
Amazon Q2: AWS-Boom treibt DAX auf Rekordhoch
Quellen (11)
- Investing.com: Amazon Q2 free cashflowinvesting.com
- Yahoo Finance: Amazon Q2 2026 earningsfinance.yahoo.com
- Beancount: Amazon AWS backlog 496 Mrd.beancount.io
- Onlinemarktplatz: Amazon Q2 Quartalszahlenonlinemarktplatz.de
- DWN: DAX Rekordhoch 26.000 Punktedeutsche-wirtschafts-nachrichten.de
- Finanznachrichten: DAX Allzeithoch möglichfinanznachrichten.de
- Boersen-Zeitung: DAX knackt 26.000 Punkteboersen-zeitung.de
- Computerbase: Microsoft Quartalszahlen Azure Cloud KIcomputerbase.de
- Computerbase: Amazon Quartalszahlen AWS KI-Ausbaucomputerbase.de
- ad-hoc-news: KI-Boom treibt Halbleiterbranche in Krisead-hoc-news.de
- Borncity: Chipkrise bis 2030borncity.com
Der freie Cashflow von Amazon ist im zweiten Quartal 2026 auf rollender Zwölfmonatsbasis ins Negative gedreht: minus 7,6 Milliarden Dollar, nach plus 18,2 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wächst AWS so schnell wie seit 18 Quartalen nicht mehr. Der DAX schloss am Montag mit 26.014 Punkten auf einem neuen Allzeithoch. Der Widerspruch ist kein Zufall, sondern Programm: Bei KI-Infrastruktur werden heute Rechenzentren gebaut und erst in zwei Jahren abgerechnet.
Was Amazon für das zweite Quartal meldet
Amazon verbuchte für Q2 2026 einen Gesamtumsatz von 200,6 Milliarden Dollar, 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum mit 167,7 Milliarden Dollar. Analysten hatten 196,5 Milliarden Dollar erwartet; Amazon übertraf die Konsensprognose um gut vier Milliarden. Das operative Ergebnis stieg um 43 Prozent auf 27,5 Milliarden Dollar.
Den größten Anteil trug Amazon Web Services: AWS wuchs um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar Quartalsumsatz, einem annualisierten Lauf von 169 Milliarden Dollar. Es ist das schnellste Wachstum des Segments seit 2021, als AWS noch weniger als die Hälfte seiner heutigen Größe hatte. Das operative Ergebnis von AWS stieg um 64 Prozent auf 16,6 Milliarden Dollar, was einer Marge von rund 39 Prozent entspricht. Amazon meldet zusätzlich, dass KI-Dienste und eigene Chips jeweils eine annualisierte Umsatzrate von über 25 Milliarden Dollar erreicht haben.
Microsoft hatte bereits am 29. Juli gemeldet: 90 Milliarden Dollar Quartalsumsatz, ein Azure-Wachstum von 43 Prozent und erstmals einen Azure-Jahresumsatz von über 100 Milliarden Dollar. KI-bezogene Erlöse stiegen bei Microsoft im Geschäftsjahr 2026 um 123 Prozent auf 37 Milliarden Dollar. Apple, das in dieser Woche ebenfalls berichtete, zeigte ein gemischtes Bild: Während Geräteumsätze solide blieben, blieb das KI-Geschäft hinter den Erwartungen zurück. Die Kombination aus starken Zahlen von Amazon und Microsoft, ergänzt um die Ankündigung neuer US-Verhandlungen mit dem Iran, die Ölpreise nach unten drückte, hob den DAX auf 26.014 Punkte.
Der 496-Milliarden-Auftragsbestand als Versprechen
Der aufschlussreichste Einzelwert aus dem Amazon-Bericht ist der AWS-Backlog: 496 Milliarden Dollar in vertraglich gesichertem, noch nicht abgerechnetem Auftragsbestand. Das entspricht bei aktuellem Wachstumstempo knapp drei Jahren Umsatz. Kunden, die mehrjährige AWS-Verträge unterzeichnet haben, können dieses Budget nicht ohne erhebliche Strafzahlungen woanders einsetzen.
