Europas Megaprojekt: Frankfurts Terminal 3 öffnet
Mit CT-Scannern an allen 21 Kontrollspuren und einer Jahreskapazität von 19 Millionen Passagieren öffnet das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen am 22. April 2026. Mit rund vier Milliarden Euro ist es eines der größten privat finanzierten Infrastrukturprojekte Europas. Was es von vielen deutschen Großbauprojekten unterscheidet: Es wurde fertiggestellt.
Was das neue Terminal bietet
Terminal 3 liegt südlich der bestehenden Terminals 1 und 2 und umfasst die Piers G, H und J. Im Vollausbau kann es 19 Millionen Passagiere jährlich abfertigen. Zum Vergleich: Der Flughafen Stuttgart beförderte 2023 insgesamt rund 11 Millionen Passagiere. Terminal 3 übertrifft also allein die Kapazität eines mittelgroßen deutschen Airports.
Die Sicherheitstechnik ist auf dem neuesten Stand. Alle 21 Kontrollspuren sind mit CT-Scannern ausgestattet, die eine dreidimensionale Analyse des Handgepäcks ermöglichen. Laptops und Flüssigkeiten bleiben in der Tasche, was den Passagierdurchsatz am Gate erheblich beschleunigt und gleichzeitig die Erkennungsrate für verbotene Gegenstände verbessert. Solche Systeme sind an deutschen Flughäfen bislang die Ausnahme.
Was der CT-Scanner im Alltag bedeutet, ist nicht trivial. Bisher mussten Passagiere an deutschen Flughäfen Laptops und Flaschen aus dem Gepäck nehmen, damit das zweidimensionale Röntgenbild lesbar blieb. Die neuen CT-Systeme erstellen ein dreidimensionales Abbild, das sich digital rotieren lässt. Sicherheitspersonal kann damit Gegenstände im Gepäck aus verschiedenen Winkeln betrachten, ohne die Tasche öffnen zu müssen. Das erhöht die Trefferquote und senkt gleichzeitig die Wartezeiten am Checkpoint.
Der erste reguläre Flug hebt am 23. April 2026 ab. In den Wochen danach ziehen 57 Airlines, die bisher aus Terminal 2 abflogen, in vier Wellen bis Anfang Juni in das neue Terminal um. Aktuelle Informationen, welche Airline zu welchem Zeitpunkt umzieht, stellt Fraport auf seiner Website bereit.
Zehn Jahre Bau, 8.000 Testpassagiere
Die Eröffnung steht am Ende einer aufwändigen Vorbereitungsphase. Fraport ließ zwischen dem 27. Januar und dem 16. April 2026 rund 8.000 Freiwillige als Testpassagiere durch das Terminal schleusen. Sie prüften alle Abläufe: Gepäckaufgabe, Sicherheitskontrolle, Wegeleitsystem und Boarding. Erst nach erfolgreichem Abschluss dieser Tests und nach bestandener Brandschutzabnahme erteilten die zuständigen Behörden ihre Freigabe. Das Terminal gilt seither offiziell nicht mehr als Baustelle.
Das Projekt begann vor mehr als zehn Jahren als Antwort auf die wachsende Nachfrage am größten deutschen Flughafen. Die rund vier Milliarden Euro wurden ausschließlich durch Fraport und private Kapitalgeber finanziert. Öffentliche Mittel flossen nicht in den Bau.
Ein Gegenbeispiel in der deutschen Projektlandschaft
Terminal 3 ist für Deutschland eine ungewöhnliche Meldung: Ein Großbauprojekt, das im Kostenrahmen und ohne staatliche Subventionen fertiggestellt wurde. Der Vergleich mit dem Berliner Flughafen BER drängt sich auf: Dieser öffnete nach neun Jahren Verzögerung und mit Milliarden an öffentlichen Geldern. Frankfurt zeigt, dass es anders gehen kann, wenn private Finanzierung, klare Projektkontrolle und modulare Bauweise zusammentreffen.
Für die Metropolregion Frankfurt hat Terminal 3 auch wirtschaftliche Bedeutung. Der Flughafen Frankfurt beschäftigt direkt und indirekt rund 80.000 Menschen am Standort. Mit den neuen Kapazitäten lassen sich langfristig zusätzliche Langstreckendestinationen anbieten, was für ansässige Unternehmen, Banken und Logistikdienstleister von direktem Nutzen ist.
Ausbau bleibt möglich
Der Frankfurter Flughafen ist nach London Heathrow und Paris Charles de Gaulle das drittgrößte Luftfahrtdrehkreuz Europas. Mit Terminal 3 steigt die theoretische Gesamtkapazität des Standorts auf annähernd 90 Millionen Passagiere pro Jahr. Die modulare Bauweise erlaubt künftige Erweiterungen ohne Unterbrechung des laufenden Betriebs. Wie schnell diese folgen, hängt davon ab, wie stark die Passagierzahlen in den nächsten Jahren wachsen.
Ein weiteres Merkmal des Terminals ist seine Lage abseits der bisherigen Infrastruktur. Terminal 3 ist über einen automatischen Peoplemover mit den bestehenden Terminals verbunden. Umsteigpassagiere, die von Terminal 1 oder 2 kommen, nutzen dieses System um das neue Gebäude zu erreichen. Für Direkteinsteiger gibt es eigene Kurzzeitparkzonen und eine direkte Zufahrt vom Autobahnzubringer am Flughafen.
Für Reisende, die ab dem 23. April von Frankfurt starten, empfiehlt Fraport, vorab auf der Website des Flughafens zu prüfen, welches Terminal der eigene Flug nutzt. Während der Übergangsphase bis Anfang Juni können kurzfristige Terminalwechsel nicht ausgeschlossen werden. Wer umsteigt, sollte die Verbindungszeiten im Auge behalten.
Langfristig plant Fraport, Terminal 3 zur zentralen Abfertigungseinheit für Langstreckenflüge weiterzuentwickeln. Die modulare Bauweise lässt dabei Spielraum: Weitere Piers können bei steigender Nachfrage angebaut werden, ohne den laufenden Betrieb der bestehenden Infrastruktur zu unterbrechen.