Linke gewinnt Berlin, CDU verlässt MV-Landtag
Politik

Linke gewinnt Berlin, CDU verlässt MV-Landtag

Am 20. September gewann Die Linke die Berliner Abgeordnetenhauswahl mit 25,7 Prozent erstmals. Gleichzeitig scheiterte die CDU in Mecklenburg-Vorpommern mit 4,9 Prozent erstmals an der Fünfprozenthürde. Ein Abend, der zwei Landtage grundlegend verändert.

Quellen (11)
  1. Tagesspiegel: Berlin-Wahl Ergebnistagesspiegel.de
  2. ZDF: Berliner Wahlergebnissezdfheute.de
  3. Tagesspiegel: Newsblog Berlin-Wahl (Giffey, Eralp Direktmandat)tagesspiegel.de
  4. Tagesspiegel: Giffey nicht mehr im Abgeordnetenhaustagesspiegel.de
  5. Berliner Zeitung: Linke hängt CDU abberliner-zeitung.de
  6. Berliner Zeitung: Historischer Absturz der Berliner SPDberliner-zeitung.de
  7. ZDF: Mecklenburg-Vorpommern Wahlergebnissezdfheute.de
  8. Tagesspiegel: MV-Wahl CDU bei 4,9 Prozenttagesspiegel.de
  9. ZDF: MV-Wahl Grafiken und Ergebnissezdfheute.de
  10. t-online: Demütigung für Merzt-online.de
  11. Schwarzwälder Bote: Merz Rede nach den Wahlenschwarzwaelder-bote.de
21. September 2026, 4:04 Uhr835 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Am Abend des 20. September 2026 haben zwei Landtagswahlen die bundesdeutsche Parteienlandschaft in einer Nacht verändert: In Berlin gewann Die Linke mit 25,7 Prozent erstmals die Abgeordnetenhauswahl und ist zur stärksten Kraft geworden. In Mecklenburg-Vorpommern scheiterte die CDU mit 4,9 Prozent an der Fünfprozenthürde und verlässt damit erstmals seit Gründung des Bundeslandes 1990 den Schweriner Landtag. Bundeskanzler Friedrich Merz musste in einer Nacht zwei Niederlagen seiner Partei verkraften.

Berlin: Eralp vorn, SPD auf historischem Tief

Das vorläufige Endergebnis zur Berliner Abgeordnetenhauswahl zeigt Die Linke mit 25,7 Prozent als stärkste Kraft, ein Plus von rund 13,5 Punkten gegenüber der letzten Abgeordnetenhauswahl 2023. Die CDU kommt auf 18,8 Prozent, die AfD auf 16,3 Prozent, die Grünen auf 14,3 Prozent, die SPD auf 12,1 Prozent. Das BSW scheitert mit 4,7 Prozent an der Fünfprozenthürde, die FDP mit rund 2,6 Prozent ebenfalls. Die Wahlbeteiligung lag mit 75 Prozent deutlich über dem Wert der Wahl von 2023.

Spitzenkandidatin Elif Eralp, 44, Rechtsanwältin und seit 2021 Mitglied des Abgeordnetenhauses, holte in ihrem Wahlkreis ein Direktmandat mit 50 Prozent der Erststimmen. Bei der Bundestagswahl 2025 war Die Linke in Berlin mit 19,9 Prozent bereits stärkste Kraft geworden. Das Landesergebnis vom Sonntag übertrifft diesen Wert noch einmal.

Klare Verliererin des Abends ist die Berliner SPD. Die Berliner Zeitung beschreibt den Absturz auf 12,1 Prozent als historisch, das schlechteste SPD-Ergebnis in der Berliner Landesgeschichte. Franziska Giffey, von 2021 bis 2023 Regierende Bürgermeisterin der Stadt, verlor in ihrem Wahlkreis Rudow (Neukölln) gegen CDU-Kandidat Olaf Schenk knapp mit 26,3 zu 27,7 Prozent und zieht nicht mehr ins Abgeordnetenhaus ein.

Rot-Rot-Grün hätte 97 Sitze, CDU ausgeschlossen

Die Koalitionsarithmetik ist eindeutig: Eine rot-rot-grüne Koalition aus Linke, SPD und Grünen käme zusammen auf 52,1 Prozent und 97 Sitze im neuen Abgeordnetenhaus, eine deutliche Mehrheit. Die Grünen signalisierten noch am Wahlabend Bereitschaft zu einem solchen Bündnis und sprachen von einem klaren Votum für eine Ablösung des schwarz-roten Senats.

CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers hatte vor der Wahl eine Koalition mit der Linken ausgeschlossen. Mit 18,8 Prozent ist die CDU zwar zweitstärkste Kraft, hat sich aber rechnerisch und politisch selbst in die Opposition manövriert. Was ein R2G-Senat unter Eralp konkret bedeuten würde: ein Mietendeckel für die rund 400.000 Wohnungen der landeseigenen Gesellschaften, ein Landesamt für Mieterschutz und ein Stopp weiterer Privatisierungen. Die SPD hat nach dem Absturz kaum Verhandlungsmacht und wird sich als kleinster Partner einreihen.

Mecklenburg-Vorpommern: CDU verlässt erstmals Schweriner Landtag

In Mecklenburg-Vorpommern gewann die AfD mit 38,2 Prozent, verfehlt aber mit diesem Ergebnis die von Spitzenkandidat Leif-Erik Holm im Wahlkampf angesteuerte Schwelle von 43 Prozent für eine Alleinregierung. Die SPD kommt auf 35,5 Prozent, Die Linke auf 6,5 Prozent, die Grünen auf 5,7 Prozent. Die CDU scheitert mit 4,9 Prozent an der Fünfprozenthürde, das BSW mit 4,8 Prozent ebenfalls.

Die CDU war seit der Neugründung Mecklenburg-Vorpommerns 1990 ununterbrochen im Schweriner Landtag vertreten. Das Ergebnis vom Sonntag beendet diese Kontinuität. Für Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bedeutet der Abend trotzdem keine politische Niederlage: SPD, Linke und Grüne kommen zusammen auf 47,7 Prozent der Stimmen und, nach Umrechnung auf die tatsächlich einziehenden Parteien, auf rund 55 Prozent der Parlamentssitze. Schwesig kann eine Dreiparteienkoalition bilden, obwohl die AfD mit deutlichem Abstand die stärkste Einzelkraft im neuen Landtag stellt.

Merz: Reformkurs trotz doppelter Niederlage

Für Friedrich Merz war der 20. September 2026 ein schwieriger Abend. Seine CDU verliert in Berlin mit minus 9,4 Punkten massiv und scheitert in Mecklenburg-Vorpommern vollständig. Mehrere Medien beschreiben den Abend als Demütigung für den Bundeskanzler. Merz erklärte noch am Wahlabend, er wolle am eingeschlagenen Reformkurs festhalten.

Das politische Problem ist tiefergehend als das Ergebnis allein: In Berlin verlor die CDU nicht an die AfD, sondern an Die Linke. Die Partei, die Merz als Hauptgegnerin im Wahlkampf aufgebaut hatte, ist am Ende am stärksten. In Mecklenburg-Vorpommern gewann die AfD massiv, ohne dass die CDU als vermeintliche Brandmauer davon profitierte. Die Verlierer des Abends in beiden Ländern sind die Koalitionsparteien CDU und SPD: Die CDU verliert in Berlin knapp 10 Punkte, die SPD verliert ihr historisch schlechtestes Ergebnis in der Hauptstadt. Als Oppositionspartei im Bund trägt die Bundes-SPD dafür keine direkte Verantwortung.

Erste Sondierungen noch in dieser Woche

In Berlin stehen Sondierungsgespräche zwischen Linke, Grünen und SPD an. Einen offiziellen Terminplan haben die drei Parteien noch nicht kommuniziert; üblich sind erste informelle Gespräche in der Woche nach der Wahl. Ob Elif Eralp tatsächlich Regierende Bürgermeisterin wird, hängt davon ab, ob sich die drei Parteien auf ein Koalitionsprogramm einigen können. Für Die Linke wäre es die erste Landesregierung, die sie in einem Stadtstaat anführt. In Thüringen hatte die Partei unter Bodo Ramelow bereits regiert, Berlin hätte eine andere Signalwirkung.

In Mecklenburg-Vorpommern bleibt Schwesig bis zur Bildung einer neuen Regierung geschäftsführend im Amt. Die AfD ist trotz ihres Wahlsiegs in keiner koalitionsfähigen Position: Keine der anderen Parteien hat eine Zusammenarbeit in Aussicht gestellt. Für Die Linke bedeuten beide Ergebnisse in einer Nacht den Nachweis, dass das Bundestagswahl-Momentum von 2025 kein Einmalereignis war.

Kommentare