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mRNA-Impfstoff zeigt Langzeiterfolg bei Pankreaskrebs

mRNA-Impfstoff zeigt Langzeiterfolg bei Pankreaskrebs

Ein personalisierter mRNA-Impfstoff von BioNTech und Genentech zeigt bei Bauchspeicheldrüsenkrebs bemerkenswerte Langzeitergebnisse: Patienten, deren Immunsystem ansprach, lebten noch sechs Jahre nach der Behandlung. Eine Folgestudie mit 260 Teilnehmern läuft bereits.

21. April 2026, 17:31 Uhr 715 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Bauchspeicheldrüsenkrebs gilt als eine der tödlichsten Krebsdiagnosen überhaupt: Weniger als 12 Prozent der Patienten überleben die ersten fünf Jahre. Neue Langzeitdaten aus einem frühen klinischen Test zeigen nun, dass ein personalisierter mRNA-Impfstoff diese Prognose grundlegend verändern könnte. Unter den Patienten, deren Immunsystem auf den Impfstoff ansprach, lebten nach vier bis sechs Jahren noch sieben von acht. Und die Immunreaktion selbst zeigte keinerlei Anzeichen von Abschwächung.

Warum Pankreaskrebs so schwer zu behandeln ist

Der Bauchspeicheldrüsenkrebs, medizinisch Pankreasadenokarzinom, wird meistens erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt, weil er lange keine deutlichen Symptome verursacht. Selbst nach einer erfolgreichen Operation kehrt die Krankheit häufig zurück. Chemotherapien verlängern das Überleben, heilen aber selten. Checkpoint-Inhibitoren, Immuntherapien die bei Melanomen oder Lungenkrebs gute Ergebnisse zeigen, wirken bei Pankreaskrebs kaum. Der Grund: Tumorzellen verändern das sie umgebende Gewebe so, dass Immunzellen sie schlecht erreichen können.

Genau hier setzt der neue Ansatz an. Der Impfstoff mit dem Namen autogene cevumeran (Kürzel: BNT122) wird von BioNTech gemeinsam mit dem US-amerikanischen Biotechunternehmen Genentech entwickelt. Die Langzeitdaten wurden von Forschenden am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York ausgewertet und nun veröffentlicht.

Wie der personalisierte Impfstoff funktioniert

Das Grundprinzip ähnelt dem der mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19, ist aber für jeden Patienten individuell gefertigt. Nach der chirurgischen Entfernung des Tumors analysieren Wissenschaftler die spezifischen genetischen Mutationen, die den Krebs von gesunden Zellen unterscheiden. Aus diesen sogenannten Neoantigenen wird ein maßgeschneiderter mRNA-Wirkstoff produziert, der das Immunsystem trainiert, genau diese Mutationen zu erkennen und anzugreifen. Die Herstellung dauert nach der Operation etwa acht Wochen.

Verabreicht wird der Impfstoff in Kombination: Zuerst eine Chemotherapie, dann der mRNA-Wirkstoff gleichzeitig mit dem Checkpoint-Inhibitor Atezolizumab. Forscher am Memorial Sloan Kettering stellten fest, dass diese Kombination CD8+-T-Zellen aktivierte, eine Art Killerzellen des Immunsystems, die Tumorzellen direkt angreifen. Der entscheidende Befund der Langzeitauswertung: Diese T-Zellen zirkulierten sechs Jahre nach der Impfung noch in unvermindert hoher Zahl im Blut der Patienten und zeigten keine Erschöpfungsmerkmale.

Was die Zahlen bedeuten und was sie nicht bedeuten

90 Prozent Überlebensrate klingt eindrücklich, erfordert aber eine genaue Einordnung. Dieser Wert bezieht sich auf die Untergruppe der Patienten, deren Immunsystem messbar auf den Impfstoff reagiert hatte, also auf die sogenannten Responder. Die erste Studienphase umfasste insgesamt nur eine kleine Zahl von Teilnehmenden. Wie groß der Anteil der Nicht-Responder war, welche biologischen Faktoren darüber entscheiden wer anspricht und wer nicht und ob die Ergebnisse auf größere Gruppen übertragbar sind, bleibt offen.

Das National Cancer Institute der USA, das ähnliche Impfstoffansätze bei Nierenkrebs und weiteren Krebsarten begleitet, sieht dennoch den Durchbruch in der Grundidee: dass das Immunsystem auch gegen Pankreaskrebs über viele Jahre aktiv gehalten werden kann, war bislang nicht gezeigt worden.

Mögliches Modell für andere Krebsarten

BioNTech entwickelt personalisierte mRNA-Impfstoffe nicht nur gegen Pankreaskrebs, sondern auch gegen Darmkrebs, Melanome und Nierenkrebs. Das Prinzip, den Tumor vor der Behandlung genetisch zu analysieren und daraus einen individuellen Wirkstoff herzustellen, gilt als Paradigmenwechsel in der Onkologie. Es ersetzt den bisherigen Ansatz, Tumoren mit standardisierten Chemikalien zu bekämpfen, durch eine auf jeden Patienten zugeschnittene Immunisierung.

Herausforderungen bleiben: Die Herstellung ist aufwendig und teuer. Ob das Verfahren für eine breite Anwendung skalierbar ist und welchen Preis Gesundheitssysteme dafür zahlen können, muss die klinische und politische Debatte der nächsten Jahre klären.

Wann die nächsten Ergebnisse kommen

Eine Folgestudie mit etwa 260 Patienten läuft derzeit an mehreren Zentren weltweit. Erste Daten werden nicht vor 2027 erwartet. Erst diese größere Studie wird zeigen, ob die bemerkenswerten Überlebensergebnisse aus der ersten Phase reproduzierbar sind, welche Patientengruppen am stärksten profitieren und ob die Kombination aus mRNA-Impfstoff, Chemotherapie und Checkpoint-Inhibitor der Schlüssel zum Erfolg ist.

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