Trump erhöht Zölle auf EU-Autos auf 25 Prozent
Mit einer kurzen Botschaft auf Truth Social hat US-Präsident Donald Trump am Donnerstag den nächsten Eskalationsschritt im transatlantischen Handelskrieg eingeleitet. Die Zölle auf Autos und Lastwagen aus der EU sollen von bisher 15 auf 25 Prozent steigen, kündigte Trump an. Als Begründung gab er an, die EU halte ein im Sommer 2025 vereinbartes Handelsabkommen nicht ein. Die neuen Sätze sollen nach Trumps Angaben Anfang kommender Woche in Kraft treten.
Von der Einigung zur Eskalation
Nachdem Trump im April 2025 im Rahmen seines sogenannten "Liberation Day" hohe Zölle auf nahezu alle US-Handelspartner eingeführt hatte, einigten sich die EU und die USA im Sommer 2025 auf ein Abkommen: Die US-Zölle auf europäische Autos wurden von 27,5 auf 15 Prozent gesenkt. Aus Trumps Sicht hat die EU seitdem die vereinbarten Bedingungen nicht erfüllt.
Welche Verpflichtungen die EU konkret verletzt haben soll, erläuterte Trump in seiner Botschaft nicht. Er schrieb lediglich: "I am pleased to announce that, based on the fact the European Union is not complying with our fully agreed to Trade Deal, next week I will be increasing Tariffs charged to the European Union for Cars and Trucks coming into the United States. The Tariff will be increased to 25%." Eine Ausnahme soll für EU-Hersteller gelten, die Fahrzeuge in US-Werken produzieren: Für diese Autos entfällt der Zoll vollständig. Trump verwies dabei auf Investitionen von über 100 Milliarden Dollar, die europäische Autohersteller bereits für US-Produktionsstätten angekündigt hätten.
Die EU reagierte unmittelbar. Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, bezeichnete den Schritt als Beweis "eindeutiger Unzuverlässigkeit" der US-Seite. Die USA würden "wiederholt ihre Verpflichtungen brechen". Die EU-Kommission erklärte, man halte sich "alle Optionen offen".
Was das für die Autoindustrie bedeutet
Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), forderte USA und EU auf, das bestehende Abkommen einzuhalten. Die zusätzlichen Kosten durch einen 25-prozentigen Zollsatz seien "enorm" und würden auch US-Verbraucher belasten, sagte sie. Der Zusammenhang ist direkt: Hersteller kalkulieren Zölle in ihre Verkaufspreise ein. Wer einen deutschen Pkw kauft, zahlt künftig mehr.
BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen und Porsche exportieren erhebliche Stückzahlen in die USA. Keiner dieser Hersteller produziert alle für den US-Markt bestimmten Modelle in den USA. Mercedes fertigt in Alabama, BMW in South Carolina, aber Flaggschiff-Modelle wie der Porsche 911 oder der BMW 3er kommen ausschließlich aus europäischen Werken. Für diese Fahrzeuge gilt der volle Zollsatz.
Der Zeitpunkt ist ungünstig: Die deutsche Automobilindustrie kämpft 2025 und 2026 bereits mit den Folgen des Irankriegs, der Rohstoffpreise in die Höhe getrieben und Lieferketten gestört hat. Brentöl notiert bei rund 111 Dollar, was Produktionskosten erhöht. Ein Zollsprung von 15 auf 25 Prozent kommt in einer Phase, in der die Gewinnmargen ohnehin unter Druck stehen.
Das Muster hinter der Ankündigung
Trumps Begründung, die EU halte das Abkommen nicht ein, folgt einem Schema, das Handelsexperten aus anderen Konflikten kennen: Ein Vertragsbruch-Vorwurf fungiert als Legitimation für Maßnahmen, die politisch motiviert sind, aber als reaktive Schutzmaßnahme präsentiert werden. Was die EU konkret verletzt haben soll, bleibt offen. Das Abkommen vom Sommer 2025 umfasste neben Zollsenkungen auch Vereinbarungen über Industrienormen, Datenschutzfragen und technische Handelsregeln. Welche davon die EU verletzt haben soll, nannte Trump nicht.
Politisch fällt die Ankündigung in eine Phase erhöhter transatlantischer Spannungen. In derselben Woche hat das Pentagon den Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland angekündigt, nachdem Kanzler Merz Trumps Irankriegsstrategie öffentlich kritisiert hatte. Ob Handelspolitik und Sicherheitspolitik strategisch verknüpft sind oder getrennt behandelt werden, ist unklar. Trump hat beides am selben Tag kommuniziert.
Was die EU tun kann
Die EU hat in früheren Zollkonflikten wiederholt mit Gegenzöllen auf US-Produkte reagiert. Im Februar 2026 hatte sie als Reaktion auf Trumps erste Zollwelle Strafzölle auf amerikanische Konsumgüter verhängt. Wie und ob sie auf die Autoankündigung reagiert, ist noch nicht entschieden. Der bisherige Kurs der EU-Kommission war, zunächst zu verhandeln und Gegenzölle als letztes Mittel einzusetzen.
Eine Klage bei der Welthandelsorganisation wäre möglich, würde aber Jahre dauern. Schneller und wirkungsvoller wären Gegenzölle auf amerikanische Industriegüter, Software oder Dienstleistungen. Das Risiko dabei: Eine vollständige Eskalation des Handelsstreits würde beide Seiten treffen. Die USA exportieren Flugzeuge, Chemikalien, Agrarprodukte und digitale Dienstleistungen nach Europa, die als Gegenzielscheibe dienen könnten.
Die EU-Kommission trifft sich am Montag zum regulären Kollegiumstreffen. Eine konkrete Gegenmaßnahme dürfte nicht sofort beschlossen werden: Die EU-Kommission braucht das Mandat der Mitgliedstaaten. Bis Mitte nächster Woche, wenn die neuen US-Zölle in Kraft treten sollen, ist eine koordinierte EU-Reaktion kaum möglich. Das verschafft Trump zunächst einen taktischen Vorsprung.