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International
Zehn Jahre US-Militär in Syrien sind vorbei

Zehn Jahre US-Militär in Syrien sind vorbei

Das US-Militär hat nach zehn Jahren seine letzten Stützpunkte in Syrien übergeben. Mit dem Abzug aus der Qasrak-Basis in Hasakah endet die US-Präsenz in einem der zentralen Konfliktherde der Region. Die Frage bleibt, ob der Islamische Staat in das entstehende Vakuum stößt.

18. April 2026, 2:33 Uhr 710 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Am 16. April verließ der letzte Konvoi der US-Armee den Qasrak-Luftwaffenstützpunkt in der nordostsyrischen Provinz Hasakah. Damit endet eine Militärpräsenz, die 2014 mit dem Kampf gegen den Islamischen Staat begann und die syrische Politik ein Jahrzehnt lang mitgeprägt hat. Für die neue syrische Regierung in Damaskus ist es ein Souveränitätsgewinn. Für die Region stellt sich die Frage, ob der IS ohne amerikanische Bodenpräsenz wieder erstarken kann.

Wie die Präsenz entstand und endete

Die USA entsandten 2014 erste Spezialkräfte nach Syrien, als der Islamische Staat weite Teile des Landes und des benachbarten Irak kontrollierte. Auf dem Höhepunkt umfasste die US-Präsenz rund 2.000 Soldaten, koordiniert mit den Syrisch-Demokratischen Kräften (SDF), dem kurdisch geführten Militärbündnis. Im Norden und Osten des Landes entstanden dauerhaft besetzte Stützpunkte: Rmeilan und Shaddadi in der Provinz Hasakah sowie Al-Tanf im Südosten nahe der jordanischen Grenze. Der nun als letzter übergebene Qasrak-Stützpunkt befand sich ebenfalls in Hasakah.

Der Abzug vollzog sich schrittweise. Am 23. Februar 2026 begannen die USA mit dem Rückzug aus ihrem größten Stützpunkt. Der entscheidende Rahmen war bereits Ende 2025 entstanden: Im November trat die neue syrische Regierung, die nach dem Sturz Präsident Baschar al-Assads im Dezember 2024 die Macht übernahm, offiziell der internationalen Anti-IS-Koalition bei. Damit entfiel der ursprüngliche Rechtsrahmen für die US-Präsenz. Im Januar 2026 schlossen Damaskus und die SDF eine Waffenruhe, im März folgte ein Integrationsabkommen: Kurdische Kämpfer werden schrittweise in die syrische Nationalarmee eingegliedert.

Was das US Central Command sagt

Das US Central Command (CENTCOM) beschrieb den Abzug als geordneten Übergang. „Wir haben alle großen Stützpunkte in Syrien als Teil eines planmäßigen und bedingungsbasierten Übergangs übergeben", erklärte ein CENTCOM-Sprecher. Gleichzeitig machte Washington klar, die Terrorismusbekämpfung werde weiterhin durch Partnerorganisationen unterstützt. Wie die operative Zusammenarbeit ohne eigene Präsenz vor Ort konkret aussehen soll, ließ CENTCOM offen.

Geheimdienstunterstützung aus der Luft und Ausbildungsmissionen vom Irak aus sind möglich, aber kein vollwertiger Ersatz für Spezialkräfte, die direkt mit lokalen Partnern im Feld operieren. Beim Abzug aus Afghanistan 2021 zeigte sich, wie schnell der Informationsfluss zwischen US-Geheimdiensten und lokalen Partnern abreißt, wenn keine gemeinsame Präsenz mehr besteht.

Die offene Frage: Der IS

Der Islamische Staat hat keine territoriale Kontrolle mehr in Syrien, operiert aber weiterhin mit Schläfernetzwerken. Laut Schätzungen des UN-Sicherheitsrats waren Ende 2025 zwischen 5.000 und 10.000 IS-Kämpfer in Syrien und dem Irak aktiv. Die bisherigen Hochburgen lagen genau in jenen Regionen, in denen die US-Stützpunkte standen: Deir ez-Zor und Hasakah.

Die entscheidende Frage ist, ob die neu integrierten SDF-Einheiten in der syrischen Nationalarmee die nachrichtendienstlichen Netzwerke und die taktischen Fähigkeiten aufrechterhalten können, die gemeinsam mit US-Kräften aufgebaut wurden. Das hängt auch davon ab, ob Damaskus die im März ausgehandelten Integrationsversprechen einhält. Kurdische Autonomierechte und die politische Zukunft Nordostsyriens sind ungeklärt.

Geopolitische Verschiebung

Der Abzug aus Syrien fällt in eine Phase, in der die USA ihre Kräfte im Nahen Osten neu priorisieren. Der Irankrieg mit dem laufenden Konflikt um die Straße von Hormus bindet militärische und diplomatische Ressourcen. Syrien ist aus dem strategischen Fokus Washingtons gerutscht.

Russland und der Iran, die das Assad-Regime militärisch gestützt hatten, stehen vor einer veränderten Lage. Die neue Führung in Damaskus ist nicht mehr deren verlässlicher Verbündeter. Wie Moskau und Teheran ihre eigene Präsenz in Syrien neu justieren, ist offen. Der Abzug der USA schafft ein Vakuum, das andere füllen könnten.

Zwischenbilanz mit offenem Ende

Das unmittelbare Ziel der US-Intervention wurde erreicht: Der IS ist keine Territorialmacht mehr. Das weitergehende Ziel, ein stabiles Syrien, das keine Basis für Terrorismus bietet, ist weit entfernt. Die neue Regierung in Damaskus hat weder vollständige Kontrolle über das Staatsgebiet noch eine konsolidierte Armee. Der Wiederaufbau braucht Jahrzehnte.

Syriens Verteidigungsministerium teilte am 17. April mit, alle früheren US-Militärgelände seien nun wieder unter vollständiger syrischer Kontrolle. Die erste Bewährungsprobe kommt früher als erwartet: Nach Angaben syrischer Sicherheitsbehörden haben die IS-Aktivitäten im Süden von Hasakah in den vergangenen Monaten wieder zugenommen, genau dort, wo die US-Stützpunkte lagen.

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