
Schröder bei Putins Geburtstagsfeier: scharfe Kritik
Quellen (12)
- Putin hosts Schroder at home on his birthday — Kremlin - Russian Politics & Diplomacy - TASStass.com
- Geburtstagsfeier: „Schande“ : Massive Kritik am Putin-Besuch von Schrödertagesspiegel.de
- „Schande für Deutschland, Verrat an Europa“: Scharfe Kritik für Schröders Teilnahme an Putins Geburtstagsfeiertagesspiegel.de
- Gerhard Schröder bei Putins Geburtstag in Moskau – Kreml spricht von „altem Freund“berliner-zeitung.de
- „Schröder kann Türen zu Putin öffnen“: Stegner verteidigt Besuch des Altkanzlers beim Kremlcheftagesspiegel.de
- An ‘old friend,’ a stove, and a samovar. The Kremlin shares a portrait of Putin’s birthday with former German chancellor Gerhard Schröder. — Meduzameduza.io
- Schröder bei Putin: Massive Kritik am Besuch des Alt-Kanzlerszdfheute.de
- Schröders Besuch bei Putin: Kritik von Strack-Zimmermann und Kiesewettert-online.de
- Altkanzler gratuliert in Moskau: Politikerinnen nennen Schröders Putin-Besuch eine "Schande" - n-tv.den-tv.de
- Schröder feierte offenbar mit Putin Geburtstagt-online.de
- Untersuchungsausschuss zur Stiftung Klima- und Umweltschutz MV befragt Gerhard Schröder und Helge Braun - Landtag Mecklenburg-Vorpommernlandtag-mv.de
- Schröder will per Video vor Untersuchungsausschuss aussagentageblatt.de
Der Kreml veröffentlichte Fotos, die Putin und Schröder bei einem festen Händedruck zeigen. Nach dem Besuch steht Schröder laut Berichten massiv in der Kritik.
Der Besuch fiel auf einen Tag, an dem Russland die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem kombinierten Angriff aus ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen überzog. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach danach von mindestens 25 Toten und über 100 Verletzten und bezeichnete den Angriff als „Geburtstagsgeschenk für Putin“.
Was der Kreml mitteilte
Nach Darstellung des Kremls habe Putin am Mittwochmorgen aus Medienberichten von Schröders Anwesenheit in Moskau erfahren und seinen „alten Freund“ daraufhin zu sich nach Hause eingeladen. Von außen lasse sich nicht nachvollziehen, ob die Einladung tatsächlich spontan erfolgte, merkt der Tagesspiegel an. Welches Anwesen Putin dafür nutzte, blieb offen: Das unabhängige Medium „Projekt“ vermutet, es könnte sich um sein mit Flugabwehrtürmen gesichertes Anwesen am Waldaisee handeln.
Geschäftstermin bei Hyperglobus
Schröder war ursprünglich aus einem anderen Anlass nach Moskau gereist: Seit Ende September ist er Mitglied im Aufsichtsrat des russischen Einzelhandelsunternehmens Hyperglobus, dem früheren russischen Ableger der deutschen Globus-Gruppe, der seit Anfang 2025 rechtlich und operativ von der deutschen Holding getrennt ist. Am Mittwoch besuchte er eine Hyperglobus-Filiale im Westen Moskaus, wo ihn Mitarbeiter laut Aufnahmen des russischen Senders RBK mit Applaus empfingen. Nach einer kurzen Ansprache traf er hinter verschlossenen Türen Beschäftigte, bevor ihn ein Rundgang durch den Markt führte. Neuer Eigentümer des russischen Ablegers ist Thomas Bruch, früherer Geschäftsführer und Miteigentümer der deutschen Globus-Kette; Schröder soll an der Unternehmensführung mitwirken und die strategische Entwicklung des Russlandgeschäfts leiten. Schröder selbst betonte bei seiner Berufung, dass wirtschaftliche Kontakte zu Russland gerade „in Krisenzeiten“ wichtig seien, weil sie ermöglichten, im Gespräch zu bleiben und Wege in die Zukunft zu finden.
Kritik aus Grünen, FDP und CDU
Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt nannte den Besuch auf der Plattform X „eine Schande für Deutschland“, „einen Verrat an Europa“ und „einen Bärendienst für Frieden“ und fügte hinzu, sie habe von Schröder „schon nichts anderes mehr erwartet“. Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, bezeichnete Schröder als „Deutschlands frechsten Rentner“ und warf ihm vor, für Untersuchungsausschüsse „zu krank“ zu sein, aber für „gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zu Hause bei Kriegsverbrecher Putin“ noch zu reichen. Der Chef des CDU-Sozialflügels Dennis Radtke sprach von einer „Wunderheilung à la Rasputin“ und bezeichnete Schröder als fit genug für Moskau, Putin und „eine frische Ladung Rubel“. Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter wertete den demonstrativen Handschlag als politisches Statement und sprach von „Verrat an Europa und am eigenen Land“. Der Russlandexperte Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik kritisierte, Schröder monetarisiere erneut seinen Zugang zu Putin; zudem fragte er auf X, ob Schröder „echt noch SPD-Mitglied“ sei, ohne sich über den aktuellen Stand sicher zu sein.
Verteidigung aus der eigenen Partei
SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner wies die Kritik zurück und sagte dem Tagesspiegel, Schröder sei „privat bei Herrn Putin“ gewesen und gehöre zu den wenigen Menschen, die Zugang zu ihm hätten. Diesen Zugang müsse man nutzen, man müsse „in Russland mit denen reden, die da sind“, so Stegner, der zugleich erklärte, Schröder sei gegen den Krieg und werde Putin „bestimmt nicht ermuntert haben: ‚Mach weiter mit dem Krieg!‘“. Wenn der Besuch dem Frieden „nur einen Millimeter“ gedient habe, sei er laut Stegner ein Erfolg gewesen.
Nord Stream und ein Untersuchungsausschuss
Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und steht seit Jahren wegen seiner engen Freundschaft mit Putin und seines Engagements für russische Energieunternehmen in der Kritik, unter anderem als Präsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochter von Gazprom. Die Ende 2021 fertiggestellte Pipeline ging wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 nicht in Betrieb, nachdem die Bundesregierung unter dem damaligen Kanzler Olaf Scholz (SPD) die Betriebsgenehmigung versagt hatte. 2025 hatte Schröder mehrfach wegen einer Burnouterkrankung Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Zusammenhang mit dem Bau von Nord Stream 2 abgesagt.
Putin hatte Schröder bereits im Mai als möglichen Vermittler im Ukrainekrieg vorgeschlagen, ein Vorschlag, den die EU-Länder damals schnell ausschlossen.
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