
DAX erstmals über 26.000: Iran-Gespräche und Gewinnsaison
Quellen (7)
- onvista: DAX steigt auf Rekordhochonvista.de
- Handelsblatt: DAX startet mit neuem Rekordhandelsblatt.com
- t-online: DAX erstmals über 26.000 Punktet-online.de
- Deutsche Wirtschaftsnachrichten: DAX-Rekordhoch Iran-Gesprächedeutsche-wirtschafts-nachrichten.de
- boerse-express: DAX Bilanzflut trifft Rekordmarkeboerse-express.com
- tagesschau: DAX auf Rekordfahrttagesschau.de
- markets.financialcontent: Amazon leads Dow Jones record sessionmarkets.financialcontent.com
Am Donnerstag meldete die tagesschau.de noch eine "Rekordfahrt", am Montag war der Rekord Geschichte: Mit 26.005 Punkten überschritt der DAX erstmals seine 26.000er-Marke, ein Plus von 1,47 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Dahinter steckt eine Gleichung, die sich in diesem Sommer bereits mehrfach wiederholt hat: Jedes Mal, wenn US-Präsident Donald Trump einen Militärschlag gegen Iran abbläst, fallen die Ölpreise und steigen die Kurse.
Ein Rekord im dritten Anlauf
Der bisherige DAX-Höchststand lag bei 25.900,10 Punkten, aufgestellt am 6. Juli. Seither hatte der Index mehrfach die Marke getestet und war immer wieder zurückgefallen, sobald neue Spannungen im Hormuzkonflikt aufzogen. Am Wochenende änderte sich die Ausgangslage: Trump sagte nach eigenen Angaben einen "massiven Angriff" auf Iran ab und kündigte neue Verhandlungen an. Der Brent-Rohölpreis fiel daraufhin zu Wochenbeginn um bis zu sieben Prozent auf 83,51 Dollar je Barrel.
Der Mechanismus ist einfach und für Investoren inzwischen kalkulierbar: Günstiger Ölpreis bedeutet niedrigere Energiekosten für Unternehmen, weniger Inflationsdruck und damit geringere Wahrscheinlichkeit einer weiteren EZB-Zinserhöhung. All das verbessert Unternehmensgewinne und lässt Aktien attraktiver erscheinen. Innerhalb von nur drei Wochen gewann der DAX mehr als 1.300 Punkte.
Ölpreis als Kursmotor
Das Muster wiederholt sich seit April, aber es hat eine strukturelle Schwäche: Es ist reversibel. Jedes neue Anzeichen einer Eskalation im Hormuskonflikt, jede Trump-Drohung oder iranische Reaktion, kann die Ölpreisrally sofort umkehren. Der DAX hängt damit an einem Faden, der nicht von Unternehmensgewinnen, sondern von Trumps Telefonaten abhängt.
Ökonomen mahnen zur Einordnung. Der DAX hat im Vergleich zum US-amerikanischen S&P 500 in diesem Jahr einen entscheidenden Vorteil: Er enthält keine großen Technologiewerte, die seit Monaten unter Bewertungssorgen leiden. Was in normalen Zeiten als Nachteil gilt, der keine Apple oder Nvidia im Index hat, wird im aktuellen Umfeld, in dem eine mögliche KI-Bewertungsblase diskutiert wird, zum Vorteil. Der DAX zieht aus der Nahost-Entspannung mehr als aus Tech-Wachstum.
Dow Jones und Amazon: Parallelrekorde in New York
Auch an der Wall Street war Montag ein Rekordtag. Der Dow Jones Industrial Average schloss auf einem neuen Allzeithoch und näherte sich der Marke von 49.000 Punkten. Der Haupttreiber war Amazon: Das Unternehmen überschritt erstmals in seiner Geschichte eine Marktkapitalisierung von drei Billionen Dollar. Amazon hatte in der laufenden Quartalssaison die Erwartungen deutlich übertroffen, getrieben vor allem durch das Wachstum des Cloudgeschäfts AWS.
Die Gewinnsaison für das zweite Quartal 2026 verlief in den USA und in Europa besser als erwartet. Nach Daten des Datenanbieterdienstes Bloomberg Intelligence verzeichnet Europa den stärksten Gewinnanstieg seit drei Jahren. JPMorgan und Goldman Sachs hatten die Erwartungen um bis zu 46 Prozent übertroffen. Das gibt dem DAX-Anstieg eine zweite Stütze neben der Geopolitik: fundamentale Unternehmensgewinne, die Rekorde auch ohne Nahost-Entspannung stützen könnten.
Was der nächste Eskalationsschub kosten würde
Der entscheidende Test für die Nachhaltigkeit des DAX-Rekords kommt nicht aus dem Dax-Chart, sondern aus dem Golf. Sollten die angekündigten US-Iran-Gespräche scheitern oder Trump erneut mit Militärschlägen drohen, würde der Ölpreis sofort reagieren und die DAX-Gains würden schmelzen. Bereits Ende Juli hatte ein temporärer Kurseinbruch um 450 Punkte gezeigt, wie dünn die Nerven der Märkte in diesem Sommer sind.
Für europäische Anleger kommt ein zweites Risiko hinzu: die Verhandlungen zwischen EU und USA über die Section-301-Zölle, deren Frist am 7. August ausläuft. Scheitern die Gespräche, würden EU-Gegenzölle auf US-Produkte im Wert von rund 93 Milliarden Euro aktiviert. Das würde exportorientierte DAX-Konzerne wie BMW, Siemens oder BASF direkt treffen.
Die Lage lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen: Der DAX hat fundamental gute Gründe für einen Anstieg, weil die Gewinnsaison besser als erwartet läuft. Aber die Marke von 26.000 hält nur so lange, wie Trump kein neues Feuer im Golf entfacht. Das war schon in den vergangenen Wochen das zentrale Risiko und es bleibt es auch nach dem Rekord.
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