
Chinas E-Autos drücken Ölverbrauch und CO2 nach unten
Quellen (8)
- China’s Carbon Pollution Fell in Recent Months as Oil Demand Plummeted - Inside Climate Newsinsideclimatenews.org
- Oil use and emissions fell in China as Iran war curbed imports. Will it be a lasting change? | Euronewseuronews.com
- Analysis: China’s CO2 emissions fall in Q2 2026 due to plummeting oil use - Carbon Briefcarbonbrief.org
- US, Israel bomb Iran: A timeline of talks and threats leading up to attacks | US-Israel war on Iran News | Al Jazeeraaljazeera.com
- How China and U.S. eased the oil shock and kept prices from spiking even highercnbc.com
- Oil markets strain to plug the gap left by Middle East supply shortfall - IEAiea.org
- Hormuz Oil Crunch in China Hit Refiners, Not Publicforeignpolicy.com
- China Energy and Emissions Trends – August 2026 snapshot – Centre for Research on Energy and Clean Airenergyandcleanair.org
Chinas Kohlendioxidausstoß ist im zweiten Quartal 2026, den Monaten April bis Juni, nach einer Analyse des Centre for Research on Energy and Clean Air für Carbon Brief um 1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken. Treiber war nach CREA-Angaben zum ersten Mal nicht ein sinkender Kohleverbrauch, sondern ein Einbruch beim Öl: Der chinesische Ölverbrauch fiel insgesamt um 9 Prozent, im Transportsektor sogar um 16 Prozent. Die Zahlen stammen aus einer Analyse, die CREA-Chefanalyst Lauri Myllyvirta als Gastbeitrag bei Carbon Brief veröffentlichte.
Ausgangspunkt war der Krieg der USA und Israels gegen Iran, der am 28. Februar 2026 begann und zur Schließung der Straße von Hormuz führte, über die zuvor ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasverkehrs lief. China reagierte auf die Blockade mit einer drastischen Kürzung seiner Ölimporte.

Laut Myllyvirta war der wichtigste Faktor hinter dem sinkenden Ölverbrauch die schnelle Elektrifizierung von Autos, Lastwagen und Bussen. „Ganz klar ist, dass die Verkäufe von Elektrofahrzeugen durch die Decke gehen“, sagte Myllyvirta. Die Verkäufe von Elektrolastwagen stiegen im zweiten Quartal 2026 im Jahresvergleich um rund 77 Prozent, die Gesamtzahl der Elektrofahrzeuge auf chinesischen Straßen wuchs um 33 Prozent.
Nach Angaben von CREA nutzten Menschen und Unternehmen ihre Elektrofahrzeuge zugleich stärker; möglicherweise bevorzugten sie auch E-Taxis statt eigener Benzinautos, auch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel nahm zu. Der Effekt der Elektrofahrzeuge auf den Ölverbrauch war laut CREA fast doppelt so groß, wie allein durch die gestiegene Fahrzeugzahl zu erwarten gewesen wäre. Myllyvirta sagte, der Rückgang des Ölverbrauchs sei größer gewesen, als durch den Anstieg der Elektrofahrzeuge allein zu erklären, was auf weitere Verhaltensänderungen von Menschen und Unternehmen hindeute.
Im Vergleich
Wie groß der Effekt ist, zeigt ein Vergleich: Der durch Elektrofahrzeuge verdrängte Ölverbrauch erreichte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 36 Millionen Tonnen Öläquivalent und überstieg damit den gesamten Ölverbrauch Großbritanniens über sechs Monate. Auch bei den Importen macht sich der Rückgang bemerkbar: China senkte seine Ölimporte laut der Internationalen Energieagentur um 3,6 Millionen Barrel pro Tag, etwa so viel wie der gesamte Tagesverbrauch Japans. Frühere Rückgänge in Chinas Emissionsbilanzen wurden laut CREA vor allem durch sinkenden Kohleverbrauch getrieben, dieses Mal kehrte sich das Muster laut CREA zum ersten Mal um. Der Rückgang in China spiegelt sich auch in der weltweiten Nachfrage: Laut Internationaler Energieagentur fiel die globale Ölnachfrage im zweiten Quartal 2026 im Jahresvergleich um 5,3 Millionen Barrel pro Tag, der erste quartalsweise Rückgang seit der Covid-Pandemie. In den USA blieb der Ölverbrauch im gleichen Zeitraum nach Angaben der US-Energieinformationsbehörde unverändert.
Was den Erfolg trübt
Der Rückgang hat jedoch Grenzen: Der Kohleverbrauch zur Stromerzeugung stieg im gleichen Zeitraum um 2,4 Prozent, China baut weiterhin neue Kohlekraftwerke, während es gleichzeitig Wind-, Solar- und Nuklearenergie ausbaut. Nach Angaben von CREA wählten Netzbetreiber trotz wachsender emissionsfreier Stromerzeugung oft Kohle statt erneuerbarer Energien, wegen Engpässen bei der Übertragung und Anreizen, die das Verfeuern fossiler Brennstoffe begünstigen. Über das gesamte erste Halbjahr 2026 gerechnet stiegen Chinas Emissionen deshalb insgesamt geringfügig, nachdem sie im ersten Quartal um 2 Prozent zugelegt hatten, sie blieben aber unter ihrem Höchststand von 2023/24. Laut CREA entfielen rund 60 Prozent des Rückgangs der Importe im zweiten Quartal auf den Abbau von Öllagerbeständen und nicht auf einen geringeren Verbrauch.
Myllyvirta sagte, die Lage habe Chinas Energiesicherheitsstrategie und besonders die Rolle der Elektrifizierung darin sehr deutlich bestätigt. Rystad-Energy-Analyst Tim Himle Levinh erklärte dagegen, ein Ende des Nahostkonflikts werde wahrscheinlich zu einer Erholung des Ölverbrauchs in China und weltweit führen, auch wenn der langfristige Trend seiner Einschätzung nach abwärtsgerichtet bleibe.
Was über die Dauer des Rückgangs entscheidet
Erstens wächst der Anteil der Elektrofahrzeuge laut Myllyvirta weiter und Unternehmen stellen ihre Lieferketten dauerhaft auf weniger Öl um, ein struktureller Wandel, der auch nach einer Normalisierung der Märkte anhalten dürfte. Zweitens müsste der Nahostkonflikt angespannt bleiben, denn Analysten erwarten nach dessen Ende eine Erholung des Ölverbrauchs sowohl in China als auch weltweit. Drittens müssten die chinesischen Netzbetreiber die Übertragungsengpässe beheben, die sie bislang oft zum Kohleverbrauch statt zu Wind- und Solarstrom greifen lassen. Vorerst zeigt die Entwicklung vor allem, dass selbst in einer Volkswirtschaft, die weiterhin neue Kohlekraftwerke baut, eine wachsende Flotte von Elektrofahrzeugen den Ölverbrauch stärker senken kann, als der Kohleverbrauch im gleichen Zeitraum steigt.
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