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International
Vance nach Islamabad: Iran-Waffenruhe vor Entscheidung

Vance nach Islamabad: Iran-Waffenruhe vor Entscheidung

Irans Oberster Führer Khamenei hat die zweite Verhandlungsrunde in Islamabad genehmigt, während Parlamentspräsident Ghalibaf gleichzeitig mit neuen Schlachtfeldaktionen droht. Am Mittwochabend läuft die Waffenruhe aus: Was in Pakistan verhandelt wird, entscheidet über Ölversorgung, Energiepreise und die wirtschaftliche Lage Deutschlands.

21. April 2026, 18:54 Uhr 790 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Irans Oberster Führer Ali Khamenei hat am Montagabend die Teilnahme einer iranischen Delegation an der zweiten Verhandlungsrunde in Islamabad genehmigt. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, der die Delegation führen wird, kündigte gleichzeitig an: "In den vergangenen zwei Wochen haben wir uns darauf vorbereitet, neue Trümpfe auf dem Schlachtfeld auszuspielen." Vizepräsident JD Vance fliegt in der Nacht auf Mittwoch mit Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff und Jared Kushner nach Islamabad, während die Waffenruhe am Mittwochabend (Washingtoner Zeit) ausläuft.

Was die Waffenruhe bisher erreicht hat

Pakistan hatte am 8. April die zweiwöchige Feuerpause zwischen Washington und Teheran vermittelt. Die Vereinbarung sah vor, dass Iran die Straße von Hormus für die Zivilschifffahrt öffnet und die USA ihre Seeblockade iranischer Häfen lockern. In der Praxis wurde daraus ein ständiges Hin und Her: Am 17. April öffnete Iran die Meerenge kurz, sperrte sie nach einem erneuten US-Druckeinsatz wieder. Am 20. April beschlagnahmten US-Marines das iranische Frachtschiff Touska im Golf von Oman. Teheran wertet das als Bruch der Waffenruhe und hatte daraufhin angekündigt, keine Delegierten nach Islamabad zu schicken.

Der Kurswechsel kam am Dienstagmorgen, nachdem Khamenei persönlich grünes Licht gegeben hatte. Diese Genehmigung ist in Irans politischem System keine Formalität: Der Oberste Führer hat in außenpolitischen Grundsatzentscheidungen das letzte Wort. Dass er die Gespräche erlaubt, bedeutet, dass Teheran noch nicht bereit ist, den Krieg fortzusetzen, ohne zumindest eine weitere Verhandlungsrunde zu versuchen.

Was Vance in Islamabad vorfindet

Die US-Position hat sich seit der ersten Runde verschärft. Washington fordert laut einem Axios-Bericht nicht mehr nur ein zwanzigjähriges Moratorium für Irans Atomprogramm, sondern ein dauerhaftes Ende der Urananreicherung: Teheran soll sein gesamtes angereichertes Uran abgeben und für immer auf weitere Anreicherung verzichten. Im Gegenzug bieten die USA die Freigabe von 20 Milliarden Dollar an eingefrorenen iranischen Vermögenswerten an.

Für Iran ist diese Forderung eine rote Linie. Außenministeriumssprecher Ismail Baghai bezeichnete sie öffentlich als unrealistisch. Präsident Massud Peseschkian erklärte, das Verhalten der US-Regierung signalisiere, dass Washington Irans Kapitulation anstrebe, nicht ein Abkommen: "Wir werden uns nicht der Erpressung beugen." Irans Kernbedingung für die Teilnahme an den Gesprächen: Washington muss die Seeblockade iranischer Häfen aufheben und garantieren, dass Israel keine weiteren Angriffe auf Hisbollah-Stellungen im Libanon führt.

Ghalibaf: Drohen und verhandeln zugleich

Die Personalie Ghalibaf sagt viel über die innenpolitische Dynamik Irans. Der Parlamentspräsident ist Ex-Kommandeur der Revolutionsgarden, ehemaliger Bürgermeister Teherans und in der Führungsriege als Hardliner bekannt. Sein Satz über "neue Trümpfe auf dem Schlachtfeld" ist keine leere Drohgebärde: Sprecher der Revolutionsgarden haben erklärt, die Feuerpause habe ihnen erlaubt, Raketenlager und Drohnenwerfer schneller aufzufüllen als vor Kriegsbeginn. Der Chef der US Defense Intelligence Agency bestätigte, Iran verfüge weiterhin über Tausende Raketen und Angriffsdrohnen.

Das Druckmittel, das Teheran nach Islamabad mitbringt: Iran hat signalisiert, die Houthi-Miliz im Jemen anweisen zu können, die Straße von Bab al-Mandab zu blockieren. Diese Meerenge kontrolliert den Zugang zum Suezkanal und damit zu den Häfen Europas. Eine Blockade beider Meerengen gleichzeitig würde den globalen Seehandel an zwei Nadelöhren treffen und hätte für Europa weit schwerere Folgen als die Hormus-Sperrung allein.

Auch die US-Seite hat die Drohstufe nicht gesenkt. Trump erklärte am Dienstag: "I expect to be bombing Iran soon", falls die Gespräche keine Fortschritte zeigen.

Was auf dem Spiel steht

Brent-Rohöl notiert am Dienstagabend bei rund 96 Dollar pro Barrel, rund 35 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn. Die Internationale Energieagentur hat für den Fall einer dauerhaften Hormus-Blockade Brent-Preise von 150 bis 200 Dollar prognostiziert. Für Deutschland sind die Auswirkungen schon jetzt messbar: Eine DIHK-Umfrage unter 2.400 deutschen Betrieben zeigt, dass 87 Prozent der Industriebetriebe direkte Auswirkungen auf Produktion und Lieferketten melden. 39 Prozent der Unternehmen planen, ihre Investitionen 2026 zu senken. Das ifo-Institut hat die Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,6 Prozent gesenkt.

Die Straße von Hormus ist keine abstrakte Größe: Jeden Tag durchfahren Tanker mit rund 21 Millionen Barrel Öl die Meerenge, etwa ein Fünftel des globalen Tagesverbrauchs. Das britische Militär hat die maritime Lage als "kritisch" eingestuft, die höchste Risikostufe seiner Schifffahrtsbewertung.

Mittwoch: Was als Nächstes zählt

Am Mittwoch, 22. April, laufen Waffenruhe und zweite Verhandlungsrunde parallel. Drei Fragen werden darüber entscheiden, ob Islamabad zu einem Rahmenabkommen führt oder den Weg in eine neue Eskalation öffnet: Hebt Washington die Seeblockade iranischer Häfen für die Dauer der Gespräche auf? Macht Iran konkrete, verifizierbare Angebote zu seinem Atomprogramm? Und wie wird das Touska-Problem gelöst, das Teheran als Waffenruhebruch wertet?

Scheitern die Gespräche, gibt es nach Trumps Aussagen keine Verlängerung der Feuerpause. Eine Eskalation würde dann in eine Phase eintreten, in der beide Seiten nach eigenen Angaben militärisch stärker aufgestellt sind als zu Kriegsbeginn. Europa wäre dabei nicht Kriegspartei, aber unmittelbar betroffen: durch Energiepreise, Lieferketten und die Frage, ob Diplomatie in einem Konflikt noch etwas ausrichten kann, an dem zwei Nuklearmächte indirekt beteiligt sind.

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