AfD schließt Eichwald wegen Hitler-Stil-Rede aus
Die AfD hat Alexander Eichwald aus der Partei ausgeschlossen. Der 31-jährige Russlanddeutsche hatte beim Gründungskongress der neuen AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland im November 2025 eine Rede gehalten, die der Kreisverband Herford als NS-Rhetorik einstufte. Das nordrhein-westfälische Landesschiedsgericht bestätigte am 25. April 2026 den Ausschluss. Der Fall offenbart eine tiefe Spannung: Die AfD grenzt sich nach außen ab, während ihr neuer Jugendverband von Anfang an mit Führungspersonal antritt, das selbst im Verfassungsschutzbericht steht.
Eine neue Jugendorganisation mit altem Personal
Generation Deutschland wurde am 29. November 2025 in den Hessenhallen Gießen gegründet. Rund tausend Delegierte nahmen am Kongress teil, draußen demonstrierten Tausende gegen die Veranstaltung. Die neue Organisation ersetzt die Junge Alternative, die der AfD-Bundesvorstand im Januar 2025 aufgelöst hatte, nachdem der Verfassungsschutz sie als gesichert rechtsextremistisch eingestuft hatte. Generation Deutschland ist anders konzipiert: keine eigenständige Organisation, sondern eine rechtlich unselbstständige Gliederung der AfD. Wer der Jugendorganisation beitritt, wird automatisch auch Mitglied der Partei selbst. Der Bundesvorstand erhält damit mehr Kontrollmöglichkeiten als über die frühere Junge Alternative.
Zum Vorsitzenden gewählt wurde Jean-Pascal Hohm, 28 Jahre alt, Abgeordneter des Brandenburger Landtags, mit 90,4 Prozent der Delegiertenstimmen. Hohm ist dem Brandenburger Landesamt für Verfassungsschutz bekannt: In dessen Jahresbericht über den gesichert rechtsextremistischen Brandenburger AfD-Landesverband wird er dutzende Male namentlich erwähnt und mit völkischen und migrationskritischen Thesen zitiert. Als 18-Jähriger nahm Hohm 2016 an einer Sitzblockade der ethnopluralistischen Identitären Bewegung vor der Berliner CDU-Zentrale teil. 2017 erschien er gemeinsam mit Cottbuser Hooligans und einem damaligen Identitären-Regionalsprecher auf einem Fußballspiel und verlor daraufhin seine Stelle in der AfD-Landtagsfraktion. Für die Delegierten der Gründungsveranstaltung war das kein Hinderungsgrund.
Was Eichwald tat
Alexander Eichwald trat beim Gründungskongress als Kandidat für einen Vorstandsposten an. In seiner Bewerbungsrede gestikulierte er mit dem ausgestreckten Zeigefinger, sprach mit rollendem R und rief in den Saal: "Die Liebe und Treue zu Deutschland, die teilen wir hier zusammen" und "Es ist und bleibt unsere nationale Pflicht, die deutsche Kultur vor fremden Einflüssen zu schützen." Den auffälligen Stimmklang erklärte er mit seiner Herkunft: Als Russlanddeutscher habe er das rollende R aus dem Russischen mitgebracht.
Der Kreisverband Herford in Ostwestfalen sah das anders. In seinem Ausschlussantrag sprach er von "NS-Rhetorik und NS-Vokabular". AfD-Bundesvorsitzender Tino Chrupalla distanzierte sich noch am Abend des Kongresses: Eichwald habe sich "mit dem Inhalt wie auch der Art seiner Kandidatenrede" von den Grundsätzen der Partei entfernt. Eichwald hatte zu diesem Zeitpunkt erst wenige Wochen der AfD angehört. Das NRW-Landesschiedsgericht folgte fünf Monate später dem Ausschlussantrag. Eichwald kann beim AfD-Bundesschiedsgericht Berufung einlegen; er hatte im Vorfeld der Entscheidung in einem öffentlichen Video mit der Parteiführung abgerechnet.
Disziplinierung mit Grenzen
Generation Deutschland sollte ein Signal der Mäßigung sein. Die Junge Alternative galt als unkontrollierbarer Fremdkörper in der Partei, der eigene Veranstaltungen abhielt und eigene Netzwerke aufbaute. Die neue Struktur als rechtlich unselbstständige Gliederung sollte das ändern. Der Fall Eichwald zeigt, dass diese Struktur funktioniert: Eine Person mit offensichtlich radikalem Auftreten wurde identifiziert und ausgeschlossen.
Gleichzeitig zeigt er, wo diese Disziplinierung endet. Der Vorsitzende der Organisation, mit fast neunzig Prozent ins Amt gewählt, wird in einem Verfassungsschutzbericht als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Generation Deutschland rekrutiert in denselben politischen Milieus wie die aufgelöste Junge Alternative. Das Personal ist weitgehend dasselbe, nur der institutionelle Rahmen hat sich verändert.
Für die AfD ist der Fall in zweifacher Hinsicht heikel. Russlanddeutsche stellen in Deutschland etwa drei Millionen Menschen und wählen überproportional häufig AfD, besonders in Ostdeutschland und bestimmten westdeutschen Städten wie Bielefeld, in deren Nähe auch Herford liegt. Dass der Kreisverband Herford, also eine lokale AfD-Struktur aus einer Region mit vielen Russlanddeutschen, den Ausschlussantrag stellte, ist keine Selbstverständlichkeit.
Berufung möglich, Wirkung unklar
Alexander Eichwald hat das Recht, beim AfD-Bundesschiedsgericht Berufung einzulegen. Über den Ausgang eines solchen Verfahrens ist nichts bekannt. Für Generation Deutschland endet der Fall Eichwald nicht mit dem Schiedsgerichtsurteil. Die Frage, die Kritiker seit der Gründung stellen, lässt sich mit einem einzelnen Ausschluss nicht beantworten: Ob die neue Struktur ein anderes politisches Milieu anzieht als die Junge Alternative oder nur dieselben Netzwerke neu organisiert. Jean-Pascal Hohms Wahl mit 90,4 Prozent liefert bislang keinen Grund für Optimismus.