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International
7.900 Migranten auf Fluchtrouten 2025 gestorben

7.900 Migranten auf Fluchtrouten 2025 gestorben

Die Internationale Organisation für Migration zählt für 2025 mindestens 7.904 Todesfälle auf Fluchtrouten weltweit. Der scheinbare Rückgang gegenüber 2024 ist trügerisch: Rund 1.500 Fälle konnten wegen Mittelkürzungen bei Hilfsorganisationen nicht verifiziert werden.

21. April 2026, 22:34 Uhr 791 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Mindestens 7.904 Menschen sind im Jahr 2025 auf Migrations- und Fluchtrouten weltweit gestorben oder spurlos verschwunden. Das entspricht 21 Todesfällen pro Tag. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) veröffentlichte diese Bilanz am 21. April 2026. Der Rückgang gegenüber 2024 erklärt sich zum Teil mit einem methodischen Problem: Rund 1.500 Fälle konnten nicht verifiziert werden, weil Hilfsorganisationen ihre Dokumentationsarbeit aufgrund von Mittelkürzungen einschränken mussten.

Was die Zahlen sagen und was sie verbergen

Im Jahr 2024 zählte das IOM-Projekt „Missing Migrants“ noch 9.197 Todesfälle auf Fluchtrouten, das war der bis dahin höchste jemals dokumentierte Wert. Der Rückgang auf 7.904 im Jahr 2025 klingt nach einem Fortschritt. Er ist es nur bedingt.

IOM-Generaldirektorin Amy Pope machte in der Veröffentlichung deutlich, dass der Rückgang teilweise eine Folge von Datenlücken ist. Rund 1.500 Fälle, die als wahrscheinliche Todesfälle eingestuft worden waren, konnten nicht abschließend verifiziert werden, weil internationale Hilfsorganisationen aufgrund von Finanzierungskürzungen weniger Kapazitäten für die Dokumentation hatten. Der Zugang zu Informationen in bestimmten Regionen sei zudem schwieriger geworden. Diese 1.500 Fälle fehlen in der Gesamtzahl.

Seit 2014 hat die IOM insgesamt mehr als 82.000 Todesfälle auf Fluchtrouten dokumentiert. Die tatsächliche Dunkelziffer liegt nach Einschätzung der Organisation deutlich höher, da besonders in abgelegenen Regionen und auf Seerouten ohne Zeugen viele Fälle niemals erfasst werden.

Wo die meisten Menschen sterben

Die gefährlichste Region war 2025 zum dritten Jahr in Folge Asien, mit über 3.000 dokumentierten Todesfällen. Der Großteil davon entfällt auf die Route durch den Golf von Bengalen und die Andamanensee, auf der Rohingya und andere Flüchtlingsgruppen aus Myanmar und Bangladesch vor Verfolgung fliehen.

Auf den Seerouten nach Europa starben 3.400 Menschen, das entspricht rund 43 Prozent aller dokumentierten Todesfälle weltweit. Im Mittelmeer selbst wurden 2.185 Todesfälle gezählt. Die Atlantikroute von Westafrika zu den Kanarischen Inseln kostete 1.214 Menschen das Leben. Dass mehr als vier von zehn dokumentierten Todesfällen auf dem Weg nach Europa stattfinden, obwohl Europa nur einen Teil aller globalen Migrationsrouten darstellt, zeigt die besondere Gefährlichkeit dieser Wege.

Die politische Reaktion

IOM-Generaldirektorin Pope forderte die internationale Gemeinschaft auf, sichere und legale Migrationswege zu schaffen. „Hinter diesen Zahlen stecken Menschen und Familien, die auf gefährlichen Reisen sind“, sagte Pope bei der Veröffentlichung. Die IOM betont, dass die Sterblichkeit auf Fluchtrouten kein Naturphänomen ist, sondern ein Ergebnis politischer Entscheidungen: Je restriktiver die legalen Einreisemöglichkeiten sind, desto stärker weichen Menschen auf gefährliche Schmugglernetzwerke aus.

Die EU und ihre Mitgliedstaaten haben in den vergangenen Jahren vor allem auf verstärkten Grenzschutz gesetzt. Die Europäische Grenzschutzagentur Frontex wurde massiv ausgebaut, Rückführungsabkommen mit Herkunftsländern geschlossen und Migrationsabkommen mit Transitländern wie Tunesien, Libyen und der Türkei abgeschlossen. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen ist in Fachkreisen umstritten: Während Regierungen auf gesunkene Ankunftszahlen verweisen, dokumentiert die IOM weiterhin tausende Todesfälle auf eben diesen Routen.

Die Datenlücke als politisches Signal

Besonders bemerkenswert ist, was die IOM über die Qualität ihrer eigenen Daten sagt. Wenn internationale Finanzierungskürzungen dazu führen, dass Hilfsorganisationen weniger dokumentieren können, sinken die offiziellen Zahlen ohne dass die Realität besser geworden ist. Das ist kein Nebenaspekt: Es bedeutet, dass der scheinbare Fortschritt der Statistik möglicherweise ein Artefakt schrumpfender Beobachtungskapazitäten ist.

Der Uno-Sonderberichterstatter für die Rechte von Migranten hatte bereits 2025 gewarnt, dass Kürzungen bei Hilfsorganisationen entlang der Migrationsrouten zu Dokumentationslücken führen, die politisch ausgenutzt werden könnten: Wer nicht gezählt wird, stirbt statistisch gesehen nicht.

Ausblick

Die IOM erhebt die Zahlen über das Projekt „Missing Migrants“ in Echtzeit. Für 2026 werden laufend aktualisierte Daten veröffentlicht. Der nächste politisch relevante Termin ist die EU-Ratspräsidentschaft Polens, die bis Ende Juni 2026 läuft und die Migrationspolitik als eines ihrer Hauptthemen gesetzt hat. Polen will bis dahin einen neuen Rahmen für das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) vorlegen. Ob die IOM-Zahlen in dieser Debatte eine Rolle spielen werden, hängt davon ab, wie die Mitgliedstaaten zwischen humanitären Verpflichtungen und innenpolitischen Interessen abwägen.

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