Hamas sagt Ja, Israel Nein: Netanjahu lehnt Gaza-Plan ab
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Hamas sagt Ja, Israel Nein: Netanjahu lehnt Gaza-Plan ab

Hamas hat Trumps 15-Punkte-Gaza-Plan akzeptiert, Israel hat ihn abgelehnt. Netanjahu erklärte am 9. August formal: Israel werde sich erst zurückziehen, wenn Hamas vollständig entwaffnet ist. Damit ist die von Trump als historisch angekündigte Einigung vorerst gescheitert.

Quellen (8)
  1. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  2. Al Jazeeraaljazeera.com
  3. Times of Israeltimesofisrael.com
  4. NBC Newsnbcnews.com
  5. Washington Postwashingtonpost.com
  6. Newsweeknewsweek.com
  7. CNBCcnbc.com
  8. NPRnpr.org
10. August 2026, 13:11 Uhr680 Wörter · 4 Min. Lesezeit

"Israel lehnt das 15-Punkte-Dokument ab. Ich habe gehört, dass Leute sagen, ich hätte das nicht gesagt. Also sage ich es jetzt noch einmal." Mit diesen Sätzen hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am 9. August in einer Kabinettssitzung Trumps Gaza-Plan formal zurückgewiesen, den das Weiße Haus als historischen Durchbruch bezeichnet hatte. Das Ungewöhnliche daran: Hamas hatte den Plan zuvor akzeptiert. Die gewöhnliche Konstellation, bei der Israel verhandlungsbereit ist und Hamas blockiert, ist diesmal umgekehrt.

Was der Plan vorsieht und woran Israel scheitert

Das 15-Punkte-Dokument des Board of Peace sieht eine schrittweise Entwaffnung von Hamas vor, beginnend mit schweren Waffen, Militärproduktionsstätten und Tunnelnetzwerken. Parallel dazu soll Israel seine Streitkräfte zonenweise aus Gaza abziehen, während ein palästinensisches Verwaltungskomitee unter Aufsicht des Board of Peace die Zivilinfrastruktur übernimmt. Gesichert werden soll das durch eine Internationale Stabilisierungstruppe aus 20.000 Soldaten und 12.000 Polizisten, über deren Finanzierung und Zusammensetzung noch keine Einigung erzielt wurde.

Netanjahus Kernproblem mit dem Plan liegt in der Sequenz: Das Dokument beginnt mit schweren Waffen und verschiebt leichte Waffen, Handfeuerwaffen und persönliche Ausrüstung auf spätere Phasen. Der israelische Premierminister hält das für unzureichend. Israel werde seine Truppen nicht abziehen, bevor Hamas vollständig entwaffnet sei. Hamas wiederum besteht auf dem umgekehrten Ansatz: erst israelischer Rückzug, dann Entwaffnung. Dieser strukturelle Zirkel ist seit Beginn der Verhandlungen das Kernproblem.

Hamas sagt Ja: Was das taktisch bedeutet

Hamas-Vertreter haben erklärt, den Plan vollständig umsetzen zu wollen und forderten Vermittler auf, Verstöße zu verhindern, die das Abkommen gefährden könnten. Diese Haltung ist für die Gruppe ein taktischer Gewinn: Sie erscheint als konstruktive Partei, während Israel den Fortschritt blockiert. Für die 2,3 Millionen Menschen in Gaza, von denen nach UN-Angaben weiterhin mehr als eine Million auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind, ändert das nichts an der Situation vor Ort.

Das Board of Peace, seit Januar 2026 aktiv, verfügt nach Einschätzung von Beobachtern über begrenzte Handlungsmacht ohne israelische Mitarbeit. Die Finanzierungslücke verdeutlicht das: Internationale Geldgeber hatten insgesamt 17 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau Gazas zugesagt. Bis Mai 2026 war nach einem Bericht der Financial Times kein einziger Dollar tatsächlich ausgezahlt worden. Ankündigungen und Umsetzung klaffen weit auseinander.

Koalition mit Smotrich lässt kaum Spielraum

Finanzminister Bezalel Smotrich lobte Netanjahus Ablehnung und unterstrich, ein israelischer Rückzug aus Gaza dürfe erst nach vollständiger Zerschlagung der Hamas-Strukturen erfolgen. Smotrich gehört dem nationalistisch-religiösen Lager an und hat mehrfach damit gedroht, die Koalition zu verlassen, sollte Netanjahu Konzessionen in Gaza eingehen. Diese Koalitionskonstellation schränkt Netanjahus Handlungsspielraum strukturell ein, unabhängig davon, welche Kompromissbereitschaft er persönlich zeigen würde.

Zum Verhältnis zu Washington bezog Netanjahu eine bemerkenswert eigenständige Position: Wir können und wissen, wie wir unsere Position auch gegenüber unseren engsten Freunden verteidigen, wenn es nötig ist. Das Weiße Haus reagierte laut ersten Berichten ohne öffentliche Kritik an Jerusalem und signalisierte, man sei über Netanjahus Ablehnung nicht besorgt.

Wahl am 27. Oktober bestimmt den Takt

Israel wählt am 27. Oktober einen neuen Knesset. Netanjahu ist in laufende Strafverfahren verwickelt und auf seine ultraorthodoxen und nationalistischen Koalitionspartner angewiesen, um die Regierung zu erhalten. Eine öffentliche Ablehnung von Trumps Plan, gepaart mit einer harten Linie gegenüber Hamas, ist innenpolitisch kalkuliert: Sie festigt die rechte Basis, ohne den US-Präsidenten formell zu brüskieren. Netanjahu stützt sich dabei auf Trumps weiterhin freundliche Haltung in der Iran-Politik, die ihm innenpolitisch wichtiger ist als die Gaza-Verhandlungen.

Die 14-Tage-Frist, die das Board of Peace nach Trumps Ankündigung vom 30. Juli gesetzt hatte, läuft am 13. August ab. Sie sollte einen verbindlichen Entwaffnungsfahrplan mit Zonenreihenfolge, Zeitplan und Verifikationsmechanismus festlegen. Mit Netanjahus formaler Ablehnung des Grundlagendokuments ist diese Frist inhaltlich gegenstandslos. Ob das Board of Peace einen neuen Verhandlungsrahmen vorschlägt oder die Gespräche vorerst pausieren werden, hatte Washington bis Montagabend nicht kommuniziert. Für die Bewohner Gazas, die seit mehr als 34 Monaten ohne funktionierende Infrastruktur leben, ist es eine weitere Runde ohne konkretes Ergebnis.

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