Berliner Wahl: Linke und CDU im Finale Kopf an Kopf
Politik

Berliner Wahl: Linke und CDU im Finale Kopf an Kopf

Am 20. September wählt Berlin, Linke und CDU gleichauf bei je 20 Prozent. Im rbb-TV-Duell warf SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach der Linken-Kandidatin Elif Eralp vor, der 'Friedrich Merz Berlins' zu sein. Ein Drittel der Berliner Wähler hat sich noch nicht entschieden.

Quellen (8)
  1. Die Welt (rbb-Wahlarena)welt.de
  2. Tagesspiegel (INSA-Umfrage)tagesspiegel.de
  3. Ipsos Umfrage Berlin 2026ipsos.com
  4. Koalitionsrechner Berlin 2026koalitions-rechner.de
  5. dawum.de INSAdawum.de
  6. wahlrecht.de Umfragen Berlinwahlrecht.de
  7. berlin.t-online.deberlin.t-online.de
  8. politpro.eu Berlin 2026politpro.eu
17. September 2026, 5:05 Uhr812 Wörter · 5 Min. Lesezeit

In drei Tagen wählt Berlin und das Rennen ist so eng wie selten. Die letzte INSA-Umfrage vom 14. September zeigt CDU und Linke gleichauf bei je 20 Prozent, die AfD liegt mit 18 Prozent dicht dahinter. Im rbb-TV-Duell am Mittwochabend warf SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach der Linken-Kandidatin Elif Eralp vor, „der Friedrich Merz des Berliner Wahlkampfes“ zu sein. Dass ein SPD-Politiker die Linke mit dem Unions-Vorsitzenden vergleicht, zeigt, wie aufgeladen das Verhältnis zwischen den potenziellen Koalitionspartnern ist.

Das Rennen an der Spitze

Linke und CDU liefern sich seit Wochen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. In der INSA-Erhebung vom 7. bis 14. September kommen beide Parteien auf 20 Prozent, wobei die Fehlertoleranz von plus/minus 3,1 Prozentpunkten jeden Ausgang als statistisch gleichwertig erscheinen lässt. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht im jüngsten ZDF-Politbarometer die Linke sogar mit 23 Prozent vor der CDU mit 21 Prozent. Der Schnitt aller aktuellen Umfragen zeigt die Linke knapp vorn, mit CDU und AfD in Schlagweite.

Auf den hinteren Plätzen wird es ebenfalls eng: Die Grünen kommen auf etwa 16 Prozent, die SPD auf 12 Prozent. Das BSW steht laut INSA bei fünf Prozent und könnte damit knapp ins Abgeordnetenhaus einziehen. Ob BSW die Fünf-Prozent-Hürde übersteigt oder nicht, entscheidet mit über die Koalitionsoptionen. Das 159-Sitze-Haus braucht eine Mehrheit ab 80 Sitzen.

Die Koalitionsarithmetik

Trotz des Zwei-Parteien-Rennens an der Spitze ist der Koalitionsbildung wenig Spielraum: Linke, Grüne und SPD kämen auf rund 90 Sitze, genug für eine knappe Mehrheit. CDU, Grüne und SPD kämen auf etwa 88 Sitze. Eine CDU-geführte Regierung bräuchte zwingend die Grünen und die SPD. Eine Linke-geführte Regierung ebenfalls, aber Elif Eralp hat erklärt, Spitzenkandidatin fürs Rote Rathaus zu sein.

Interessant ist, was fehlt: Eine Mehrheit aus CDU und AfD scheidet wegen des CDU-Ausschlussbeschlusses aus. Rot-Rot ohne Grüne würde rechnerisch nicht reichen. Das bedeutet, dass die Grünen mit ihren etwa 16 Prozent eine Schlüsselrolle spielen, weil sie sowohl für eine linksgeführte als auch eine CDU-geführte Koalition benötigt werden. Grünen-Verhandlungsführerin Anne Berbig hat bereits signalisiert, dass ihre Partei mit beiden Lagern sprechen würde, aber inhaltliche Bedingungen stelle.

Unentschlossenheit als Faktor

Was das Ergebnis zusätzlich schwer vorhersehbar macht: Eine außergewöhnlich hohe Zahl von Wählerinnen und Wählern hat sich noch nicht festgelegt. Laut einer Ipsos-Analyse können sich 52 Prozent der Berliner Wähler vorstellen, mindestens zwei verschiedene Parteien zu wählen. 28 Prozent erwägen sogar ernsthaft drei oder mehr Optionen. Nur rund ein Drittel legt sich aktuell auf eine Partei fest. Drei Tage vor der Wahl ist das ein ungewöhnlich offenes Feld.

Die Umfrage zeigt außerdem, dass zwischen Linke auf Platz eins und SPD auf Platz vier nur zwei Prozentpunkte liegen. Wer am Sonntag mobilisiert, entscheidet in einem solchen Feld deutlich stärker als die Parteibindungen. Jüngere Berliner unter 40 priorisieren Lebenshaltungskosten und soziale Ungleichheit, ältere Berliner über 60 setzen stärker auf Wirtschaft und Sicherheit. Das erklärt, warum die Linke mit ihrer Wohnungspolitik und Sozialpolitik bei jüngeren Wählern punktet, während die CDU bei älteren Wählern mit Wirtschaftskompetenz wirbt.

Das Duell und seine Botschaft

Der Vergleich, den Steffen Krach in der rbb-Wahlarena zog, war kalkuliert. Eralp als „Friedrich Merz des Berliner Wahlkampfes“ zu bezeichnen, soll die Botschaft transportieren: Die Linke sei eine Partei der Konfrontation, ungeeignet für Regierungsverantwortung. Stefan Evers hingegen kam bei einer VBKI-Umfrage auf 51,5 Prozent Zustimmung in der unternehmerischen Berliner Stadtgesellschaft, was zeigt, dass er eine klar abgegrenzte Wählergruppe überzeugt.

Eralp ihrerseits nutzte die Wahlarena, um auf Obdachlosigkeit, Wohnungsnot und Sozialkürzungen zu setzen. Das sind die Themen, bei denen die Linke laut Ipsos als kompetenteste Partei wahrgenommen wird. Ob das reicht, hängt davon ab, ob die Partei am Sonntag ihre traditionell niedrigere Mobilisierungsquote überwindet.

Was nach dem 20. September kommt

Die Auszählung beginnt am Sonntagabend, erste belastbare Hochrechnungen sind ab 18 Uhr erwartet. Politpro sieht die Linke in seinen Trendmodellen knapp vorn, aber innerhalb der statistischen Unsicherheitsmargen. Wer das Mandat zur Regierungsbildung bekommt, wird danach Wochen brauchen. Die Koalitionsverhandlungen dürften bis weit in den November reichen, da sowohl ein linksgeführtes als auch ein CDU-geführtes Dreierbündnis schwierige inhaltliche Hürden hat. Für die Linke wäre eine Regierungsbeteiligung in Berlin historisch. Bodo Ramelow führte Thüringen als Linke-Ministerpräsident. Das Rote Rathaus in der Bundeshauptstadt wäre eine andere Dimension.

Für die Bundespolitik ist das Berliner Ergebnis ein Signal: Wie weit ist die Linke nach ihrem bundesweiten Absturz und dem Berliner Comeback als Regierungspartei belastbar? Und wie viel Raum lässt die AfD mit 18 Prozent der CDU noch für bürgerliche Mehrheiten in der Hauptstadt?

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