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International
USA und Iran kurz vor Einigung zum Kriegsende

USA und Iran kurz vor Einigung zum Kriegsende

Trotz Seegefechten in der Straße von Hormus verhandeln Trumps Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner mit iranischen Unterhändlern über ein einseitiges Memorandum zum Kriegsende. Ein konkreter Rahmentext liegt vor, drei zentrale Streitpunkte sind noch offen.

9. Mai 2026, 7:06 Uhr 765 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die US-Marine beschoss am 8. Mai zwei iranische Öltanker in der Straße von Hormus. Zur selben Zeit verhandelten Teherans Unterhändler über einen Text der den Krieg formell beenden soll. Trumps Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner stehen nach Berichten von Axios und CNN vom 6. Mai kurz vor einem einseitigen Rahmentext: einem Memorandum of Understanding, das den Krieg für beendet erklärt und eine 30-tägige Verhandlungsphase eröffnet. Mehrere mit den Gesprächen vertraute Quellen bezeichnen die aktuelle Annäherung als die engste seit Kriegsbeginn am 28. Februar 2026.

Irans 14-Punkte-Gegenentwurf

Am 2. Mai übermittelte Teheran durch pakistanische Vermittler eine 14-Punkte-Antwort auf das US-Angebot. Irans Kernforderungen: Beendigung aller Kampfhandlungen innerhalb von 30 Tagen statt der von den USA vorgeschlagenen zweimonatigen Feuerpause, Abzug amerikanischer Streitkräfte aus der Golfregion, Ende der Seeblockade in der Hormusstraße, Freigabe eingefrorener iranischer Auslandsvermögen, Kriegsreparationen, Aufhebung aller Sanktionen, ein Ende der Kämpfe im Libanon und einen neuen Verwaltungsmechanismus für die Hormusstraße.

Die USA übermittelten ein Gegendokument: Iran soll die Urananreicherung für mindestens zwölf Jahre einstellen, die Hormusstraße als Vorbedingung öffnen und sein Nuklearprogramm dauerhaft begrenzen. Konkret bedeutet das keine Herstellung von hoch angereichertem Uran für militärische Zwecke und Inspektionen durch die Internationale Atomenergiebehörde die lückenloser wären als alles was Iran je akzeptiert hat. Irans Parlamentssprecher Ebrahim Rezaei bezeichnete den amerikanischen Vorschlag als "mehr eine amerikanische Wunschliste als Realität". Teherans Außenministerium teilte mit, die Prüfung der ausgetauschten Texte dauere noch an.

Pakistan als Schlüsselvermittler

Der Iran und die USA haben seit der Geiselnahme in Teheran 1979 keine direkten diplomatischen Beziehungen. Pakistan füllt diese Lücke und übermittelt Botschaften und Dokumente zwischen beiden Seiten ohne selbst Partei zu werden. Al Jazeera berichtete, Islamabads Vermittlerrolle habe sich in den vergangenen Tagen intensiviert, mit direktem Kontakt hochrangiger Beamter zu beiden Seiten. Trumps Chefgesandter Steve Witkoff, bekannt für unorthodoxe Verhandlungsansätze, hat nach Berichten persönlich mit iranischen Unterhändlern gesprochen. Jared Kushner ist ebenfalls in die Gespräche eingebunden.

Katar hat über seinen Regierungschef zur Wiederaufnahme von Gesprächen aufgerufen. Doha gilt als weiterer informeller Kanal. Die Parallelführung zweier Vermittlungslinien, Pakistan für Dokumente und Katar für politische Signale, zeigt wie aufwendig die Infrastruktur dieser Verhandlungen geworden ist.

Drei Streitpunkte, ein möglicher Kompromiss

Der wichtigste offene Punkt ist der Zeitraum des Moratoriums auf Urananreicherung. Iran schlug fünf Jahre vor, die USA forderten zunächst 20 Jahre. Drei mit den Verhandlungen vertraute Quellen sagten Axios, dass zwölf bis 15 Jahre die wahrscheinliche Einigung wären. Zweiter Streitpunkt: Washington will die Öffnung der Hormusstraße als Vorbedingung, Teheran besteht auf parallelen Verhandlungen zu Hormuz und Nuklearprogramm. Dritter Streitpunkt: Iran fordert Reparationen für Kriegsschäden, die USA lehnen das grundsätzlich ab.

Das geplante Memorandum of Understanding wäre laut Axios nur eine Seite lang. Es würde den Krieg für beendet erklären und beiden Seiten 30 Tage für ein detailliertes Folgeabkommen geben. Diese Gespräche könnten in Islamabad oder Genf stattfinden. Das Modell klammert die schwierigsten Fragen explizit aus, um zunächst das Schießen zu beenden. Ob die 30-tägige Frist für ein Folgeabkommen ausreicht, ist unter Diplomaten umstritten.

Schießen als Verhandlungsmethode

Dass Washington gleichzeitig Tanker angreift und verhandelt, ist kein Widerspruch, sondern Methode. Trump hat öffentlich erklärt, er werde Iran auf einem "viel höheren Niveau" bombardieren falls kein Deal komme. Der Tankerangriff vom 8. Mai war das erste Mal, dass die USA proaktiv auf iranische Handelsschiffe feuerten, nicht nur reaktiv auf Angriffe der Revolutionsgarden. Das militärische Signal soll den Verhandlungsdruck auf Teheran erhöhen.

Iran seinerseits hält die Seeblockade aufrecht. Rund 1.600 Schiffe lagen laut CNN-Angaben vom 7. Mai im Persischen Golf fest, bei einem normalen Tagesvolumen von etwa 120 Schiffen durch die Hormusstraße. IEA-Chef Fatih Birol warnte bereits vor der größten Energiekrise der Geschichte. Die Folgen sind in Deutschland direkt spürbar: Kerosin kostet fast das Doppelte des Vorkriegspreises, Lufthansa strich tausende Sommerflüge. Wenn die Hormusstraße infolge eines Deals wieder geöffnet wird, könnten die Energiepreise in Deutschland innerhalb weniger Wochen deutlich sinken.

Bis Teheran antwortet

Teheran hat auf das amerikanische Gegenpapier zu seinem 14-Punkte-Dokument noch keine formelle Antwort übermittelt. Das pakistanische Außenministerium bestätigte lediglich, dass "intensive Konsultationen laufen". Trump erklärte, er erwarte "sehr bald" eine Rückmeldung. Die zeitliche Dynamik spielt gegen eine lange Verhandlungspause: Je mehr militärische Fakten auf beiden Seiten entstehen, desto schwieriger wird die innenpolitische Rechtfertigung einer Einigung. In Washington ist die politische Geduld mit dem Konflikt begrenzt, in Teheran wächst der wirtschaftliche Druck durch die gesunkenen Ölexporte. Wenn das Memorandum kommt, wird es schnell kommen müssen.

Quellen (8)