Midterms November 2026: Trumps Mehrheit wackelt
Am 3. November 2026 wählen die Vereinigten Staaten ein neues Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats. Laut dem Prognosemodell von Statistiker Nate Silver haben die Demokraten bereits jetzt eine Wahrscheinlichkeit von 78 Prozent, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückzugewinnen. Verlieren die Republikaner nur vier Sitze netto, endet Trumps gesetzgeberische Handlungsfähigkeit für den Rest seiner zweiten Amtszeit.
Was in Washington auf dem Spiel steht
Alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses werden neu vergeben, dazu 33 der 100 Senatsmandate. Die Republikaner halten seit Januar 2025 eine knappe Mehrheit mit rund 220 gegenüber 215 demokratischen Sitzen. Um diese Mehrheit zu verlieren, müssen sie netto nur etwa vier bis fünf Sitze abgeben.
Das ist kein hoher Zaun. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die Partei des amtierenden Präsidenten bei Zwischenwahlen nahezu immer Sitze verloren. Die Ausnahmen bestätigen die Regel: 2002 gewannen die Republikaner unter George W. Bush im Schock nach dem 11. September Sitze, 1998 verloren die Republikaner unter Clinton trotz Wirtschaftsaufschwungs inmitten des Impeachment-Verfahrens.
Verliert Trump das Repräsentantenhaus, kann er keine Haushaltspläne mehr durchsetzen, keine Steuergesetze und keine Krisenfinanzierungen. Er wäre auf Exekutivbefehle und Verordnungen beschränkt, die Demokraten gerichtlich anfechten können. Im Senat stehen 2026 mehr demokratische Sitze zur Wahl als republikanische, was einen Mehrheitswechsel dort schwieriger macht.
Die Umfragelage: Sechs Punkte Vorsprung für Demokraten
Der Generic Ballot, die wichtigste Messgröße für das kollektive Stimmungsbild vor Kongresswahlen, zeigt im Januar 2026 einen Vorsprung von sechs Punkten: 48 Prozent für Demokraten, 42 Prozent für Republikaner. Aggregatoren wie RaceToTheWH.com berechneten im April Werte zwischen 4 und 8 Punkten Vorsprung. Historisch reicht ein Generic-Ballot-Vorsprung von sechs Punkten aus, um die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu wechseln, sofern der Abstand bis November anhält.
Trumps persönliche Zustimmungswerte liegen einer Reuters/Ipsos-Erhebung zufolge bei 35 Prozent, dem niedrigsten Stand in seiner zweiten Amtszeit. Sein wirtschaftliches Zustimmungsrating fiel im April auf 30 Prozent, ein Einbruch von 8 Punkten gegenüber März. 61 Prozent der Befragten lehnen seine Amtsführung ab.
Haupttreiber der negativen Bewertungen sind die Energiekosten. Der Ölkonflikt um die Straße von Hormus hat die Spritpreise in den USA deutlich über das Niveau von Trumps Amtsantritt getrieben. Das trifft Pendler in vorstädtischen Swing-Wahlkreisen direkt. Hinzu kommen die Folgekosten des Irankriegs: Das Weiße Haus hat eine Kriegsfinanzierung von 80 bis 100 Milliarden Dollar beantragt, die selbst in der eigenen Partei auf Widerstand stößt. Senator Rand Paul erklärte öffentlich, er sei nicht für den Krieg und daher auch nicht für mehr Kriegsfinanzierung.
Trumps Gegenoffensive und die Strategie von Susie Wiles
Die Antwort des Weißen Hauses ist eine vollständige Wahlkampfoffensive. Susie Wiles, Trumps Stabschefin und erste Frau in diesem Amt, hat angekündigt, Trump werde ab Juni persönlich für republikanische Kandidaten im ganzen Land auftreten. Die Strategie setzt auf Trumps bewährte Mobilisierungskraft bei der Basisbevölkerung, besonders in ländlichen und vorstädtischen Wahlkreisen des Sun Belt.
Demokraten setzen auf das Gegenteil: Kandidaten, die sich bewusst von Washington distanzieren. In Pennsylvania, Michigan und Wisconsin treten mehrere aussichtsreiche Kandidaten an, die sich ausdrücklich von der Biden-Ära-Programmatik abgrenzen und auf lokale Wirtschaftsthemen konzentrieren. Das ist die Schlussfolgerung aus 2024: Harris wurde als zu eng mit der Biden-Administration verbunden wahrgenommen und verlor entscheidende Wählergruppen.
Das strukturelle Problem für die GOP ist ein Zahlenspiel, das sich kaum aushebeln lässt. Prognosemodelle von Nate Silver sehen 52 sogenannte Tossup-Distrikte als erreichbar für die Demokraten, ausreichend für einen Mehrheitswechsel im Repräsentantenhaus.
Der Senat: Günstigeres Terrain für die GOP
Während das Repräsentantenhaus für Demokraten erreichbar ist, sieht die Lage im Senat anders aus. Von den 33 Sitzen, die 2026 zur Wahl stehen, verteidigen Demokraten mehr als Republikaner. Das liegt an der Zyklusteilung des Senats: 2026 werden hauptsächlich die Sitze neu gewählt, die 2020 im Biden-Triumph gewonnen wurden, davon viele in Staaten, die 2024 für Trump stimmten. Montana, Ohio und Pennsylvania gelten als gefährdet für demokratische Amtsinhaber. Ein Mehrheitswechsel im Senat wird als unwahrscheinlicher eingestuft als einer im Repräsentantenhaus.
Vier Monate, die alles entscheiden
Offizieller Wahlkampfstart ist Juni 2026. Die entscheidende Phase sind August und September, wenn Kandidatenpositionen sich fixieren und Wahlkampfwerbung um die Deutungshoheit über wirtschaftliche Themen kämpft. Für Demokraten ist das größte Risiko eine unerwartete wirtschaftliche Erholung: Wenn Spritpreise bis Herbst sinken und die Inflationsrate zurückgeht, könnten vorstädtische Wahlkreise, die seit 2020 mehrheitlich demokratisch wählen, wieder schwanken.
Für Trump ist der 3. November 2026 nicht eine Abstimmung über seine Partei allein, sondern ein Referendum über seine zweite Amtszeit. Ein Verlust des Repräsentantenhauses würde ihn ab Januar 2027 von der Gesetzgebung ausschließen und aus einer zweiten Chance eine zweijährige politische Endphase machen. Ob Wiles' Strategie daran etwas ändert, wird sich zeigen, wenn die ersten Primaries im Juni abgeschlossen sind.