
Manchester City in fast allen 115 Anklagepunkten schuldig gesprochen
Quellen (5)
- Premier League Statement: Manchester City FCpremierleague.com
- Official statement: Manchester City issue defiant response after being found guilty of 115 Premier League financial breaches | Goal.com English Saudi Arabiagoal.com
- IN THE MATTER OF PREMIER LEAGUE SECTION W PROCEEDINGS sitting as a Disciplinary Commission B E T W E E N :-resources.premierleague.pulselive.com
- Ex-Man City chairman admits Cityzens' relegation is in view after guilty verdict | Pulse Sports Nigeriapulsesports.ng
- Man City must be relegated after guilty verdict says club’s former chairman | FMTfreemalaysiatoday.com
Eine unabhängige Kommission der Premier League hat Manchester City FC in allen Anklagepunkten wegen schwerer Verstöße gegen die Finanzregeln der Liga über einen Zeitraum von neun Spielzeiten sowie in der Mehrheit der Anklagepunkte wegen mangelnder Kooperation bei der Untersuchung der Liga für schuldig befunden. Die Verstöße fanden laut Kommission zwischen den Saisons 2009/10 und 2017/18 statt. Insgesamt ging es um 115 Anklagepunkte in vier Hauptkategorien. Der Unterpunkt Charge 4(B) wurde von der Kommission nicht als erwiesen angesehen.
Laut den Feststellungen der Kommission arrangierte der Klub „Schein“-Verträge, die die wahre Vereinbarung mit mehreren kommerziellen Partnern falsch darstellten, um die Einnahmen des Klubs künstlich zu erhöhen und die Kosten zu senken. Der Klub reichte zudem falsch dargestellte Konten ein und verschleierte den wahren Stand seiner Finanzen gegenüber seinen Wirtschaftsprüfern und den Fußball-Regulierungsbehörden. Dadurch verstieß Manchester City laut Kommission erheblich sowohl gegen die Ausgabengrenzen der Premier League als auch der UEFA.
Die Scheinverträge waren laut Kommission Teil eines verschleierten Finanzierungssystems: Mehrere Sponsoren mussten demnach nur einen Teil der vereinbarten Gebühren zahlen, den Rest übernahm die Abu Dhabi United Group Investment & Development Ltd (ADUG), die Eigentümerin des Klubs. Zweck dieser Systeme sei es laut Kommission gewesen, die Einnahmen künstlich zu erhöhen und die Kosten im betroffenen Zeitraum um mehr als 900 Millionen Pfund zu senken, um den Anschein regelkonformen Verhaltens zu erwecken. Nach anderen Berichten belief sich das Volumen des Systems auf 830,69 Millionen Pfund – ob diese Zahl dieselbe Größe wie die von der Kommission genannten „mehr als 900 Millionen Pfund“ beschreibt, bleibt in den vorliegenden Quellen offen. Die Kommission kam zu dem Schluss, der Klub habe durch sein Verhalten eindeutig beabsichtigt, die Ligaregeln zu umgehen. Wären alle relevanten Vereinbarungen korrekt in den Konten ausgewiesen worden, hätte Manchester City in erheblichem Umfang gegen die Ausgabengrenzen von Liga und UEFA verstoßen, so die Kommission weiter.
Während der vierjährigen Untersuchung der Premier League beging der Klub laut Kommission mehrfache Verstöße gegen seine Pflicht zur Kooperation und zu Treu und Glauben gegenüber der Liga. Drei von vier vorgeworfenen Verstößen wurden dabei bestätigt, so die Kommission. Der Klub habe „konzertierte Anstrengungen unternommen, um die Untersuchung der Premier League zu stoppen und zu vereiteln“, stellte die Kommission fest.
Vom ersten Verdacht 2018 bis zur Entscheidung
Die Premier League begann ihre Untersuchung gegen Manchester City im Dezember 2018; im Februar 2023 reichte sie eine Beschwerde nach Section W der Ligaregeln ein. Die eigentliche Anhörung der Vorwürfe fand zwischen September und Dezember 2024 statt. Sie dauerte 42 Tage, an 34 davon wurden mündliche Zeugenaussagen gehört. Die Kommission selbst räumt ein, es habe danach deutlich länger gedauert als erwartet, ihre Entscheidung zu erstellen – das sei bedauerlich.