Der Backlog ist das Argument, das Amazon-Management bei jedem Investorengespräch gegen die Frage anführen kann, ob sich der Investitionsboom tatsächlich lohnt. Während Microsoft-Aktionäre trotz Rekordergebnissen seit Jahresbeginn 18 Prozent im Minus liegen, weil der Markt die Rückflüsse auf die hohen KI-Ausgaben skeptisch bewertet, liefert der Backlog bei Amazon ein quantifizierbares Versprechen: Die Ausgaben sind bereits in zukünftigen Einnahmen vorgebucht.
Warum der Cashflow trotzdem ins Minus dreht
Der Haken liegt in der Zeitdifferenz. Ein Rechenzentrum, das heute für mehrere Milliarden Dollar gebaut wird, generiert erst in zwei bis drei Jahren seinen vollen Ertrag. Amazons CapEx für 2026 liegt bei erwarteten 220 Milliarden Dollar. Microsoft investierte allein im abgelaufenen Quartal 41 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur, ein Plus von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die vier größten US-Technologiekonzerne kommen zusammen branchenweit auf über 700 Milliarden Dollar jährliche KI-Infrastrukturausgaben.
Der freie Cashflow ist die Kennzahl, die anzeigt, ob ein Unternehmen in der Gegenwart tatsächlich Liquidität erwirtschaftet. Bei Amazon kippte er von plus 18,2 Milliarden Dollar auf minus 7,6 Milliarden Dollar. Das ist rechnerisch erklärbar: CapEx übersteigt den operativen Mittelzufluss. Für Aktionäre ist es dennoch ein Signal, das genau verfolgt wird. Die Frage, ob die KI-Rechnung aufgeht, entscheidet sich, wenn die neu gebauten Rechenzentren in zwei Jahren ihre Kapazitäten auslasten müssen.
Halbleiter als Flaschenhals für den globalen KI-Ausbau
Selbst wenn der Rückenwind aus den Quartalszahlen anhält, gibt es eine physische Grenze: Chips. Dell-Chef Michael Dell warnte zuletzt, der globale Bedarf an Speicherchips könnte durch KI-Anwendungen bis 2028 auf das 625-fache des Niveaus von 2022 steigen. Chey Tae-won, Vorstandsvorsitzender der koreanischen SK Group, prognostizierte einen weltweiten Mangel an Chipwafern, der sich bis 2030 hinziehen könnte. Wartezeiten für Halbleiterkomponenten von bis zu sechs Monaten sind im Markt bereits Standard.
Das betrifft nicht nur Tech-Konzerne. Automobilhersteller, Industrieunternehmen und Medizintechnik sind ebenfalls auf Chips angewiesen. Ein KI-Boom, der Chippreise strukturell steigen lässt, erhöht die Produktionskosten für weite Teile der industriell geprägten DAX-Wirtschaft. In der laufenden Berichtssaison steht Siemens Healthineers nach Angaben aus dem Markt unter Druck, weil Halbleiterengpässe bei Bildgebungsgeräten die Margen belasten.
Bis Mitte August berichtet die Hälfte des DAX-40
Amazon und Microsoft haben die Erwartungslage für die laufende Berichtssaison hochgesetzt; nun folgen die restlichen Berichte. Rund 20 der 40 DAX-Unternehmen haben ihre Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 noch nicht veröffentlicht. Unter den ausstehenden Berichten finden sich Deutsche Telekom, Siemens und BMW. Alle drei haben eine erhebliche Exposition gegenüber KI-Infrastrukturausgaben, allerdings als Abnehmer und Anwender, nicht als Anbieter wie Amazon und Microsoft.
Die Berichtssaison läuft bis Mitte August. Der Iran-Faktor bleibt zweischneidig: Scheitern die Gespräche, steigen Ölpreise wieder und dämpfen den heutigen Rückenwind für den Gesamtmarkt. Das neue DAX-Allzeithoch von 26.014 Punkten ist das Ergebnis eines Handelstages, in dem die Zahlen zu den Erwartungen passten. Ob der KI-CapEx von über 700 Milliarden Dollar jährlich seinen Gegenwert erzeugt, wird nicht diese Woche entschieden.
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