
Zweite Kehrtwende: Trump stoppt Iran-Angriffe erneut
Quellen (13)
- Bloombergbloomberg.com
- Axiosaxios.com
- CBS Newscbsnews.com
- Al Jazeeraaljazeera.com
- Deutsche Welledw.com
- Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
- Die Weltwelt.de
- t-onlinet-online.de
- Al Jazeera (MoU-Zusammenbruch)aljazeera.com
- Al Jazeera Liveblog (3. August)aljazeera.com
- Iran International: Iran rejects Oman 50-50 Hormuz planiranintl.com
- CNBC: Trump Iran talks set to begin Mondaycnbc.com
- Euronews: Trump says new Iran talks start Mondayeuronews.com
Am Sonntagabend postete US-Präsident Donald Trump auf Truth Social, er werde geplante Militärangriffe auf den Iran absagen. Konkret schrieb er: „Wir wurden vom Iran und anderen Ländern des Nahen Ostens gebeten, einen Angriff zu verschieben, da die Umrisse einer Einigung vereinbart wurden." Die Bedingung: eine Einigung müsse schnell erzielt werden. Wenige Stunden zuvor hatte Saudi-Kronprinz Mohammed bin Salman Trump persönlich angerufen und ihn vor einem neuen Angriff gewarnt. Iran hat Trumps Darstellung weder bestätigt noch einen Deal angekündigt.
Sieben Wochen in drei Phasen
Um die Dimension dieser Pause zu verstehen, muss man die Chronologie kennen. Am 17. Juni 2026 unterzeichneten die USA und Iran in Islamabad ein Memorandum of Understanding: 60 Tage Verhandlungsfenster, vollständige Öffnung der Straße von Hormus und Gespräche über das iranische Atomprogramm. Das Abkommen hielt drei Wochen. Am 6. und 7. Juli beschossen Einheiten der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) drei Handelsschiffe, die sich geweigert hatten, die von Iran einseitig eingeführten Durchfahrtsgebühren zu entrichten. US-Präsident Trump erklärte die Waffenruhe daraufhin beim NATO-Gipfel in Ankara für beendet und nannte die iranische Führung „Abschaum".
Irans Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi erklärte am 18. Juli das Memorandum of Understanding offiziell für „ausgesetzt" und warf den USA einen Vertragsbruch vor. Die Kämpfe eskalierten: Allein im Juli kamen nach iranischen Angaben mindestens 50 Menschen durch US-Angriffe ums Leben, mehr als 500 wurden verletzt. Am 31. Juli beschossen IRGC-Einheiten zwei Öltanker, die unter amerikanischem Luftschutz durch die Straße von Hormus fuhren. Rohöl notierte erstmals seit 2022 wieder über 100 Dollar je Barrel. US-Schläge auf iranische Infrastruktur liefen parallel weiter.
In dieser Lage meldete sich Saudi-Kronprinz MBS mit einem Telefonanruf bei Trump. Was genau gesagt wurde, blieb unbekannt. Das Ergebnis: Trump sagte die geplante Angriffswelle ab.
Wer die Einigung bestätigt und wer nicht
Bloomberg und Axios berichteten unter Berufung auf US-Regierungsquellen, Trump habe die Absage ausdrücklich an die Bedingung geknüpft, dass eine Einigung „schnell" erzielt werde. Laut CBS News deutet die Formulierung auf ein mögliches baldiges Rahmenabkommen hin. Die Bedingungen, die Trump nennt, sind dieselben wie seit Februar 2026: vollständige Öffnung der Straße von Hormus, Ende der nuklearen Bedrohung und ein dauerhafter Waffenstillstand.
Irans Außenminister Abbas Araghchi antwortete mit einer Warnung: Jede feindliche Handlung der USA oder Israels werde „mit einer entschiedenen und verhältnismäßigen Antwort" der iranischen Streitkräfte beantwortet. Eine Bestätigung laufender Verhandlungen oder eines Deals blieb aus. Das iranische Staatsfernsehen sendete keine Sondermeldung. Das Außenministerium in Teheran veröffentlichte keine Erklärung.
