
WDR prüft Beschwerde gegen Ex-Monitor-Chef Restle
Quellen (7)
- Frankfurter Rundschaufr.de
- ZEIT Onlinezeit.de
- FAZfaz.net
- Tagesspiegeltagesspiegel.de
- Digital Fernsehendigitalfernsehen.de
- Meediameedia.de
- Digital Fernsehen (Monitor-Nachfolge)digitalfernsehen.de
Georg Restle leitete vierzehn Jahre das ARD-Politmagazin Monitor, seit Juni leitet er das ARD-Studio in Nairobi. Anfang August teilte er auf X einen Text des amerikanischen Magazins The Nation ohne eigenen Kommentar. Der Text behauptete, die Migrationskrise in Ceuta gehe auf ein US-israelisch-marokkanisches Netzwerk zurück, das eine fortschrittliche europäische Regierung destabilisieren wolle. Was folgte, war eine formelle Beschwerde beim WDR-Rundfunkrat, eine Stellungnahme des Senders und der öffentliche Rückzug Restles.
Die Aussage und ihre Herkunft
Der Originaltext aus The Nation behauptete, die Lage in Ceuta sei "weder eine echte humanitäre Krise noch Teil eines antikolonialen Kampfes, sondern Teil der Bemühungen des wachsenden US-israelisch-marokkanischen Netzwerks, eine fortschrittliche europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten und das Völkerrecht zu untergraben". Restle hatte den Text ohne eigene Einordnung geteilt.
Belege für eine koordinierte amerikanische oder israelische Einflussnahme auf die Migrationsbewegung nach Ceuta enthielt der Artikel nicht. Kritiker warfen Restle vor, damit eine unbelegte Verschwörungsthese zu verbreiten, die Israel eine aktive Rolle bei der Destabilisierung Spaniens zuschreibt. Für Empfänger auf X war es klar, dass der Post von einem ARD-Journalisten kam: Restle betrieb seinen Account unter seinem Namen, erkennbar als früherer Monitor-Chef.
Die Beschwerde und die Reaktionen
Felix Schotland, Mitglied im WDR-Rundfunkrat, reichte eine persönliche Beschwerde bei WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk ein. Das Schreiben, das die Jüdische Allgemeine veröffentlichte, bat um eine Einschätzung, ob Restles Äußerungen mit den journalistischen Standards und der redaktionellen Grundlinie des WDR vereinbar seien.
Der WDR formulierte seine Antwort vorsichtig. Georg Restle wegen dieses Posts in die Nähe des Antisemitismus zu rücken sei "keinesfalls gerechtfertigt", an seiner persönlichen Integrität bestehe "keinerlei Zweifel". Den Inhalt des geteilten Textes verteidigte der Sender nicht. Restle selbst räumte ein, es sei ein Fehler gewesen, den Text ohne einordnenden Kommentar zu teilen. Er distanzierte sich ausdrücklich von dem Vorwurf, antisemitische Inhalte verbreitet zu haben.
Wer Georg Restle ist und wo er jetzt steht
Restle leitete Monitor von 2012 bis zu seinem letzten Auftritt am 26. März 2026. Das Magazin gilt als eines der einflussreichsten investigativen Formate im deutschen Fernsehen. Seinen Abschied begründete Restle selbst: Er wolle nach Afrika, weil eine afrikapolitische Perspektive im deutschen Journalismus fast vollständig fehle. Seit dem 1. Juni leitet er das crossmediale ARD-Studio in Nairobi.
Sein Nachfolger bei Monitor wird Vassili Golod, der als Kyiw-Korrespondent zweimal zum Journalisten des Jahres gewählt wurde. Offiziell übernimmt Golod den Posten Anfang 2027; bis dahin führt Achim Pollmeier, langjähriger stellvertretender Chefredakteur, die Redaktion kommissarisch.
Restle war als Monitor-Chef in seiner Laufbahn selbst häufig Ziel politischer Kritik, vor allem aus dem konservativen Lager, das ihm einen einseitigen Blick vorwarf. Er wies das stets zurück. Sein Nairobi-Post löste nun ungewollt eine Debatte aus, die das Haus in Köln beschäftigt, das er gerade erst verlassen hat.
Was der Fall über ARD-Journalisten auf Social Media sagt
Der Fall wirft eine Frage auf, die öffentlich-rechtliche Sender seit Jahren verdrängen: Was dürfen ARD-Mitarbeitende auf X oder anderen sozialen Netzwerken sagen? Ein Repost ohne Kommentar gilt im Journalismus als Billigung des Inhalts. Das ist kein Graubereich, sondern Grundprinzip handwerklicher Einordnung und es gilt unabhängig davon, ob der Journalist gerade als Monitor-Chef amtiert oder als Auslandskorrespondent in Nairobi.
ARD-intern gibt es seit 2023 Social-Media-Leitlinien, die Mitarbeitende dazu anhalten, bei der Weitergabe von Inhalten besondere Sorgfalt walten zu lassen. Ob Restle diese Leitlinien formal verletzte, prüft der WDR nach eigener Aussage noch. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) und die Deutsche Journalistenunion (dju) haben sich zum konkreten Fall noch nicht öffentlich geäußert.
Der Rundfunkbeitrag, mit dem rund 8,5 Milliarden Euro pro Jahr ARD, ZDF und Deutschlandradio finanziert werden, begründet eine besondere Erwartung an Unparteilichkeit und Sorgfalt. Wenn Beitragszahler erleben, dass ein ARD-Journalist eine unbelegte Verschwörungsthese teilt, ist die institutionelle Antwort des Senders entscheidend: nicht ob sie den Journalisten schützt, sondern ob sie klarmacht, was die eigene Norm ist. Die WDR-Aussage, Restles Integrität stehe außer Frage, beantwortet das eine. Ob der Post seinen redaktionellen Maßstäben entsprach, beantwortet sie nicht.
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