
KNDS pausiert Börsengang, Bund bereitet Einstieg vor
Quellen (5)
- KNDS to resume its Initial Public Offering process when Capital Markets conditions are supportive | Corporate - EQS Newseqs-news.com
- KNDS ANNOUNCES INTENTION TO PROCEED WITH AN IPO TO SUPPORT ITS LONG-TERM GROWTH STRATEGY | Corporate - EQS Newseqs-news.com
- Deutscher Bundestag Drucksache 21/7395 Unterrichtung durch die Bundesregierung Haushaltsführung 2026 Über- und außerplanmäßige Ausgaben und Verpflichtungsermächtigungen im zweiten Vierteljahr des Hausdserver.bundestag.de
- KNDS Groupknds.com
- STRONG REVENUE GROWTH AND RECORD ORDER INTAKE IN 2025knds.com
Als Grund nannte das Unternehmen die Marktvolatilität im europäischen Verteidigungssektor. Parallel dazu bereitet der Bund über die staatliche Förderbank KfW einen Einstieg mit 40 Prozent der Anteile vor, wofür dem Bundestag bereits Haushaltsmittel gemeldet wurden.
Dezember 2025: Vorstand gibt grünes Licht
Bereits im Dezember 2025 hatte der Vorstand von KNDS beschlossen, die Vorbereitungen für einen Börsengang mit Doppellistung in Paris und Frankfurt fortzusetzen, abhängig von den Marktbedingungen. Der Börsengang sollte laut Unternehmen den Zugang zu Kapitalmärkten erweitern und weitere Investitionen in industrielle Kapazität, Technologie und Innovation ermöglichen. KNDS-CEO Jean-Paul Alary erklärte, das Vorhaben eröffne „ein neues Kapitel“ in der Entwicklung von KNDS als europäischem Marktführer in der Landverteidigung. Verwaltungsratsvorsitzender Tom Enders sagte, der Zeitpunkt sei richtig und das Unternehmen bereit. Zum 1. Januar 2026 rückte zudem Christian Schulz, zuvor Finanzvorstand der RENK Group, in den KNDS-Vorstand ein und ersetzte Werner Frank.
Das Unternehmen verwies dabei auf einen Rekordauftragseingang von 11,2 Milliarden Euro im Jahr 2024, eine Dynamik, die sich laut KNDS auch 2025 fortsetzte. Der Auftragsbestand lag Ende 2024 bei rund 23,5 Milliarden Euro, ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr zuvor hatte der Zuwachs sogar mehr als 40 Prozent betragen. Der Umsatz stieg 2024 auf 3,8 Milliarden Euro, nach 3,3 Milliarden Euro im Jahr 2023. Seit 2023 hatte KNDS nach eigenen Angaben 5.000 neue Mitarbeiter eingestellt. Das Unternehmen gab an, von 24 europäischen und 19 weiteren Armeen weltweit genutzt zu werden.
Im Jahresbericht von Mai 2026 bekräftigte KNDS die IPO-Pläne mit vollem Rückhalt des Verwaltungsrats, weiterhin vorbehaltlich der Marktbedingungen. Der Umsatz war 2025 um 15,9 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro gestiegen. Der Auftragseingang erreichte 13,5 Milliarden Euro, wodurch der Auftragsbestand zum Jahresende auf 33,1 Milliarden Euro kletterte. Das operative Ergebnis, das EBIT, stieg auf 661 Millionen Euro, eine Marge von 15,0 Prozent des Umsatzes nach 13,2 Prozent im Vorjahr. Die Belegschaft wuchs zum 31. Dezember 2025 auf rund 11.000 Beschäftigte, ein Plus von 7,3 Prozent. KNDS erklärte, die Vorbereitungen lägen mit einem „sehr zufriedenstellenden“ Reifegrad voll im ursprünglichen Zeitplan. CEO Alary sagte, das Unternehmen sei mit robustem Wachstum und klarer Strategie mit Zuversicht in das Jahr 2026 gestartet. Zugleich teilte der Vorstand mit, eine unabhängige Untersuchung zu einem bis ins Jahr 2013 zurückreichenden Geschäft mit den katarischen Streitkräften beauftragt zu haben; sie sei weit genug fortgeschritten, um den Jahresabschluss 2025 abzuschließen.
