Grüne Meeresschildkröte gilt laut IUCN nicht mehr als gefährdet
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Grüne Meeresschildkröte gilt laut IUCN nicht mehr als gefährdet

Die IUCN hat die Grüne Meeresschildkröte im Oktober 2025 weltweit von „Endangered“ auf „Least Concern“ hochgestuft, nach einem Anstieg der Nistaktivität um rund 28 Prozent seit den 1970er-Jahren. 4 von 11 erstmals einzeln bewerteten Teilbeständen gelten aber weiterhin als rückläufig.

Quellen (5)
  1. The Conservation Status of Green Turtle Populations Worldwide — The State of the World's Sea Turtles | SWOTseaturtlestatus.org
  2. Arctic seals threatened by climate change, birds decline globally – IUCN Red List - Press release | IUCNiucn.org
  3. 2024-2025 Report of the IUCN Species Survival Commissioniucn.org
  4. Red List Assessments | IUCN-SSC Marine Turtle Specialist Groupiucn-mtsg.org
  5. 2019 Red List Assessment Updates — IUCN-SSC Marine Turtle Specialist Groupiucn-mtsg.org
29. September 2026, 16:19 Uhr799 Wörter · 4 Min. Lesezeit

1982 setzte die Weltnaturschutzunion IUCN die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) als „Endangered“, stark gefährdet, auf ihre Rote Liste. In der jüngsten Bewertung der zuständigen IUCN-SSC Marine Turtle Specialist Group, veröffentlicht im Oktober 2025, gilt die Art weltweit nun als „Least Concern“, nicht gefährdet. Bekannt gegeben wurde die Neueinstufung während des IUCN World Conservation Congress in Abu Dhabi am 10. Oktober 2025. Laut IUCN ist die weltweite Population seit den 1970er-Jahren um rund 28 Prozent gestiegen, trotz anhaltender Bedrohungen für einzelne Teilbestände. Nach Angaben von SWOT handelt es sich um eine der bedeutendsten globalen Status-Verbesserungen, die je für ein langlebiges Meereswirbeltier dokumentiert wurden.

1982 „Endangered“, 2025 „Least Concern“

Die IUCN-SSC Marine Turtle Specialist Group zählte laut dem Jahresbericht der IUCN Species Survival Commission 308 Mitglieder, mit Roderic Mast und Paolo Casale als Ko-Vorsitzenden. Grüne Meeresschildkröten gelten laut IUCN als Schlüsselart in tropischen Meeresökosystemen wie Seegraswiesen und Korallenriffen und haben für Menschen weltweit seit Jahrtausenden kulturelle, kulinarische, spirituelle und erholungsbezogene Bedeutung. Schutzbemühungen konzentrierten sich laut IUCN auf den Schutz nistender Weibchen und ihrer Eier an Stränden, den Ausbau gemeindebasierter Initiativen gegen die nicht nachhaltige Ernte von Schildkröten und Eiern, die Eindämmung des Handels sowie den Einsatz sogenannter Turtle Excluder Devices – Vorrichtungen an Fischernetzen, die den unbeabsichtigten Fang von Schildkröten verringern sollen. Trotz der weltweiten Verbesserung liegt der Bestand laut IUCN weiterhin deutlich unter der Häufigkeit vor der europäischen Kolonisierung und der danach in vielen Teilen der Welt verbreiteten nicht nachhaltigen Nutzung und dem Handel.

11 Teilbestände, 4 davon rückläufig

Erstmals bewertete die Fachgruppe für die Einstufung 2025 zusätzlich zur globalen Kategorie 11 regionale Teilbestände, sogenannte Regional Management Units (RMUs), die anhand von Langzeitdaten zu Genetik, Biogeografie, Markierung, Bewegungsverhalten, Demografie und Expertenwissen abgegrenzt werden. Der Ansatz sollte laut dem Bericht eine Schwäche früherer, rein global angelegter Bewertungen beheben, die schwere regionale Rückgänge hinter Zugewinnen an anderer Stelle verbergen konnten. Dutzende Fachleute der Marine Turtle Specialist Group trugen über mehrere Jahre dazu bei, jahrzehntelange Nist- und Bestandsdaten zusammenzutragen, zu prüfen und die Rote-Liste-Kriterien sowohl auf den globalen Bestand als auch auf jede einzelne RMU anzuwenden. 4 der 11 Teilbestände gelten laut der Bewertung weiterhin als rückläufig. Auf der Statusliste der Fachgruppe sind unter anderem die Teilbestände im Zentral-Südpazifik (Endangered), im Ostpazifik und im Nordindischen Ozean (beide Vulnerable) sowie, mit geringerer Gefährdungsstufe, im Zentral-Westpazifik und im Mittelmeer (beide Near Threatened) als gefährdet geführt. Als nicht gefährdet stehen dort die Bestände vor Hawai'i, im Südatlantik, im südwestlichen Indischen Ozean und im Gebiet Ostindien-Westpazifik – jeweils mit der Einstufung Least Concern.

