68 Gigawatt: Solarstrom-Welle rollt in die Welt
68 Gigawatt Solarmodule in einem einzigen Monat: Die chinesischen Solarexporte haben im März 2026 alle bisherigen Rekorde gebrochen. Das entspricht der gesamten installierten Solarkapazität Spaniens, in einem Monat ausgeliefert. Die Ember-Datenanalyse der chinesischen Zolldaten zeigt, dass die Exporte sich gegenüber Februar exakt verdoppelt haben und 49 Prozent über dem bisherigen Rekord vom August 2025 lagen. Was diese Zahlen besonders macht: Der Boom trifft nicht vor allem die reichen Industrienationen, sondern Länder, die bislang kaum Zugang zur Energiewende hatten.
Afrikas Sprung in eine neue Energieära
Die auffälligste Verschiebung findet in Afrika statt. Laut Ember-Bericht stiegen die afrikanischen Solarimporte aus China im März um 176 Prozent gegenüber dem Vormonat auf 10 Gigawatt, ebenfalls ein neuer Rekord. Drei Länder überschritten dabei erstmals in ihrer Geschichte die Schwelle von einem Gigawatt in einem einzigen Monat: Nigeria mit einem Plus von 519 Prozent, Äthiopien mit 391 Prozent und Kenia mit 207 Prozent. Insgesamt setzten 50 Länder neue Allzeitrekorde bei Solarimporten; weitere 60 Länder lagen auf Sechsmonatshochs.
Auch Asien verzeichnete eine Verdoppelung auf 39 Gigawatt. Indien legte um 141 Prozent zu, Malaysia um 384 Prozent, Laos um 108 Prozent. Die Zahlen deuten auf eine breite Beschleunigung der Energiewende hin, getrieben von zwei Faktoren, die im März zusammentrafen.
Zwei Treiber, ein Ergebnis
Der erste Treiber ist geopolitischer Natur: Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran hat die Energiepreise weltweit hochgetrieben und die Abhängigkeit von fossilen Importen für viele Länder spürbar teurer gemacht. Günstige Solarpanele aus China bieten eine Möglichkeit, sich unabhängiger zu machen.
Der zweite Treiber war ein Datum im Kalender: Zum 1. April 2026 hob China bestimmte Exportsteuererstattungen für Solarprodukte auf, was die Panele um rund neun Prozent verteuerte. Importeure weltweit kauften im März auf Vorrat, ein klassisches Frontloading. Ember und andere Analysten betonen jedoch, dass ein erheblicher Teil der Nachfragesteigerung tatsächlicher Infrastrukturausbau war, kein bloßes Horten.
Zum Vergleich: 2010 exportierte China insgesamt rund 5 Gigawatt Solarmodule pro Jahr. 16 Jahre später sind es 68 Gigawatt in einem einzigen Monat. Die Preise fielen in diesem Zeitraum von rund 2,50 Dollar pro Watt auf unter 0,12 Dollar, ein Faktor 20.
Was die Zahlen für die Klimaziele bedeuten
Nicht alle dieser 68 Gigawatt werden sofort ans Netz gehen. Zwischen Lieferung und Inbetriebnahme liegen in vielen Ländern Monate, manchmal Jahre, weil Netze, Finanzierung und Genehmigungen fehlen. Das IEA hat in seinem Solar-Bericht 2025 auf genau diesen Flaschenhals hingewiesen: Die Herstellung von Solarmodulen hat die weltweite Netzinfrastruktur längst überholt.
Dennoch signalisieren die Märzexporte etwas Strukturelles: Länder, die bislang kaum Teil der globalen Energiewende waren, greifen jetzt zu. Nigeria, mit 220 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas, leidet seit Jahrzehnten unter chronischer Stromunterversorgung. Millionen Haushalte und Betriebe betreiben Dieselgeneratoren. Günstige Solarpanele können das im Kleinen durchbrechen, selbst ohne stabiles Stromnetz, über dezentrale Installationen.
Tempo, das sich weiter erhöhen könnte
Ob der März-Rekord ein Ausreißer bleibt oder eine neue Normalität einleitet, hängt davon ab, wie schnell die empfangenden Länder die Module tatsächlich installieren können. Ember-Analystin Jenny Chase erwartet, dass die globale Solarkapazität bis 2030 die 10-Terawatt-Schwelle übersteigen wird, mehr als das Doppelte des aktuellen Stands von rund 4 Terawatt. Für diesen Pfad müsste die Installationsrate in den nächsten vier Jahren weiter steigen.
Die Märzexporte allein machen gut ein Zehntel der gesamten Neuinstallationen des Vorjahres aus. Wenn auch nur die Hälfte davon innerhalb von zwölf Monaten ans Netz geht, würden sie das solare Kapazitätswachstum 2026 spürbar anheben. Das ist keine Garantie, aber ein Tempo, das noch vor zwei Jahren undenkbar schien.