
EU warnt vor sehr hohen Energiepreisen im Winter
Quellen (13)
- EU vor herausforderndem Winter: Energiekommissar erwartet „sehr hohe“ Energiepreisetagesspiegel.de
- EU warns of 'very high' winter energy pricesrte.ie
- Gas und Erdöl: Hohe Preise führten zu hartem Winter, warnt die EUnzz.ch
- EU floats energy demand curbs in price crisis letter - Taipei Timestaipeitimes.com
- Brüssel - EU-Kommission erwartet "sehr hohe" Energiepreisedeutschlandfunk.de
- Commission calls on EU countries to start preparing for winter amid Middle East energy disruption - European Commissionenergy.ec.europa.eu
- Bundesnetzagentur - Aktuelle Lage Gasversorgungbundesnetzagentur.de
- Gasversorgung: Sefe bestätigt Einkäufe zur Befüllung der Gasspeicherhandelsblatt.com
- Diesel-Exportverbot: Trump-Pläne bedrohen Europas Energieversorgungfr.de
- Hohe Energiepreise: EU-Kommission prüft verschiedene Optionen - Vertretung in Deutschlandgermany.representation.ec.europa.eu
- Gaspreis: Brüssel will Verbot von Heizpilzen • Table.Briefingstable.media
- Europe’s winter energy crunch may already be underway. Two U.S. stocks that may benefitcnbc.com
- EU will Gasspeicher nur zu 80 Prozent füllen | E&Menergie-und-management.de
Am 29. September 2026 sagte Jørgensen nach dem informellen Treffen der EU-Energieminister im Dublin Castle: „Es besteht kein Zweifel daran, dass wir auf einen Winter zugehen, der herausfordernd sein wird.“ Auch der Chef der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, der gemeinsam mit Jørgensen vor die Presse trat, sprach von einem „sehr schwierigen Winter“.
Warum die Preise steigen
Grund für den Preisanstieg sind laut NZZ der Krieg gegen Iran und die dadurch beeinträchtigte Schifffahrt durch die Straße von Hormus, über die laut einem Bloomberg-Bericht in der Taipei Times normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Öls und Flüssigerdgases laufen. Ausländische Lieferanten decken dem Bericht zufolge etwa 80 Prozent des Gasbedarfs der EU, was sie den stark gestiegenen globalen Preisen besonders stark aussetzt. Die europäischen Gaspreise haben sich laut dem Bloomberg-Bericht vom 28. September seit Kriegsbeginn Ende Februar mehr als verdoppelt und erreichten zuvor im September ihren höchsten Stand seit Ende 2022. Laut NZZ lag der Gaspreis zu Jahresbeginn bei 27 Euro je Megawattstunde, Ende September bei 73 Euro. Nach Angaben Jörgensens hat die Einfuhr fossiler Brennstoffe die EU laut Deutschlandfunk seit Beginn des Irankriegs bereits mehr als 100 Milliarden Euro zusätzlich gekostet. Er nannte dies ein Zeichen dafür, wie schädlich die generelle Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen sei; zudem forderte er, diese Brennstoffe durch heimische Energie zu ersetzen.
Was die Kommission empfiehlt
Jörgensen hatte laut Bloomberg in einem Brief an die Energieminister der 27 Mitgliedstaaten geschrieben: „Wir stehen vor einer Preiskrise, die mit einer Versorgungskrise verbunden ist“; zudem hatte er sie aufgefordert, sich dringend auf die Heizperiode vorzubereiten. Der Märzbrief erinnerte laut Europäischer Kommission an bestehende Flexibilität der Speicherverordnung, bei der eine Zielsenkung oder längere Befüllungsfrist an Bedingungen geknüpft ist. Laut Bloomberg erlauben die EU-Regeln ohnehin eine Abweichung von 10 Prozentpunkten vom 90-Prozent-Ziel, bei ungünstigen Marktbedingungen zusätzlich bis zu 5 Prozentpunkte mehr. Jörgensen erklärte, die Nutzung dieser Flexibilität und die Senkung des Füllziels auf 80 Prozent könnten den unmittelbaren Druck auf Preise und Wiederbefüllungskosten lindern. Im aktuellen Septemberbrief forderte Jørgensen laut dem Bloomberg-Bericht in der Taipei Times auch dazu auf, Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Einspeicherung oder zur Senkung der Gas- und Stromnachfrage so lange wie nötig zu erwägen.