Im Vergleich: Erholung auf Ascension Island, Rückgang im Ostpazifik

Besonders erfolgreich waren Schutzbemühungen laut IUCN auf Ascension Island sowie in Brasilien, Mexiko und Hawai'i: Dort erholten sich einige Teilbestände bis nahe an das Niveau vor Beginn der kommerziellen Ausbeutung. Im Ostpazifik, seit 2023 als Vulnerable eingestuft, liegen Langzeitdaten laut dem SWOT-Bericht dagegen nur von zwei Orten vor – Colola Beach im mexikanischen Bundesstaat Michoacán und den Galápagos-Inseln –, die zusammen 71 Prozent des gesamten Nistaufkommens der Region ausmachen. Trotz deutlicher Zunahmen an beiden Orten seit den frühen 1980er-Jahren liegt die Gesamt-Nistabundanz im Ostpazifik noch rund 45 Prozent unter den frühesten verfügbaren Daten aus den 1970er-Jahren. Im Nordindischen Ozean, wo der Teilbestand 2019 erstmals bewertet und als Vulnerable eingestuft wurde, deuten Schätzungen der Nistaktivität in Oman und der Republik Jemen auf einen Rückgang von 38 Prozent seit den 1970er-Jahren hin; die Langzeitdaten seien laut dem Bericht jedoch begrenzt und inkonsistent. Am schlechtesten steht der Teilbestand im Zentral-Südpazifik da: Er gilt als Endangered, quantitative Daten bleiben laut SWOT begrenzt, doch wurden signifikante Rückgänge beobachtet – die Fachgruppe geht von weniger als 3.000 geschlechtsreifen Weibchen aus. Genau dieses Muster – ein deutlicher globaler Fortschritt, hinter dem sich in einzelnen Regionen weiterhin ernste Rückgänge verbergen können – war laut der Fachgruppe der Grund, die globale Bewertung 2025 erstmals um die einzelnen Teilbestände zu ergänzen.

Beifang, Küstenbau und Klimawandel als Risiken

Auch nach der globalen Hochstufung bestehen laut IUCN zentrale Bedrohungen fort: Die direkte, kommerzielle und nicht der Selbstversorgung dienende Entnahme von Schildkröten und Eiern sowie Beifang in der Fischerei blieben bedeutende Todesursachen, während nicht nachhaltige Küsten- und Meeresentwicklung wichtige Lebensräume zerstöre. Der Klimawandel beeinträchtigt zudem Lebensräume der Art, insbesondere Niststrände: Bei der südwestpazifischen Teilpopulation, zu der mit Raine Island in Australien der weltweit größte Nistplatz gehört, zeigt sich seit mehreren Jahren eine rückläufige Schlüpflingsproduktion, was die IUCN als erheblichen Grund zur Sorge bezeichnet. Die Fachgruppe selbst weist darauf hin, dass die Anwendung der Rote-Liste-Kriterien auf langlebige, wandernde Arten wie Meeresschildkröten weiterhin herausfordernd bleibt, etwa wenn Datenlücken oder komplexe Lebenszyklen Trends schwer quantifizierbar machen. Die anhaltende globale Erholung der Grünen Meeresschildkröte sei, so Ko-Vorsitzender Roderic Mast von der IUCN Species Survival Commission Marine Turtle Specialist Group, ein starkes Beispiel dafür, was koordinierter globaler Naturschutz über Jahrzehnte hinweg erreichen könne, um Populationen langlebiger Meerestierarten zu stabilisieren und sogar wiederherzustellen.

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