Dieses Muster ist aus dem Juni bekannt. Auch damals erklärte Trump einen konzeptionellen Durchbruch, während hochrangige iranische Unterhändler widersprachen. Das Islamabad-MoU kam nur zustande, weil sich beide Seiten auf eine Formel einigten, die jede Seite unterschiedlich interpretieren konnte.
Die IRGC-Variable, die kein Deal löst
Das strukturelle Problem bleibt dasselbe wie im Juni: Außenminister Araghchi und die Islamische Revolutionsgarde senden keine abgestimmten Signale. Die IRGC beschoss noch am 31. Juli Tanker unter US-Schutz, also einen Tag vor Trumps Pause-Ankündigung. Die Revolutionsgarden unterstehen seit dem Tod des Obersten Führers Ali Chamenei im Februar 2026 einer ungeklärten Kommandostruktur. Politische Verhandlungsfortschritte müssen sich nicht in operativen IRGC-Entscheidungen widerspiegeln.
Für die Weltwirtschaft ist die Unterscheidung zwischen politischen Signalen und tatsächlicher IRGC-Zurückhaltung entscheidend. Die Internationale Energieagentur bezeichnet die seit Februar andauernde Hormusblockade als schwerste Öllieferstörung der modernen Geschichte. Brent-Rohöl lag zuletzt bei über 100 Dollar je Barrel, mehr als doppelt so hoch wie vor dem Krieg. RWI-Chefvolkswirt Torsten Schmidt hatte die deutsche Wachstumsprognose für 2026 auf 0,8 Prozent gesenkt. Sollte eine echte Öffnung der Straße von Hormus gelingen, würden die Preise nach Einschätzung der IEA innerhalb von Wochen auf unter 70 Dollar fallen.
Trumps Frist läuft ohne Datum
Trump hat keine konkrete Frist genannt. Die Formulierung „schnell" in seinem Truth-Social-Post ließ offen, was das bedeutet: Tage, Wochen oder bis Mitte August, wenn das formale 60-Tage-Fenster des suspendierten Islamabad-MoU ausläuft. Bloomberg berichtete, US-Sondergesandter Steve Witkoff befinde sich in der Region und führe Gespräche mit saudi-arabischen und omanischen Vermittlern.
Was Trumps zweite Kehrtwende von der ersten unterscheidet: Im Juni gab es einen ausgearbeiteten Vertragstext. Jetzt ist nicht einmal klar, ob überhaupt ein Entwurf vorliegt. Die Formulierung „Umrisse einer Einigung" entspricht dem, was Iran im Juni zunächst ebenfalls bestritt. Araghchis Warnung vom Sonntag klingt nicht nach einer Seite, die kurz vor einem Deal steht.
Ob die nächsten 24 bis 48 Stunden ein Rahmenabkommen bringen oder ob die IRGC erneut eskaliert, bevor ein Text unterzeichnet ist, dürfte die entscheidende Frage sein. Das Islamabad-MoU hielt drei Wochen. Sein Vorgänger, eine informelle Waffenruhe vom April, hielt zehn Tage.
Aktualisierungen
Update 3. August, 09:09 Uhr: Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte am Sonntagabend auf Telegram, die Verhandlungen mit Oman über eine neue Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus seien in ihrer "letzten Phase". Teheran hatte Omans ursprünglichen Vorschlag abgelehnt, der eine 50-50-Aufteilung der Fahrspuren entlang nationaler Grenzen vorsah. Irans Gegenvorschlag sieht eine Route vor, die überwiegend durch iranische Hoheitsgewässer verläuft, um nationale Sicherheitsinteressen zu wahren. US-Präsident Trump kündigte an, Gespräche mit dem Iran würden am Montagnachmittag, dem 4. August, beginnen. Ein Stichtag für ein Abkommen wurde nicht genannt. Entscheidend: Irans Außenministerium spricht von einem "Verständnis über eine akzeptable Route", nicht von einer vollständigen Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Die Unterscheidung ist juristisch und operativ erheblich.
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