Der Offenlegungsprozess umfasste nach Angaben der Kommission viele Millionen durchsuchte Dokumente, wobei der größte Teil dieser Aufgabe beim Klub selbst lag. Der Klub bestritt in einer mehr als 200 Seiten umfassenden Erwiderung jeden einzelnen Anklagepunkt vollständig. Die Kommission hörte Sachaussagen von 27 Zeugen. Die Premier League legte Zeugenaussagen von 6 Personen vor, der Klub von 24 Zeugen. Nach Einschätzung der Kommission war die Aussage mehrerer vom Klub benannter Zeugen in wichtigen Punkten falsch, einige hätten bei der Anhörung sogar wissentlich unwahre Angaben gemacht.
Der Klub weist die Vorwürfe zurück
Manchester City reagierte mit einer prompten, scharf formulierten Stellungnahme, in der sich der Klub überrascht und enttäuscht über die Einschätzung der Kommission zeigte und seine vollständige Unschuld beteuerte. Man verfüge über eine Reihe „unwiderlegbarer Beweise“, dass die Finanzgeschäfte des Klubs korrekt und alle Sponsoreneinnahmen legitim gewesen seien, erklärte der Klub. Man werde in allen geeigneten regulatorischen und rechtlichen Foren „unnachgiebig und nötigenfalls proaktiv“ vorgehen und die verfügbaren Berufungswege nutzen, da die Entscheidung nach eigener Einschätzung klare materielle Fehler in Recht, Grundsatz und Tatsachen enthalte und unsicher sei, so der Klub weiter. Die Kommission selbst hat die vom Klub erhobene Kritik an der Untersuchung, Anklageerhebung und Prozessführung der Premier League bereits geprüft und als unbegründet zurückgewiesen. Man habe acht Jahre lang das ordentliche Verfahren respektiert, in der Annahme, dass Vorstand und Geschäftsführung der Premier League sich als unabhängiger, unparteiischer Regulierer verhalten würden; bis zum Abschluss aller künftigen Verfahren sei man erkennbar eingeschränkt in dem, was man weiter sagen könne, erklärte Manchester City. Vereinsvorsitzender Khaldoon Al Mubarak zeigte sich zuversichtlich, den Namen des Klubs reinzuwaschen.
„Bedeutendster Fall der Ligageschichte“ trifft auf ein „vernichtendes“ Urteil
Premier-League-Geschäftsführer Richard Masters sagte, die Entscheidung stelle die Fakten dessen fest, was bei Manchester City in diesem Zeitraum geschehen sei, und zeige, wie der Klub fast ein Jahrzehnt lang systematisch die Regeln der Liga gebrochen habe. Dieser Disziplinarfall und diese Entscheidung seien die bedeutendsten in der Geschichte der Premier League, so Masters; es gebe aber noch zu klärende Elemente, vor allem die Frage, welche Sanktion folgen müsse. Der Prozess sei lang und schwierig gewesen, doch die Liga sei entschlossen geblieben, die Fakten unabhängig feststellen zu lassen, weil es zu ihren zentralen Aufgaben gehöre, die von den Klubs selbst gebilligten Regeln durchzusetzen und die Integrität des Wettbewerbs zu schützen, erklärte Masters weiter.
