
WWF-Bericht: Tiger und Grüne Meeresschildkröten erholen sich
Quellen (12)
- WWF Living Planet Report 2026 Press Release | WWFwwf.org.uk
- Wild Tigers Rebounded More Than 70% Since 2010 Even as Monitored Wildlife Populations Fell an Average 73% Since 1970natureworldnews.com
- A 73% average decline in wildlife populations: an overview of the 2026 Living Planet Index report | Our World in Dataourworldindata.org
- Nature in freefall: WWF says wildlife populations plunge 73pc since 1970 | Malay Mailmalaymail.com
- WWF 2026 Report: Tigers, Turtles, Tuna Bounced Back; Nature Protection Outspent 30 to Onetechtimes.com
- Toszogyova, Smyčka & Storch (2024): Mathematical biases in the calculation of the Living Planet Index lead to overestimation of vertebrate population decline. Nature Communicationsdoi.org
- Signs of recovery | WWFlivingplanet.panda.org
- Tigers, tuna and otters show nature can still recover | FMTfreemalaysiatoday.com
- WWF Living Planet Report 2026 reveals "rational basis for hope” | Discover Wildlifediscoverwildlife.com
- Media advisory for use by the media only, not an official document Parties recognize the world is not on track to achieve biodiversity targets; Nairobicbd.int
- The utility of the Living Planet Index as a policy tool and for measuring nature recovery - PMCpmc.ncbi.nlm.nih.gov
- Global Tiger Population is Stable and Potentially Increasing Despite Extreme Threats, According to New IUCN Assessment Led by Panthera | Pantherapanthera.org
Der Living Planet Index, den die Zoological Society of London erstellt, beruht in der Ausgabe 2026 auf 35,803 Bestandstrends von 5,790 Wirbeltierarten aus dem Zeitraum 1970 bis 2022. Der WWF veröffentlichte den zugehörigen Bericht am 8. Oktober 2026. Die Zahl von 73 Prozent beschreibt laut WWF dabei nicht den Anteil verlorener Tiere, sondern die durchschnittliche proportionale Veränderung der Bestandsgrößen an überwachten Standorten weltweit von 1970 bis 2022.
Was die Zahl nicht sagt
Laut WWF sind rund die Hälfte der im Index enthaltenen Bestände stabil oder nehmen zu, während die andere Hälfte zurückgeht; weil die Rückgänge in ihrem Ausmaß die Zuwächse übertreffen, ergibt sich im globalen Index ein durchschnittlicher Rückgang von 73 Prozent. Our World in Data erläutert zudem, dass Wirbellose und Pflanzen in der Zählung nicht enthalten sind. Behauptungen, 73 Prozent der Wildtiere seien verloren, 73 Prozent der Arten seien ausgestorben oder gingen zurück, bezeichnet Our World in Data als falsche Interpretationen des Index. Die stärksten durchschnittlichen Rückgänge verzeichnete der Bericht in Lateinamerika und der Karibik mit 95 Prozent und in Afrika mit 80 Prozent, während Nordamerika mit 28 Prozent und Europa und Zentralasien mit 23 Prozent geringere Rückgänge aufwiesen; den weniger negativen Trend in Europa und Nordamerika erklärt der WWF damit, dass dort bereits vor 1970 großflächige Auswirkungen auf die Natur erkennbar waren.

Tiger, Schildkröten und Thunfisch: Die Erholungsgeschichten
Die Zahl wildlebender Tiger stieg laut WWF zwischen 2010 und 2025 um über 70 Prozent, von 3,200 auf rund 5,700 Tiere. Als Treiber nennt der WWF nationale Tigererholungspläne, zwischenstaatliche Verpflichtungen durch die Global Tiger Initiative, professionalisierte Rangereinheiten, die Ausweitung von Schutzgebieten, grenzüberschreitende Arbeit gegen illegalen Handel und Kampagnen zur Nachfragereduzierung.
Die Grüne Meeresschildkröte wurde 2025 als erste Meeresschildkröte auf der Roten Liste der IUCN von stark gefährdet auf nicht gefährdet herabgestuft. Der WWF führt die Erholung auf 50 Jahre koordinierter Arbeit in etwa 80 Ländern mit Nistplätzen zurück, darunter Schutz nistender Weibchen und ihrer Eier, Strandmanagement, Beleuchtungsvorschriften, Vorrichtungen zum Ausschluss von Schildkröten und weitere Maßnahmen gegen Beifang an Fanggeräten.
