EU-Strom: Solar und Wind erstmals stärker als Fossile
Wind und Solar erzeugten 2025 erstmals mehr Strom in der Europäischen Union als Erdgas und Kohle zusammen. Das zeigt der aktuelle European Electricity Review des Londoner Analysehauses Ember. Deutschland hat diesen Trend im ersten Quartal 2026 weiter beschleunigt: 54,5 Prozent des deutschen Stroms kamen aus erneuerbaren Quellen, die Windenergie produzierte fast 29 Prozent mehr als im selben Quartal 2025. Der strukturelle Wandel im europäischen Energiesystem ist keine Projektion mehr, sondern belegbare Realität.
Wind überholt Gas in der EU
Der Ember-Bericht für das Jahr 2025 dokumentiert einen historischen Wendepunkt: Wind und Solar zusammen lieferten 30 Prozent des EU-Stroms, fossile Energieträger kamen auf 29 Prozent. Es ist das erste Mal seit Beginn der systematischen Messung, dass erneuerbare Energien auf Jahresbasis die fossile Konkurrenz übertrafen. Windenergie allein deckte 17 Prozent des EU-Stroms ab und übertraf damit Erdgas als einzelne Energiequelle. In 14 der 27 EU-Länder erzeugten Wind und Solar bereits mehr Strom als fossile Kraftwerke.
In Deutschland fiel das erste Quartal 2026 besonders stark aus. Windenergie produzierte 34,1 Prozent des deutschen Stroms, rund 29 Prozent mehr als im gleichen Quartal 2025. Eine windreiche Wetterperiode im Januar und Februar trieb vor allem die Onshorewindkraft in die Höhe. Insgesamt erzeugte Deutschland im ersten Quartal 137 Terawattstunden Strom, von denen 125 Terawattstunden ins öffentliche Netz eingespeist wurden.
Solar wächst unaufhörlich
Noch beständiger als Wind ist das Wachstum der Solarenergie. In der EU lieferte Solar 2025 insgesamt 369 Terawattstunden Strom, ein Zuwachs von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es war das vierte Jahr in Folge mit einem Wachstum in dieser Größenordnung. Solar deckte 13 Prozent des EU-Stroms ab, mehr als Kohle und mehr als Wasserkraft. In Ungarn, Zypern, Griechenland, Spanien und den Niederlanden trug Solar bereits über ein Fünftel zum nationalen Strommix bei.
Deutschland registrierte im ersten Quartal 2026 bei der Solarenergie einen Anstieg von rund 5 Prozent gegenüber Q1 2025. Der März war besonders stark mit 7,4 Terawattstunden. Solarenergie deckte 9,2 Prozent des deutschen Stroms ab, ein beachtlicher Anteil für das traditionell lichtarme erste Quartal. Insgesamt stieg der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland von 52,2 Prozent in Q1 2025 auf 54,5 Prozent in Q1 2026.
Was die Zahlen bedeuten
Der Übergang ist strukturell. Fossile Kraftwerke produzieren in Deutschland nicht mehr die gleiche Strommenge wie früher. Braunkohle fiel im ersten Quartal 2026 auf 16,1 Prozent des Strommixes, ein Rückgang von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erdgas legte im Quartal zwar insgesamt leicht zu, brach aber im März um 43 Prozent ein, weil Windstrom ihn aus dem Markt drängte. Deutschland verfolgt das Ziel, bis 2030 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. 2024 waren es 63 Prozent auf Jahresbasis. Der Quartalswert von 54,5 Prozent zeigt, dass das System unter günstigen Bedingungen weit über den bisherigen Jahresdurchschnitt hinausgehen kann.
Das EU-Ziel sieht bis 2030 mindestens 42,5 Prozent erneuerbaren Strom vor. Mit einem EU-Anteil von 48 Prozent auf Jahresbasis 2025 liegt die Union bereits über diesem Ziel. Ob das als Anlass zur Zufriedenheit oder als Argument für noch ambitioniertere Ziele gilt, ist politisch umstritten.
Was noch fehlt
Hohe Anteile erneuerbarer Energie bringen neue Anforderungen. Im ersten Quartal 2026 stiegen in Deutschland die Einspeisebeschränkungen: Situationen, in denen Windräder und Solaranlagen Strom erzeugen könnten, aber abgeregelt werden, weil das Netz die Energie nicht aufnehmen kann. Das ist ein Zeichen, dass der Netzausbau hinter dem Tempo des Erneuerbarenzubaus zurückbleibt. Auch Speicherkapazitäten, die in windarmen und sonnenarmen Perioden ausgleichen, sind noch nicht in ausreichendem Umfang vorhanden.
Der entscheidende Fortschritt der vergangenen Jahre ist dennoch unumkehrbar: Erneuerbare sind heute günstiger als Neubauten fossiler Kraftwerke. Das ist der wirtschaftliche Motor hinter den Wachstumszahlen. Die Frage ist nicht mehr, ob der Übergang kommt, sondern wie schnell der Netzausbau und die Speichertechnologien folgen können.