Greensand: Erstes CO2-Lager der EU im Regelbetrieb
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Greensand: Erstes CO2-Lager der EU im Regelbetrieb

Am 18. September eröffnete König Frederik X. mit Greensand das erste CO2-Lager der EU im Regelbetrieb. Es fasst zunächst 400.000 Tonnen pro Jahr. Das EU-Ziel für 2030 liegt bei 50 Millionen Tonnen Injektionskapazität.

Quellen (13)
  1. CINEA (EU-Innovationsfonds): Eröffnung Greensand Futurecinea.ec.europa.eu
  2. INEOS Pressemitteilung zur Eröffnungineos.com
  3. World Oil: INEOS startet Greensand-Regelbetriebworldoil.com
  4. EU Strategic Technologies Platform: Greensand Futurestrategic-technologies.europa.eu
  5. EU-Kommission: 2030-Ziel CO2-Speicherungclimate.ec.europa.eu
  6. EU-Kommission: Fortschrittsbericht CO2-Injektionskapazität Mai 2026climate.ec.europa.eu
  7. Offshore Energy: Genehmigung und Start des Greensand-Pilotversuchsoffshore-energy.biz
  8. Umweltbundesamt: Treibhausgasdaten 2025umweltbundesamt.de
  9. Clean Air Task Force: IPCC AR6 zu CO2-Abscheidungcatf.us
  10. Carbon Gap: Net-Zero Industry Act, Fristentracker.carbongap.org
  11. t-onlinet-online.de
  12. Rhein-Neckar-Zeitung (dpa)rnz.de
  13. Deutsche Wirtschafts-Nachrichtendeutsche-wirtschafts-nachrichten.de
26. September 2026, 16:54 Uhr720 Wörter · 4 Min. Lesezeit

König Frederik X. hat am 18. September 2026 in Esbjerg das CO2-Lager Greensand eröffnet. Laut Betreiber INEOS ist es die erste voll ausgebaute CO2-Speicherstätte der EU. Im ersten Schritt nimmt die Anlage bis zu 400.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr auf und presst sie rund 1.800 Meter unter den Meeresgrund der dänischen Nordsee. Die EU will bis 2030 eine Injektionskapazität von 50 Millionen Tonnen pro Jahr erreichen, das 125-Fache.

Was unter dem Meeresgrund liegt

Gespeichert wird im ausgeförderten Ölfeld Nini West, rund 250 Kilometer vor der dänischen Küste. Das Gestein dort hat nach Angaben der Betreiber über Millionen Jahre Kohlenwasserstoffe gehalten. Im März 2023 lief dort ein Pilotversuch: Die Genehmigung erlaubte, über vier Monate bis zu 15.000 Tonnen CO2 einzupressen. Mit dem Regelbetrieb steigt die Kapazität auf 400.000 Tonnen jährlich, laut Konsortium die Menge, die der Markt derzeit liefern kann.

Geführt wird das Konsortium von INEOS Energy, der 2020 gegründeten Energiesparte des britischen Chemiekonzerns INEOS. Partner sind Harbour Energy und der staatliche dänische Nordseefonds Nordsøfonden. Der EU-Innovationsfonds hat das Projekt mit 41 Millionen Euro gefördert. Das CO2 stammt zunächst vor allem aus dänischen Biomethananlagen. Es wird verflüssigt und per Lkw zum Hafen Esbjerg gebracht. Von dort fährt es das Spezialschiff Carbon Destroyer 1, nach Angaben von INEOS das erste eigens gebaute CO2-Transportschiff der EU, zur Plattform Nini West, wo es in die Lagerstätte gepresst wird. Künftig hoffen die Partner auch große deutsche Industriebetriebe als Kunden zu gewinnen.

