnellbooten. Die US-Marine fing nach Angaben des US-Zentralkommandos alle Angriffe ab, keines der drei Schiffe nahm Schaden. Washington reagierte noch in der Nacht mit Luftschlägen auf iranische Radaranlagen und Abschussstellungen. Was die Situation paradox macht: Beide Regierungen behaupten, die seit dem 8. April gültige Waffenruhe sei formal noch in Kraft.

Der Angriff vom 7. Mai

Die drei Zerstörer befanden sich laut US-Angaben auf einer regulären Transitpassage durch die Meerenge. Eingesetzt wurden ballistische Kurzstreckenraketen, Kamikaze-Drohnen sowie bewaffnete Schnellboote. Alle Geschosse wurden mit Bordabwehrsystemen abgefangen, Verletzte gab es keine. Die US-Luftwaffe flog anschließend Gegenschläge auf iranische Militäranlagen nördlich der Meerenge. Trump erklärte am 8. Mai, die Waffenruhe gelte weiterhin, drohte aber gleichzeitig mit Angriffen in noch höherer Intensität, falls kein Abkommen erzielt werde. Iran bezeichnete die eigenen Schläge als Reaktion auf US-Flottentransit ohne Genehmigung der von der Revolutionsgarde betriebenen Persian Gulf Strait Authority.

Eine Waffenruhe ohne Regelwerk

Der Waffenruhevertrag vom 8. April, von Pakistan vermittelt, enthält keine präzise Definition, welche Handlungen als Verletzung gelten. Washington interpretiert Flottentransit als legitim; Teheran bewertet jeden Durchfahrtsversuch ohne PGSA-Vorabgenehmigung als Vertragsbruch. Diese Regelungslücke erlaubt es beiden Seiten, gleichzeitig Schiffe zu beschießen und einen formalen Kriegszustand zu verneinen.

Zum Vergleich: Der Waffenstillstand im Koreakrieg von 1953 legte auf Dutzenden Seiten minutiöse Regeln über Truppenabzüge, Demarkationslinien und ein Schlichtungsverfahren fest. Der Iran-USA-Vertrag war ein einseitiges Grundsatzpapier ohne Durchsetzungsmechanismus. Er war als Brücke zu einem längerfristigen Abkommen gedacht. Er wird zur semantischen Hülle.

Project Freedom: Gestartet, nach einem Tag gestoppt

Am 5. Mai begann die US-Marine die Operation "Project Freedom": Kriegsschiffe sollten Handelsschiffe durch Hormus eskortieren. Bereits nach einem Tag stoppte Trump die Mission. Offiziell wegen großer Fortschritte in den Verhandlungen. Gleichzeitig hatte Saudi-Arabien den Luftraum für US-Kampfjets gesperrt, was die Luftbegleitung der Eskortoperation stark einschränkte. Laut einem Bericht des Time Magazine war ohne arabische Flankierung keine Fortsetzung der Operation vorgesehen.

Ergebnis der zweitägigen Operation: Zwei Handelsschiffe passierten Hormus. Laut CNN-Daten vom 7. Mai stecken rund 1.600 Schiffe weiterhin im Persischen Golf fest, mit schätzungsweise 20.000 Besatzungsmitgliedern an Bord.

Memorandum: Irans Parlament blockiert den Ausweg

Über Pakistan hat Washington ein Memorandum of Understanding übermittelt. Es sieht ein Moratorium auf iranische Urananreicherung vor; im Gegenzug gibt Washington eingefrorene iranische Vermögen frei und lockert schrittweise Sanktionen. Eine dreißigtägige Verhandlungsfrist schließt sich an. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf bezeichnete den Entwurf als amerikanische Wunschliste. Parlamentssprecher Ebrahim Rezaei nannte ihn mehr amerikanische Realitätsverweigerung als Realität. Das Außenministerium in Teheran hat nach eigenen Angaben bis zum 7. Mai keine formale Antwort über die pakistanischen Vermittler übermittelt.

Die interne Logik des Irans ist entscheidend: Mit dem Tod von Oberster Führer Khamenei am 28. Februar fehlt eine unbestrittene Autorität, die ein Abkommen gegen den Widerstand der Revolutionsgarde durchsetzen könnte. Ghalibaf gilt als enger Vertrauter der Garde; seine öffentliche Ablehnung signalisiert, dass die Garde kein Abkommen akzeptieren will, das ihre Kontrolle über Hormus aufgibt.

Was die Blockade kostet

Brent-Rohöl notierte am 7. Mai bei rund 102 US-Dollar je Barrel, nach einem kurzen Anstieg auf 106 Dollar am 6. Mai nach erneuten Eskalationsberichten. Vor der Krise lagen die Preise bei etwa 70 bis 75 Dollar. Über die Straße von Hormus laufen normalerweise rund 21 Millionen Barrel täglich, etwa ein Fünftel des weltweiten Seeölhandels. Die Inflationsrate in Deutschland kletterte im April auf 2,9 Prozent, Energiepreise stiegen um 10,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bis Pakistans Vermittler eine Antwort bringen

Irans formale Antwort auf das MoU soll über Islamabad laufen. Wann sie eintrifft, ist offen. Mit dem Angriff auf drei US-Zerstörer rückt eine Einigung spürbar in die Ferne: Jede neue Eskalation stärkt in Teheran jene Kräfte, die Verhandlungen als Schwäche deuten. Trump hat für den Fall einer Nichteinigung Bombardements in noch höherer Intensität angekündigt. Die nächste Entscheidung liegt in Teheran und die Revolutionsgarde hat ihre Position am 7. Mai deutlich gemacht.

Quellen (6)