Warsh trotzt Trump: Fed erhöht Zins erstmals seit 2023
Wirtschaft

Warsh trotzt Trump: Fed erhöht Zins erstmals seit 2023

Die US-Notenbank hat den Leitzins auf 3,75 bis 4,0 Prozent angehoben, die erste Erhöhung seit 2023. Die PCE-Inflation liegt bei 3,7 Prozent. Fed-Chef Warsh betont die Unabhängigkeit der Notenbank, während Trump Zinsen von einem Prozent fordert.

Quellen (7)
  1. finanzen.netfinanzen.net
  2. FTDftd.de
  3. ZDF heutezdfheute.de
  4. finanzen.chfinanzen.ch
  5. CNBCcnbc.com
  6. FXStreetfxstreet.de.com
  7. LBBW (EZB-Kontext)lbbw.de
17. September 2026, 4:45 Uhr756 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins am Mittwoch einstimmig auf eine Bandbreite von 3,75 bis 4,0 Prozent angehoben. Es ist die erste Zinserhöhung seit 2023 und zugleich die dritte geldpolitische Entscheidung unter Fed-Chef Kevin Warsh. Donald Trump hatte in den vergangenen Wochen Zinsen von einem Prozent oder darunter gefordert. Warsh ignorierte das und betonte stattdessen die Unabhängigkeit der Notenbank. Zwischen dem Weißen Haus und der Fed steht ein offener Konflikt.

Warum die Fed handeln musste

Der Druck auf die Notenbank kommt von zwei Seiten. Die PCE-Inflationsrate liegt bei 3,7 Prozent, die Kern-PCE ohne Energie und Lebensmittel bei 3,4 Prozent. Beide Werte liegen deutlich über dem Fed-Ziel von zwei Prozent. Der Nahostkonflikt hält den Ölpreis über 100 US-Dollar, was die Teuerung weiter antreibt. Gleichzeitig zeigt sich der US-Arbeitsmarkt widerstandsfähig. Für eine Notenbank, deren gesetzliches Mandat Preisstabilität und Vollbeschäftigung umfasst, ist das eine eindeutige Datenlage.

Warsh ließ bei der Pressekonferenz nach dem Beschluss keinen Zweifel, wie er das versteht: Die Entscheidung sei „die richtige“, um den gesetzlichen Auftrag des Kongresses zur Preisstabilität zu erfüllen. Nach fünf Sitzungen ohne Änderung ist die September-Erhöhung das erste aktive Signal, dass die Fed die Inflation nicht als besiegt betrachtet.

Warsh gegen Trump: Ein institutioneller Konflikt

Der politische Kontext ist unübersehbar. Trump hatte den Kongress und öffentliche Stellungnahmen genutzt, um Druck auf die Fed auszuüben. Sein Argument: Günstigere Kredite würden Wachstum und Investitionen ankurbeln, die Zolleinnahmen täten das Übrige. Warsh stellt dem die institutionelle Doktrin entgegen: Die Fed handele auf Basis von Daten, nicht auf Basis politischer Empfehlungen.

Diese Auseinandersetzung hat Präzedenz. Unter Trumps erster Amtszeit griff er Fed-Chef Jerome Powell wiederholt öffentlich an, ohne dass die Notenbank nachgegeben hätte. Der Unterschied jetzt: Warsh wurde von Trump selbst ernannt, in der Erwartung einer akkommodativeren Politik. Dass er stattdessen erhöht, ist eine direkte Ablehnung dieser Erwartung. Ökonomen des HQ-Trust haben bereits darauf hingewiesen, dass politische Kritik aus dem Weißen Haus in den nächsten Wochen erheblich eskalieren dürfte.

Was die Kritiker sagen

Nicht alle teilen Warshs Einschätzung. Ökonomen warnen, die Zinserhöhung komme zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das Wachstum sei von den Zollauswirkungen bereits gedämpft, eine aggressive geldpolitische Straffung erhöhe das Rezessionsrisiko. Scott Sumner vom Mercatus Center hatte bereits vor der Sitzung argumentiert, eine Erhöhung jetzt sei ein Fehler, weil die Inflationserwartungen auf dem aktuellen Niveau nicht fest verankert seien. Das FOMC ist jedoch zu einer anderen Bewertung gekommen: Die Abstimmung war einstimmig.

Dezember entscheidet über die Richtung

Der Median der Fed-Projektionen sieht den Leitzins am Jahresende bei 4,1 Prozent. Das bedeutet: Mindestens eine weitere Erhöhung im Dezember ist in den offiziellen Projektionen eingepreist. Mindestens zwölf von neunzehn FOMC-Mitgliedern erwarten diese weitere Anhebung. Der nächste Zinsentscheid ist für den 9. Dezember angesetzt.

Für Europa hat die Fed-Entscheidung indirekte Auswirkungen. Die Europäische Zentralbank hat ihrerseits im September eine Zinspause eingelegt und beobachtet die Entwicklung in Washington. Ein aggressiverer Fed-Kurs stärkt den Dollar gegenüber dem Euro, was europäische Importe verbeuert und Inflationsdruck nach Europa exportiert. Die Zinsdivergenz zwischen Fed und EZB, die 2024 und 2025 zeitweise zugunsten der EZB aufgelöst schien, öffnet sich wieder.

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