Was 400.000 Tonnen wirklich bedeuten

Das Ziel von 50 Millionen Tonnen steht im Net-Zero Industry Act (Verordnung (EU) 2024/1735). Die EU-Kommission bezeichnet es als Grundlage dafür, schwer vermeidbare Industrieemissionen etwa aus Zementwerken dauerhaft zu speichern. In die Pflicht nimmt die Verordnung vor allem die Öl- und Gasproduzenten: Die Kommission hat 44 Unternehmen benannt, die anteilig Speicherkapazität schaffen müssen.

Gemessen daran ist Greensand ein kleiner Schritt: 400.000 Tonnen entsprechen 0,8 Prozent des Ziels. Selbst im vollen Ausbau, den INEOS mit 4 bis 8 Millionen Tonnen jährlich angibt, käme das Lager auf 8 bis 16 Prozent. Der dänische Energieplaner Brian Vad Mathiesen von der Universität Aalborg nannte selbst diese Menge aus europäischer Sicht „unfassbar wenig“. Zugleich sagte er, ohne CO2-Speicherung werde Klimaneutralität nicht erreichbar sein.

Zur Eröffnung kamen neben dem König auch EU-Energiekommissar Dan Jørgensen und INEOS-Gründer Jim Ratcliffe. Die EU-Plattform für strategische Technologien führt Greensand als Projekt, das erheblich zum 2030-Ziel beitragen könnte.

Eine Technologie mit Gegnern

CCS ist in der Klimapolitik umstritten. Umweltschützer fürchten laut dpa, dass die Technik dazu verleitet, Treibhausgase verschwinden zu lassen, statt Emissionen an der Quelle zu senken. Mathiesen verweist zudem auf den Preis: Die Technik sei noch zu teuer, als dass mehr Betriebe CO2 abscheiden würden. Es gebe viele günstigere Alternativen. Auch die Deutschen Wirtschafts-Nachrichten nennen die hohen Kosten als Grund, warum sich CCS bisher kaum durchgesetzt hat.

Der Weltklimarat stützt die Gegenposition. Von den sieben beispielhaften Pfaden, die der IPCC in seinem sechsten Sachstandsbericht für eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad beschreibt, kommt nur einer ohne CO2-Abscheidung aus. Dieser setzt voraus, dass sich der weltweite Energiebedarf in 30 Jahren fast halbiert.

Zur Sicherheit der Lagerstätte hatte die Klassifikationsgesellschaft DNV bereits den Pilotversuch von 2023 geprüft. Wie sich das Lager unter Dauerbetrieb über Jahrzehnte verhält, muss die laufende Überwachung zeigen.

Wie weit die EU vom eigenen Ziel entfernt ist

Die EU-Kommission hat im Mai 2026 ihren ersten Fortschrittsbericht zum 2030-Ziel vorgelegt. Danach hatten die Mitgliedstaaten binnen eines Jahres vier neue Speichergenehmigungen erteilt, zwischen 2009 und 2024 war es nur eine. Mindestens sieben weitere Standorte sollen in den nächsten Jahren mit zusammen 19 Millionen Tonnen Jahreskapazität in Betrieb gehen. Die Kommission hält das Ziel für erreichbar, sofern die Projekte schnell genug gebaut werden. Die Nachfrage ist größer: Allein die vom Innovationsfonds geförderten Abscheideprojekte wollen mehr als 25 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einfangen.

Zum Vergleich: Die deutsche Industrie stieß 2025 laut Umweltbundesamt 144,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente aus. Greensand speichert laut CINEA über acht Jahre rund 2,4 Millionen Tonnen. Die Kommission sieht CO2-Speicherung vor allem für Emissionen vor, die sich kaum vermeiden lassen.

Der nächste Termin steht im Gesetz: Bis zum 31. Dezember 2028 muss die Kommission prüfen, ob ein Injektionsziel für 2040 nötig ist. Gegebenenfalls muss sie es dann vorschlagen. Nach eigener Schätzung braucht die EU bis 2040 rund 250 Millionen Tonnen Speicherkapazität pro Jahr, um 2050 klimaneutral zu werden.

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