Der ehemalige Manchester-City-Vorsitzende David Bernstein, der den Klub zwischen 1998 und 2003 leitete und später Vorsitzender des englischen Fußballverbands FA war, glaubt, der Klub könnte eine Strafe erhalten, die seinen Premier-League-Status betrifft. Finanzielle Strafen reichten nicht aus, sagte Bernstein gegenüber talkSPORT: Bei einem Klub mit unbegrenzten Mitteln bedeute Geld nicht viel – wie im letzten Transferfenster zu sehen –, selbst eine Geldstrafe von 100 oder 200 Millionen Pfund wäre nicht ausreichend. Im vorangegangenen Sommertransferfenster hatte City 440 Millionen Pfund ausgegeben, darunter 125 Millionen Pfund für Enzo Fernandez. Es müsse etwas geben, das den Liga-Status des Klubs beeinträchtigt, sagte Bernstein – das sage er mit großem Bedauern als Fan. Ein früh in der Saison verhängter Punktabzug von 80 Punkten könnte einen Abstieg faktisch unvermeidbar machen, während eine erst nach Saisonende verhängte Strafe zu einem automatischen Abstieg führen könnte, schätzt Bernstein – in welche Liga, sei dann unklar. Der BBC sagte Bernstein, das Urteil sei „jenseits allen Glaubens vernichtend“, und warf die Frage auf, ob der Vorstand weitermachen und die beteiligten Personen sofort suspendiert werden sollten. Die Sanktionen dürften nicht nur finanzieller Art sein: Scheitere die Berufung, könne Manchester City nicht in der Liga bleiben, der Klub müsse leiden – das sage er als Anhänger und Fan, so Bernstein.
Auch die britische Kultur-, Medien- und Sportministerin Lisa Nandy schloss einen Ausschluss aus der Liga nicht aus, sollte die Berufung von Manchester City scheitern, sagte sie Channel 5 News. Sie wolle dem Berufungsverfahren nicht vorgreifen, der Klub habe Anspruch auf ein faires Verfahren, doch die „ultimative Sanktion“ sei sehr ernst: Ein Klub könne aus der Premier League ausgeschlossen werden, wenn sich solche Vorwürfe bestätigten, mit enormen Konsequenzen für alle Beteiligten, so Nandy.
Der Fußball-Finanzexperte Kieran Maguire sagte der BBC, die Verstöße erschienen nun schlimmer als ursprünglich vermutet: Das Wort „sham“ bedeute fake, false, fraud – das sei sehr bedeutsam. Dass die Wirtschaftsprüfer nichts davon gewusst hätten, deute auf Kollusion beim Klub hin, so Maguire; die Sache sei weit über das schlimmste ursprünglich vorgestellte Szenario hinausgegangen. Nach Gesprächen mit Sportjuristen sei es schwierig, aber nicht unmöglich für Manchester City, zu argumentieren, es handle sich letztlich um einen kommerziellen Streit zwischen zwei Parteien, der daher den Fußballbehörden entzogen und von ordentlichen Gerichten behandelt werden sollte, berichtete Maguire.
David Mooney, Betreiber des City-Fanpodcasts Blue Moon, sagte der BBC, es gebe kein Wort in der englischen Sprache, das beschreibe, wie vernichtend das Urteil sei; „das Buch“ müsse „dem Klub an den Kopf geworfen werden“. Scheitere die Berufung, habe der Klub die Fans und die Fußballverbände belogen, so Mooney.
Acht Titel im angeklagten Zeitraum
Wegen der Berufung des Klubs steht die endgültige Strafe noch nicht fest; Berichten zufolge könnten rivalisierende Klubs je nach Ausgang erhebliche rechtliche Ansprüche verfolgen.
Frist bis zum 2. Oktober
Der Klub hat das Recht, die Feststellungen der Kommission anzufechten, und muss dieses Recht bis Freitag, den 2. Oktober, ausüben. Bislang wurde keine Sanktion verhängt; der von Abu Dhabi unterstützte Klub kündigte an, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen. Die Frage der Sanktion wird in einer weiteren Anhörung mit der Kommission behandelt, die nach Ligaregeln privat und vertraulich bleibt, bis eine Veröffentlichung erlaubt ist. Der Umfang der Anklagepunkte bedeutet, dass die Kommission aus dem vollen Spektrum der Premier-League-Regeln wählen kann – von Geldstrafen über Punktabzüge bis, im extremsten Fall, zum Ausschluss aus der Liga. Masters nannte den Fall bereits „die bedeutendsten in der Geschichte der Premier League“, während Bernstein und Nandy einen mit Liga-Ausschluss verbundenen Ausgang für möglich halten, sollte die Berufung von Manchester City scheitern.
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