
Hightech Agenda: Startbilanz der Flaggschiffmaßnahmen nach einem Jahr
Quellen (12)
- Homepage - Ein Jahr Hightech Agenda Deutschland: Meilensteine auf dem Weg zur technologischen Spitze - BMFTRbmftr.bund.de
- Homepage - Bundesregierung: Roadmaps der Hightech Agenda Deutschland starten in die Umsetzung mit Wirtschaft, Wissenschaft und Ländern - BMFTRbmftr.bund.de
- Homepage - Bekanntmachung - BMFTRbmftr.bund.de
- Jahresgutachten der EFI enthüllt massive Schwächen des KI-Standorts Deutschland und in Europathe-decoder.de
- Homepage - Expertenkommission bestätigt: Hightech Agenda Deutschland setzt richtige Schwerpunkte - BMFTRbmftr.bund.de
- Hightech Agenda Deutschland: Ministerin Bär um Transparenz bemühtforschung-und-lehre.de
- EFI-Gutachten 2026: Hightech Agenda ist ein starkes Signal - Deutscher Bundestagbundestag.de
- Homepage - Bär: Wettbewerbsfähigkeit, technologische Souveränität und Wertschöpfung sind unsere klaren Prioritäten - BMFTRbmftr.bund.de
- Bundesbericht Forschung und Innovation 2026 erörtert - Deutscher Bundestagbundestag.de
- Übergabe des EFI-Gutachtens 2026 an den Bundeskanzler | Bundesregierungbundesregierung.de
- EFI-Gutachten 2026: Gemischtes Zwischenzeugnis für die Hightech Agendaforschung-und-lehre.de
- HTAD: Technologie-Roadmap – Künstliche Intelligenzhightech-agenda-deutschland.de
Die Agenda soll Deutschland langfristig wettbewerbsfähig halten, die technologische Souveränität stärken und Forschung schneller in die Anwendung bringen. Die Bundesregierung hatte sie laut BMFTR 100 Tage nach ihrem Amtsantritt beschlossen.
Die Ziele für künstliche Intelligenz
Die sechs Schlüsseltechnologien sind laut BMFTR künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung sowie Technologien für klimaneutrale Mobilität. Bis 2029 sollen mehr als 50 Prozent der kleinen und mittleren Industrieunternehmen Künstliche Intelligenz einsetzen und neue KI-Chips „designed in Germany“ auf den Markt kommen. Bis 2030 sollen zehn Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung KI-basiert erwirtschaftet werden. Die sechs Technologie-Roadmaps, die das Bundeskabinett am 20. Mai 2026 vorstellte, fassen diese Ziele in insgesamt 128 Meilensteinen zusammen. Teil der Umsetzung ist der KI-Robotikbooster, mit dem das BMFTR 2026 einen eigenständigen Schwerpunkt für verkörperte KI (embodied AI) setzt. Für einen Konzeptwettbewerb zum Aufbau sogenannter Robo-Hubs und die anschließende Umsetzungsphase stellt das Ministerium nach eigenen Angaben insgesamt bis zu 50 Millionen Euro als Fördermittel bereit, einen Anspruch auf die Förderung gibt es laut Richtlinie allerdings nicht.
Was die Expertenkommission zuvor bemängelte
Das Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation übergab die unabhängig beratende, aus sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bestehende Kommission laut BMFTR im Februar 2026 an Bundeskanzler Friedrich Merz. Das Gutachten diagnostizierte: Deutschland und Europa verfügen über starke Forschungslandschaften, liegen aber gegenüber den USA und China bei der Entwicklung von KI-Modellen und deren Umsetzung in Wertschöpfung zurück, wie THE DECODER berichtete. Zwischen 2023 und 2025 kamen laut THE DECODER zufolge einer von der Kommission verwendeten Auswertung von Epoch-AI-Daten neun „bedeutende“ KI-Modelle aus Deutschland, aus den USA 250. Auch bei der Rechenkapazität klafft laut THE DECODER eine Lücke: Für 2025 sind in Deutschland rund 26.000 H100-Äquivalente in großen Rechenzentren öffentlich dokumentiert, die USA kommen auf rund 1,4 Millionen. Die EFI empfahl deshalb, öffentliche und private KI-Investitionen deutlich zu erhöhen, die europäische Recheninfrastruktur auszubauen und europäische Open-Source-KI-Modelle zu fördern. Forschungsministerin Dorothee Bär erklärte laut BMFTR, sie teile die Empfehlungen des Expertengremiums, dass eine mutige Forschungs- und Innovationspolitik in der aktuellen Lage entscheidend sei, um Wohlstand und technologische Souveränität zu sichern.
