
Laut Ember: Erneuerbare überholen Kohle beim Strom
Quellen (12)
- Clean energy pushes fossil-fuel power into reverse for ‘first time ever’ - Carbon Briefcarbonbrief.org
- Clean Energy Meets All Global Power Demand Growth as Renewables Overtake Coal: Ember Report 2026downtoearth.org.in
- Global Electricity Review 2026 | Emberember-energy.org
- Ember Methodology v1.6files.ember-energy.org
- Global Energy Review 2026iea.blob.core.windows.net
- Clean electricity meets all new demand, curbing fossil fuels, says Ember | Energy News | Al Jazeeraaljazeera.com
- Key findings - Global Energy Review 2026 - IEAiea.org
- Ember: Solar Power Sees Renewables Overtake Coal | Energy Digitalenergydigital.com
- Solar surge halts fossil generation rise: Ember | Latest Market Newsargusmedia.com
- Microsoft Word - EARLYBAL_Documentationiea.blob.core.windows.net
- Electricity Mid-Year Update 2026iea.blob.core.windows.net
- Yearly Electricity Data | Emberember-energy.org
Mehrere internationale Medien, darunter Carbon Brief und die Nachrichtenseite Down To Earth, bezeichnen das als die erste derartige Umkehr seit dem Jahr 1919. Embers Auswertung beruht auf aktuellen Länderdaten für 2025 aus 91 Staaten, die zusammen 93 Prozent der weltweiten Stromnachfrage abdecken. Laut Embers Methodik werden neueste Jahreswerte bei fehlenden Jahresdaten aus Monatsdaten geschätzt.
Den Ausschlag gab vor allem Solarenergie: Ihre weltweite Erzeugung wuchs 2025 um den Rekordwert von 636 Terawattstunden auf 2.778 Terawattstunden, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein Solarstrom deckte damit 75 Prozent des weltweiten Zuwachses der Stromnachfrage, zusammen mit Windenergie waren es 99 Prozent. Die Kohleverstromung sank laut Ember um 63 Terawattstunden beziehungsweise 0,6 Prozent, der erste Rückgang seit der Covid-19-Pandemie 2020. Die gesamte fossile Stromerzeugung gab laut Ember insgesamt um 38 Terawattstunden beziehungsweise 0,2 Prozent nach; damit nahm sie zum fünften Mal in diesem Jahrhundert und erstmals seit 2020 nicht zu.

China und Indien drehen gemeinsam den Trend
Nach Angaben von Ember wurde der weltweite Rückgang der fossilen Stromerzeugung von einer historischen Kehrtwende in China und Indien getragen, den beiden Ländern mit der größten beziehungsweise dritthöchsten fossilen Stromerzeugung. 2025 war das erste Jahr in diesem Jahrhundert, in dem die fossile Stromerzeugung in beiden Ländern gleichzeitig sank. In China fiel sie um 56 Terawattstunden beziehungsweise 0,9 Prozent, weil Rekordzubauten vor allem bei Solarenergie das gesamte Nachfragewachstum deckten. In Indien sank sie um 52 Terawattstunden beziehungsweise 3,3 Prozent, begünstigt durch Rekordzuwächse bei Solar- und Windstrom, eine starke Wasserkrafterzeugung und ein unterdurchschnittliches Nachfragewachstum.
Kohle bleibt die größte einzelne Stromquelle
Trotz des Rückgangs blieb Kohle mit 10.476 Terawattstunden die größte einzelne Stromquelle der Welt und fossile Energieträger lieferten zusammen weiterhin mehr als die Hälfte des weltweiten Stroms. Nach Angaben von Ember ist Asien weiterhin die einzige Weltregion, in der Kohle mehr Strom liefert als erneuerbare Energien: 52 Prozent gegenüber 32 Prozent im Jahr 2025, zugleich entfielen 82 Prozent der weltweiten Kohleverstromung auf diese Region.

Worauf Kritiker hinweisen
Rahmat Poudineh, Leiter der Stromforschung am Oxford Institute for Energy Studies, erklärte, die Deckung des zusätzlichen Strombedarfs durch saubere Quellen in einem durchschnittlichen Jahr belege keinen dauerhaften Zustand. Ein Trend müsse sich nach seinen Worten auch unter extremen Bedingungen wie kalten Wintern und heißen Sommern bewähren, weil Stromsysteme auf Spitzenbedarf statt auf Durchschnittswerte ausgelegt seien. Yannis Bassias, langjähriger Vertreter der Kohlenwasserstoffindustrie und Berater bei Amphore Energy, sagte, erneuerbare Energien könnten zusätzlichen Bedarf decken, garantierten aber ohne flexible Kapazitäten, Speicher und stärkere Netze noch keine Stabilität. Die Abhängigkeit von importiertem Flüssiggas in Europa, Japan und Korea bezeichnete er als weiterhin strukturell.
Im Vergleich
Weltweit lag Kohle 2025 laut Carbon Brief in jeder Weltregion außer Asien hinter den erneuerbaren Energien zurück. In Europa sank der Kohleanteil an der Stromerzeugung von 25 Prozent im Jahr 2005 auf 13 Prozent im Jahr 2025 und in der EU-27 sogar auf 9,2 Prozent, erneuerbare Energien liegen dort schon seit 2013 vorn. In Ozeanien fiel der Kohleanteil im selben Zeitraum von 67 auf 36 Prozent, erneuerbare Energien überholten Kohle dort 2023 und kamen 2025 auf 45 Prozent.
Was den Erfolg gefährden könnte
Wie witterungsabhängig der Trend ist, zeigte sich laut Ember bereits 2024: Ember hatte den Wendepunkt schon für dieses Jahr erwartet, doch ein Sommer mit Rekordhitze trieb den Klimatisierungsbedarf so stark nach oben, dass neben erneuerbaren Energien auch die fossile Stromerzeugung wuchs. Nicolas Fulghum, leitender Energie- und Klimadatenanalyst bei Ember, erklärte, der Ausbau sauberer Stromerzeugung könne den zusätzlichen Bedarf inzwischen strukturell decken und solle in den kommenden Jahren das gesamte Nachfragewachstum auffangen. Embers Prognose setzt voraus, dass Stromnachfrage und saubere Stromerzeugung mit ihrem bisherigen Tempo weiterwachsen; erwartet werden zunächst ein Plateau der fossilen Stromerzeugung und ein anhaltender Rückgang erst ab den frühen 2030er-Jahren.
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