Bei der Erholung des Blauflossenthuns waren laut WWF die Bestände des Atlantischen Blauflossenthuns bis 2010 gegenüber der Mitte des 20. Jahrhunderts um 80 Prozent gefallen und die Art war als stark gefährdet eingestuft, während der Pazifische Blauflossenthun auf 2 Prozent des unbefischten Bestandsniveaus eingebrochen und als gefährdet eingestuft war. Nach Kampagnen für nachhaltig bezogenen Fisch, niedrigeren Fangquoten und verstärkter Überwachung galt laut WWF zum Veröffentlichungszeitpunkt keine der beiden Arten mehr als überfischt oder als besorgniserregende Art.
Afrikanische Savannenelefanten nehmen in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets weiterhin ab und bleiben insgesamt stark gefährdet, doch im südlichen Afrika wachsen manche Bestände an manchen Orten. Staaten im südlichen Afrika haben dafür Rechtsrahmen geschaffen, die lokale Gemeinschaften durch gemeinschaftliche Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen unmittelbar an der Verantwortung für Elefanten beteiligen, ergänzt durch Arbeit gegen illegalen Handel, Justizreformen und verringerte Korruption.

Im Vergleich
Bei der Wiederansiedlung europäischer Bisons, die in freier Wildbahn ausgestorben waren, halfen Zucht in Gefangenschaft und Wiederansiedlungen, sie innerhalb von etwas mehr als 50 Jahren in 10 Länder zurückzubringen. Im Vereinigten Königreich wurden Otter, die nahe an die Ausrottung gedrängt worden waren, inzwischen landesweit wieder relativ häufig, während zuvor vollständig verschwundene Arten wie Biber und Seeadler erfolgreich wiederangesiedelt wurden.
Wie groß die Lücke zwischen Schaden und Schutz bleibt, zeigt eine andere Zahl aus dem Bericht: 2023 flossen laut WWF rund US$7.3 trillion in Aktivitäten, die der Natur schaden, während US$220 billion in ihren Schutz oder ihre Wiederherstellung investiert wurden. Das entspricht laut TechTimes unter Verweis auf den UNEP-Bericht State of Finance for Nature 2026 einem Verhältnis von mehr als 30-to-1 zulasten der Natur.
Kritik an der Berechnung des Index
Eine 2024 in Nature Communications veröffentlichte Studie von Toszogyová, Smyčka und Storch, laut TechTimes Forschende der Karlsuniversität, kam zu dem Ergebnis, dass mehrere mathematische Probleme in der LPI-Berechnung ein Ungleichgewicht zwischen erkannten zunehmenden und abnehmenden Trends erzeugen und dadurch Bestandsrückgänge überschätzen. Die Autoren betonen zugleich, dass ihre Befunde nicht bedeuten, Wirbeltierbestände veränderten sich nicht wesentlich; sie sehen vielmehr Bedarf an besseren Maßen für ein ausgewogenes Bild der Biodiversitätsveränderungen. ZSL und WWF erkennen laut TechTimes die methodische Debatte an, betonen aber, der Index sei ein relativer Trendindikator und kein Zensus; das Signal eines anhaltenden langfristigen Rückgangs stimme mit unabhängigen Maßen wie dem IUCN Red List Index überein.
Was die Erholung gefährden könnte
Der WWF warnt, dass die geschilderten Erholungserfolge fragil bleiben und Naturschutz allein nicht ausreiche: Die Herausforderung sei nicht mehr, Lösungen zu finden, sondern sie mit der nötigen Geschwindigkeit und im nötigen Umfang umzusetzen. Eine globale Erholung hänge laut WWF davon ab, die Aktivitäten zu beenden, die Naturzerstörung antreiben; als häufigsten gemeldeten Treiber des Biodiversitätsverlusts nennt er Lebensraumverlust und -verschlechterung, angetrieben durch die Ausweitung der Landwirtschaft zur Nahrungsmittelproduktion.
Der WWF bewertet den bisherigen Fortschritt der Regierungen als deutlich unzureichend und fordert von den Verhandelnden in Jerewan, erneuerbare Energien auszubauen, umweltschädliche Subventionen zu beenden und Entwaldung zu stoppen.
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