Streit um Transparenz im Forschungsausschuss
Im März 2026 hatte die Bundesregierung im öffentlichen Teil einer Sitzung des Forschungsausschusses über den Fortschritt der Agenda berichtet, nachdem Oppositionsmitglieder und Medien zuvor mangelnde Transparenz kritisiert hatten. Bereits im Herbst zuvor hatte der Bundesrechnungshof moniert, dass die Mittel für die Agenda über verschiedene Einzel- und Wirtschaftspläne verteilt seien und darunter die Transparenz leide. Bär entgegnete, ihr Ministerium sei „eines der transparentesten Häuser“, die Grünen-Forschungspolitikerin Andrea Lübcke sah die Vorwürfe nach der Sitzung offensichtlich ernst genommen. Laut dem Bericht blieb die Frage der Grünen-Abgeordneten Ayse Asar, welcher Anteil der bis 2029 vorgesehenen 18 Milliarden Euro für die Agenda tatsächlich zusätzliche Mittel für Zukunftstechnologien sind, unbeantwortet oder wurde zurückgewiesen.
Die Expertenkommission hatte in ihrem Gutachten laut einer Bundestagsmeldung zudem kritisiert, dass andere relevante Schlüsseltechnologien wie Produktionstechnologien (etwa Robotik und Photonik) oder Materialtechnologien in der Agenda keine Rolle spielten. Die EFI begrüßte zugleich laut BMFTR die Schwerpunktsetzung der Agenda. Zu den im Mai angekündigten neuen Förderinitiativen zählt laut BMFTR auch der KI-Robotikbooster.
Der Bundesbericht Forschung und Innovation 2026, den das Bundeskabinett im Juni 2026 verabschiedete, zeigt laut BMFTR unabhängig von der KI-Frage auch die gesamten Forschungsausgaben: Sie erreichten 2024 mit 137,1 Milliarden Euro einen neuen Höchststand, ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2024 gab Deutschland zudem 3,17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung aus, ein neuer Höchststand. Damit lag die Bundesrepublik über dem OECD-Durchschnitt von 2,72 Prozent und dem EU-Durchschnitt von 2,13 Prozent. Zugleich verliere Deutschland im internationalen Vergleich an Dynamik und liege derzeit hinter Ländern wie Israel, Südkorea, Schweden, den USA und Japan, heißt es im Bericht. Die Veröffentlichung der Bundesregierung nennt als Ziel, die Quote auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern und bezeichnet die Annäherung an diese Marke als gemeinsamen Erfolg von Bund, Ländern und Wirtschaft.
Zwischenbilanz im Frühjahr 2027
Die vorgestellten Roadmaps sind als „lebendige Arbeitsdokumente“ angelegt: Eine im Mai 2026 freigeschaltete Online-Konsultation sollte Rückmeldungen von Umsetzungspartnern, Stakeholdern und der Öffentlichkeit einholen. Für das Frühjahr 2027 ist laut Forschung & Lehre zudem ein großer HTAD-Gipfel angekündigt, der eine Zwischenbilanz ermöglichen soll. Deutschland und die EU blieben trotz einer starken Forschungsbasis bei der wirtschaftlichen Nutzung von KI hinter ihren Möglichkeiten zurück, heißt es im Gutachten.
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