
Italien: Erstmals alle 27 Großstädte unter Alarmstufe Rot
Quellen (8)
- t-onlinet-online.de
- ORForf.at
- 20 Minuten20min.ch
- Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
- utopia.deutopia.de
- Newstime Joynnewstime.joyn.de
- nau.chnau.ch
- proplanta.deproplanta.de
Bis Mittwoch standen 25 italienische Großstädte unter der höchsten Hitzeschutzstufe. Ab Donnerstag sind es alle 27: Als letzte kamen Messina und Reggio Calabria hinzu. Alarmstufe Rot im Warnsystem des italienischen Gesundheitsministeriums bedeutet einen potenziellen Gesundheitsnotstand, der ausdrücklich die gesamte Bevölkerung betrifft, also auch junge und gesunde Menschen, nicht nur Senioren und Kranke. Ein nordafrikanisches Hochdruckgebiet hat sich über dem Mittelmeer festgesetzt und zeigt laut Meteorologen bis mindestens Mitte August keine Anzeichen, sich aufzulösen.
Was Alarmstufe Rot in Italien bedeutet
Das dreistufige Warnsystem des Gesundheitsministeriums unterscheidet zwischen grün (keine besondere Gefahr), gelb (Risiko für vulnerable Gruppen) und rot (akute Gefahr für alle). In der Rot-Phase empfehlen die Behörden, körperliche Aktivitäten im Freien zwischen 11 und 18 Uhr zu vermeiden, Fenster tagsüber geschlossen zu halten und täglich mindestens zwei Liter Wasser zu trinken. In vergangenen Hitzejahren führte Alarmstufe Rot zu einer spürbaren Mehrbelastung für Krankenhäuser und Notaufnahmen, besonders in städtischen Zentren ohne ausreichende Begrünung.
Es ist das erste Mal in diesem Sommer, dass alle 27 Städte gleichzeitig betroffen sind. Die Hitzewelle, die vierte seit Sommerbeginn, ist die bisher flächendeckendste. In einigen Regionen Süditaliens wurden Temperaturen bis 40 Grad Celsius gemessen. Auch der Norden des Landes ist diesmal stärker betroffen als bei früheren Wellen: Städte wie Turin und Mailand, die bei der dritten Hitzewelle im Juli noch unter der gelben Warnstufe blieben, stehen jetzt auf Rot.
Vier Hitzewellen in einem Sommer
Der Sommer 2026 ist für Südeuropa außergewöhnlich. Eine erste Welle hatte im Juni Südfrankreich und Spanien erfasst, Waldbrände auf Korsika und der Iberischen Halbinsel folgten im Juli. Österreich brach seinen Allzeitrekord, als Wien-Stammersdorf am 4. August erstmals 41 Grad Celsius meldete, was in der Messgeschichte des Landes noch nie vorgekommen war. Für Österreich sei es der erste Sommer gewesen, in dem alle drei Monate Juni, Juli und August Temperaturen über 40 Grad erreicht worden seien. Die diesjährige vierte Welle bildet im Kontext dieser Häufung die bisher extremste Spitze.
Für Urlaubende hat Alarmstufe Rot unmittelbare Folgen. Tourismusanbieter auf Sizilien, Sardinien und der Amalfiküste verlegen Ausflüge und Führungen auf frühe Morgenstunden oder den Abend. Strandbesuche im Mittagsfenster sind faktisch ausgesetzt. Viele Hotels berichten von einer ungewöhnlich hohen Nachfrage nach Zimmern mit Klimaanlage, da Gäste tagsüber im Innenbereich bleiben. Ob die Absagen und Umbuchungen die Saison als Ganzes beeinflussen, hängt davon ab, wie lange die Welle anhält.
Europa unter Hitze und Dürre zugleich
Die Hitzewelle über dem Mittelmeer ist Teil eines größeren Musters. Der Rhein führt an der Engstelle Kaub 19 Zentimeter Pegel, den niedrigsten Stand seit Aufzeichnungsbeginn 1905. An der serbischen Donau liegen Wracks der deutschen Wehrmacht frei, weil das Flussbett so trocken ist wie selten seit dem Zweiten Weltkrieg. Ungarns einziges Atomkraftwerk musste gedrosselt werden, weil das Donauwasser für die Kühlung zu niedrig und zu warm ist. Der Europäische Klimawandeldienst Copernicus hat den Sommer 2026 bereits als einen der heißesten seit Beginn europäischer Wetteraufzeichnungen eingestuft.
Auf den europäischen Strommärkten treibt die Kombination aus gestiegener Kühlnachfrage und gedrosselten Flusskraftwerken die Großhandelspreise. ENTSO-E, die europäische Netzagentur, beobachtet die Lage mit erhöhter Aufmerksamkeit: In Hochlastphasen können Engpässe im Stromtransport nicht ausgeschlossen werden, wenn mehrere Länder gleichzeitig Rekordnachfrage verbuchen. Für Deutschland, das selbst weniger von extremen Temperaturen betroffen ist, entstehen Kosten durch teurere Importe und die Logistikbremse an Rhein und Donau.
Bis Mitte August: keine Entspannung für Süditalien
Meteorologen sind in ihrer Prognose für die kommenden zwei Wochen ungewöhnlich eindeutig. Das nordafrikanische Hochdruckgebiet ist seit mehreren Tagen stationär und zeigt keine Tendenz, sich nach Norden zu verlagern. Im Alpenvorland und in Norditalien sind am Wochenende lokale Gewitter möglich, die kurzfristige Abkühlung bringen. Für Sizilien, Kalabrien, Apulien und Kampanien dagegen erwarten die Prognostiker bis mindestens Mitte August keine wesentliche Änderung.
Was das für die nächste Woche bedeutet: Reisende, die einen Urlaub in Süditalien geplant haben, sollten sich auf die Rot-Phase einstellen und Aktivitäten entsprechend strukturieren. Das italienische Gesundheitsministerium hat angekündigt, die Warnstufen täglich zu aktualisieren. Dass sie schon morgen zurückgehen, gilt als unwahrscheinlich. Längerfristig ist die Frage nicht, ob diese Art extremer Sommer häufiger werden, sondern wie schnell Städte, Gesundheitssysteme und Infrastruktur dafür ausgelegt werden können.
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