Niedrige Speicherstände in der EU und in Deutschland
In Deutschland lag der Wert bei 58 Prozent, in Frankreich bei 83 Prozent. Bereits Ende März, als der Krieg gegen Iran einen Monat alt war, hatte Jörgensen den Ländern laut NZZ Maßnahmen zur Senkung der Nachfrage vorgeschlagen: Homeoffice, Tempolimiten, Carsharing und mehr öffentlichen Verkehr.
Wie die Bundesnetzagentur die Lage in Deutschland einschätzt
Die Bundesnetzagentur bewertete in ihrer Lageeinschätzung die Gasversorgung in Deutschland als stabil und die Versorgungssicherheit als gewährleistet; das Risiko einer angespannten Lage schätzt sie weiterhin als gering ein. Die Speicherfüllstände lagen laut Bundesnetzagentur bei 59,2 Prozent beziehungsweise 146,5 Terawattstunden und damit deutlich niedriger als in den Vergleichszeiträumen vergangener Jahre; die Behörde nimmt diese Entwicklung nach eigenen Angaben sehr ernst. Für die Versorgungssicherheit sei es nicht zwingend, dass die Füllstandsziele zum November erreicht werden, entscheidend sei das Zusammenspiel von Pipelineimporten, Speichern, LNG-Importen, Infrastruktur und Nachfrage. Vom 29.09.26 bis zum 05.10.26 wurden laut Behörde insgesamt 15,1 Terawattstunden über Pipelines importiert. Hinzu kamen 1,9 Terawattstunden über deutsche LNG-Terminals, was einer durchschnittlichen Auslastung von 43,6 Prozent entspricht. Mitte September hatte der bundeseigene Gasimporteur Sefe laut Handelsblatt bestätigt, Gas zur Einspeicherung einzukaufen, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu erhöhen; zuvor war bekannt geworden, dass das Bundeswirtschaftsministerium in Gesprächen darauf hingewirkt hatte. Sefe betonte, es habe keine Weisung des Ministeriums gegeben, sondern eine eigenständige kommerzielle Entscheidung, von der man einen positiven Ertrag erwarte.
Reaktionen in Deutschland und der EU
Wegen der gestiegenen Preise beschloss die Bundesregierung laut Tagesspiegel vom 29. September, ab Oktober erneut einen Tankrabatt einzuführen; spätestens zum 1. Januar sollte zudem ein Spritpreisdeckel folgen, zusätzlich erwog Berlin eine Direktzahlung an Haushalte mit geringem Einkommen. Laut Bloomberg vom 28. September machten Unternehmen in der gesamten EU die steigenden Kosten dafür verantwortlich, Europas Wettbewerbsfähigkeit zu schwächen, während Regierungen unter Druck gerieten, von steigenden Rechnungen belastete Wähler zu unterstützen. Trump hatte laut dem Bericht „Diesel-Exportverbot: Trump-Pläne bedrohen Europas Energieversorgung“ ein Verbot von US-Dieselexporten erwogen. EU-Vertreter versuchten daraufhin laut NZZ, Trump von diesem Schritt abzubringen; US-Energieminister Chris Wright erklärte, ein Exportverbot werde nicht funktionieren, worüber sich Jörgensen erfreut zeigte. Italiens Energieminister Gilberto Pichetto Fratin erklärte laut NZZ, seine Regierung könne sich Kraftstoffsteuersenkungen zur Entlastung der Verbraucher nicht mehr leisten.
Sparsamer Umgang mit Gas bleibt die Empfehlung
Die Bundesnetzagentur hält einen sparsamen Umgang mit Gas angesichts des weiterhin erhöhten Preisniveaus für Haushaltskunden für sinnvoll und rechnet mit einem vergleichsweise niedrigen Speicherfüllstand am Ende des Winters. Ob und in welchem Ausmaß die Großhandelspreise bei den Kunden ankommen, hängt nach Einschätzung der Behörde von der Dauer des Konflikts, der Beschaffungsstrategie der Lieferanten und den vertraglichen Regelungen ab.
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