Ex-BND-Chef Hanning wegen Spionageverdachts festgenommen
Politik

Ex-BND-Chef Hanning wegen Spionageverdachts festgenommen

Die Bundesanwaltschaft hat den früheren BND-Präsidenten August Hanning und seinen ehemaligen Büroleiter Manfred D. am 6. Oktober 2026 festnehmen lassen. Hanning steht laut Bundesanwaltschaft unter dringendem Verdacht des versuchten Landesverrats und der geheimdienstlichen Agententätigkeit; D. wird Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung vorgeworfen. D. soll Hanning laut Bundesanwaltschaft gegen Entgelt interne BND-Unterlagen für Hannings private Beratertätigkeit beschafft haben, darunter vielfach Verschlusssachen zur Vorbereitung der BND-Leitung.

Quellen (12)
  1. Der Generalbundesanwalt - Homepage - Festnahmen wegen mutmaßlicher landesverräterischer Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, versuchten Landesverrats und Spionagegeneralbundesanwalt.de
  2. Ehemaliger BND-Chef festgenommen: Wer ist August Hanning?zdfheute.de
  3. Ex-BND-Chef August Hanning wegen Spionageverdachts festgenommenzdfheute.de
  4. Papiere aus dem Geheimdienst angekauft: Ex-BND-Chef Hanning unter Spionageverdacht festgenommen | taz.detaz.de
  5. BND-Chef: Von Notz dringt Bund nach Hanning-Festnahme zu Aufklärungt-online.de
  6. Block-Prozess führt zur Festnahme von Ex-BND-Chef Hanninglto.de
  7. August Hanning festgenommen: So wurde ein Ex-BND-Chef zum Sicherheitsrisikot-online.de
  8. Ex-BND-Chef Hanning festgenommen: Das ist der Mann, der Staatsgeheimnisse verraten haben solltagesspiegel.de
  9. Wegen Spionageverdachts: Ex-BND-Chef August Hanning festgenommentagesspiegel.de
  10. Bundesnachrichtendienst: Ex-BND-Präsident Hanning unter Spionageverdacht festgenommenhandelsblatt.com
  11. August Hanning: Für diesen Staat soll der Ex-BND-Chef spioniert habent-online.de
  12. BND-Skandal: "Dann hätten wir einen wirklichen Supergau"zdfheute.de
7. Oktober 2026, 11:25 Uhr461 Wörter · 3 Min. Lesezeit

Die Festnahmen erfolgten aufgrund von Haftbefehlen des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und im Kreis Steinfurt, zugleich begannen Durchsuchungen dort sowie in Berlin.

Gegen Hanning besteht laut Bundesanwaltschaft der dringende Verdacht der landesverräterischen Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen, des versuchten Landesverrats sowie der geheimdienstlichen Agententätigkeit. Manfred D. wird Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung vorgeworfen.

Vom BND-Chef zum Berater

Hanning leitete den BND von Dezember 1998 bis Ende November 2005, Manfred D. war damals sein Büroleiter. Anschließend folgte D. ihm als abgeordneter Assistent ins Bundesinnenministerium, wo Hanning von Dezember 2005 bis November 2009 Staatssekretär war. Von März 2012 bis März 2026 war D. erneut als Büroleiter für mehrere nachfolgende BND-Präsidenten tätig und hatte dadurch Zugriff auf zahlreiche geheimhaltungsbedürftige Informationen.

Laut Bundesanwaltschaft fast zweitausend Dokumente

Vermutlich im Frühjahr 2010 vereinbarten beide laut Bundesanwaltschaft, dass D. Hanning gegen Entgelt fortlaufend wertvolle BND-Erkenntnisse besorgen sollte, damit Hanning sie für seine private Beratertätigkeit gewinnbringend verwerten konnte. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand stellte D. Hanning bis Juni 2022 annähernd zweitausend Dokumente zur Verfügung, darunter vielfach als Verschlusssache eingestufte Informationen. Das Material war ausschließlich für interne BND-Zwecke bestimmt und diente der Vorbereitung der nachrichtendienstlichen Lagebesprechung, einer regelmäßigen Zusammenkunft von Spitzenbeamten der Bundesressorts und deutscher Sicherheitsbehörden im Bundeskanzleramt.

Mutmaßliche Kontakte zu ausländischen Diensten

In einem Fall nutzte Hanning laut Bundesanwaltschaft von D. übermittelte, eingestufte Erkenntnisse für eine Analyse für den Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates; ob das Produkt den Adressaten erreichte, ließ sich bislang nicht feststellen. Zudem stand Hanning laut Bundesanwaltschaft in intensivem Austausch mit einem Angehörigen eines anderen staatlichen Nachrichtendienstes und versorgte ihn über mehrere Jahre mit politischen Informationen, teilweise auf Grundlage von Material, das er von D. erhalten hatte.

Ursprung im Fall Block laut Bundesanwaltschaft

Das Verfahren geht laut Bundesanwaltschaft auf Funde aus einer Durchsuchung bei Hanning zurück, die Staatsanwaltschaft Hamburg im September 2025 im Rahmen von Ermittlungen gegen Christina Block und andere vollzogen hatte. Anfang Mai 2026 wurde der Vorgang laut Bundesanwaltschaft zur Übernahme vorgelegt, die Ermittlungen in Zusammenarbeit mit dem BND und dem Bundeskriminalamt führt.

Reaktionen aus Dienst und Politik

BND-Präsident Martin Jäger erklärte, man habe frühzeitig und unverzüglich umfangreiche interne Ermittlungen eingeleitet, die den Verdacht gegen Hanning erhärtet hätten. Für den BND und ihn persönlich gebe es bei der internen Sicherheit keine Kompromisse, so Jäger; keines seiner Ziele oder Prioritäten werde durch den Vorgang in Frage gestellt. Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Marc Henrichmann (CDU), sagte laut ZDFheute zur Festnahme, man müsse für die Zukunft Lehren ziehen. Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz forderte gegenüber dem Spiegel eine zügige und vollständige Aufklärung der Vorwürfe und verlangte von der Bundesregierung, einen gegebenenfalls entstandenen nachrichtendienstlichen Schaden schnellstmöglich aufzuklären.

Angekündigte Vorführung vor dem Bundesgerichtshof

Hanning sollte laut Bundesanwaltschaft dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der ihm den Haftbefehl verkünden sollte.

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