24. Juni 2026: Der Bund soll Ankeraktionär werden
Am 24. Juni 2026 kündigte KNDS offiziell an, die Zulassung seiner Aktien zum Handel an der Euronext Paris und der Frankfurter Wertpapierbörse zu beantragen. Der Börsengang sollte den Verkauf von bis zu etwa 20 Prozent des bestehenden Aktienkapitals durch die bisherigen Eigentümer umfassen, die staatliche französische Holding GIAT Industries und die private deutsche Holding Wegmann & Co; ein öffentliches Angebot war nicht vorgesehen. Gleichzeitig teilte KNDS mit, die Bundesrepublik Deutschland habe sich grundsätzlich mit Wegmann geeinigt, über die Förderbank KfW 40 Prozent des Stammaktienkapitals zu übernehmen, wobei alle Kosten und Risiken beim Bund liegen sollten. Diese Investition stand laut KNDS unter anderem unter dem Vorbehalt eines sogenannten Sonderbundesauftrags, der erst nach Zustimmung des Haushaltsausschusses sowie behördlicher Freigaben erteilt werden könne. CEO Alary nannte den geplanten Börsengang einen „natürlichen nächsten Schritt“ für mehr strategische Flexibilität und begrüßte die Absicht der Bundesregierung, neben dem französischen Staat Ankeraktionär zu werden.
Nach dem geplanten Abschluss sollten GIAT und die KfW jeweils 40 Prozent der Aktien halten, der Rest von bis zu 20 Prozent sollte als Streubesitz an die Börse kommen. Für beide Großaktionäre war eine zehnjährige Haltefrist vorgesehen, während der ein Absinken des jeweiligen Anteils unter 30 Prozent nicht ohne Zustimmung des anderen Partners möglich gewesen wäre. Der Verwaltungsrat sollte auf 12 Mitglieder wachsen: den CEO, fünf unabhängige Direktoren sowie je drei von GIAT und der KfW entsandte Vertreter.
Für 2026 strebte der Konzern ein Umsatzwachstum von rund 30 Prozent gegenüber 2025 an. Die operative Marge sollte, ohne einmalige Kosten des Börsengangs, auf rund 12 Prozent sinken, bedingt durch den Anlauf großer nationaler Programme und den Wegfall besonders profitabler, bereits ausgelieferter Verträge. Der freie Cashflow sollte über 250 Millionen Euro liegen, während rund 750 Millionen Euro vor allem in den Ausbau von KNDS Land Systems Germany fließen sollten. Ab 2027 plante das Unternehmen zudem, rund 40 Prozent des Jahresüberschusses als Dividende auszuschütten.
1. Juli 2026: Pause wegen Marktvolatilität
Eine Woche nach der ausführlichen Ankündigung teilte KNDS am 1. Juli 2026 mit, seine Aktionäre hätten dem Unternehmen ihre Absicht mitgeteilt, den Prozess erst bei besseren Marktbedingungen wieder aufzunehmen. Als Anlass nannte das Unternehmen die Marktvolatilität im europäischen Verteidigungssektor. KNDS betonte, nahezu alle Vorbereitungsphasen abgeschlossen und sich umfassend mit Investoren ausgetauscht zu haben; diese Gespräche hätten bestätigt, dass Investoren die „differenzierte Positionierung“ und die langfristige Strategie des Unternehmens teilten. Man werde die Kapitalmarktlage weiter beobachten und den Prozess fortsetzen, sobald es die Bedingungen zuließen. In derselben Mitteilung bezifferte KNDS seine Belegschaft auf rund 11.000 Beschäftigte und den Umsatz 2025 auf 4,4 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand habe zum Jahresende bei 33,1 Milliarden Euro gelegen. Das Unternehmen gab an, von mehr als 40 Armeen weltweit genutzt zu werden, darunter 24 europäischen Streitkräften. Zugleich wies KNDS darauf hin, dass der Börsengang auch ganz ausbleiben könnte und es keine Garantie für eine Zulassung der Aktien zum Handel gebe.
Was der Bundestag erfuhr
Auch diese Verpflichtungsermächtigung wurde dem Bundestag und Bundesrat mit demselben Schreiben vom 23. Juni 2026 mitgeteilt. Die Unterrichtung der Bundesregierung vom 28. Juli 2026 listet gemäß Bundeshaushaltsordnung die über- und außerplanmäßigen Ausgaben des zweiten Quartals 2026 nachträglich auf.
Offener Prozess trotz bewilligter Milliarden
Nach dem letzten verfügbaren Stand vom 1. Juli 2026 bleibt der Börsengangsprozess ausgesetzt, bis sich die Marktbedingungen bessern. Die vom Bund für den geplanten 40-Prozent-Einstieg vorgesehenen Haushaltsmittel sind dem Parlament bereits gemeldet, obwohl die Investition laut KNDS ausdrücklich vom tatsächlichen Zustandekommen des Börsengangs abhängt. Für das Unternehmen, das sich selbst als führendes europäisches Landverteidigungsunternehmen mit einem Auftragsbestand von 33,1 Milliarden Euro beschreibt, bedeutet das: Weder der Zeitpunkt des Börsengangs noch der tatsächliche Einstieg des deutschen Staates stehen fest, während die dafür vorgesehenen Milliarden im Bundeshaushalt bereits reserviert sind.
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