
Baruth: 92 Prozent des genehmigten Grundwassers an Red Bull und Rauch
Quellen (19)
- Geheimsache Wasser: Red Bulls geheime Verträge in Brandenburgfragdenstaat.de
- Wasserverbrauch von Red Bull: „Frag den Staat“ klagt gegen Baruth/Mark in Brandenburgtagesspiegel.de
- Streit um Wasserrechte in Brandenburg: Klage gegen Stadt wegen Red-Bull-Ausbauberliner-zeitung.de
- Kampf ums Wasser: Red Bull verleiht Dürre | taz.detaz.de
- Red Bull zapft das Grundwasser in Brandenburg an, jetzt formiert sich Widerstand | taz.detaz.de
- Das Wasser wird knapp: BUND stellt Grundwasserstudie vorbund.net
- Aldi-Tochter fördert Wasser in Bayern bisher zum Nulltarifzdfheute.de
- Geplante Tiefengrundwasserförderung durch Altmühltaler: Wasservorräte dürfen nicht für kommerzielle Zwecke ausgebeutet werden! - BUND Naturschutz in Bayern e.V.bund-naturschutz.de
- Informationen zu aktuellen Wasserrechtsverfahren - Probebohrungenlandkreis-wug.de
- Wasserrechte Treuchtlingen – Altmuehltaleraltmuehltaler.de
- Glauber: Einführung des Wassercents in Bayern – Zählerstände zum 1. Juli 2026 dokumentieren – Bayerisches Landesportalbayern.de
- 19. Wahlperiode 19.11.2025 Drucksache 19/8947 Gesetzentwurf der Staatsregierungstmuv.bayern.de
- Registereintrag "Verband Deutscher Mineralbrunnen e.V." - Lobbyregister beim Deutschen Bundestaglobbyregister.bundestag.de
- Bundeskartellamt - Homepage - ALDI darf Altmühltaler Mineralbrunnen erwerben – Schwarz-Gruppe darf Erfurter Teigwaren übernehmenbundeskartellamt.de
- Wasserentnahme aus der Umwelt zwischen 2010 und 2019 um 14 % gesunken - Statistisches Bundesamtdestatis.de
- Wasserentnahme aus der Umwelt durch Wirtschaft und Private Haushalte: Rund 67 Milliarden m3 - Statistisches Bundesamtdestatis.de
- Anschlussgrad sowie Wasserabgabe an Haushalte, gewerbliche und sonstige Abnehmer - Statistisches Bundesamtdestatis.de
- Subject:vdm-bonn.de
- Nationale Wasserstrategie: Wasser für die Lebensmittelwirtschaft ist elementar zur Erfüllung der Daseinsvorsorge - Verband Deutscher Mineralbrunnen e.V. (VDM)vdm-bonn.de
In Baruth/Mark in Brandenburg entfallen 92 Prozent der genehmigten jährlichen Grundwasserförderung auf den Getränkekonzern Red Bull und seinen Partner Rauch, nur acht Prozent bleiben für die Bevölkerung der Stadt. Die zugrunde liegenden Verträge hält die Stadt bis heute geheim. Die Transparenzplattform FragDenStaat hat deshalb gemeinsam mit einer Betroffenen Klage vor dem Verwaltungsgericht Potsdam eingereicht, um Einsicht in Fördermengen und Vertragsbedingungen zu erzwingen.
Grundwasserstress in jedem zweiten Landkreis laut BUND-Studie von 2025
Laut einer Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die das Institut für sozial-ökologische Forschung im Auftrag des Verbands durchführte, herrscht in 201 von 401 Landkreisen in Deutschland Grundwasserstress. Grundwasserstress bedeutet laut BUND, dass so viel Grundwasser entnommen wird oder sich durch die Klimakrise weniger neu bildet, dass abhängige Ökosysteme Schaden nehmen können, in 94 Landkreisen sei die Lage akut. BUND-Geschäftsführerin Politik Verena Graichen erklärte, Deutschland verliere Wasser, die Grundwasserreserven würden systematisch übernutzt, Dürreperioden und Extremwetterlagen als Folge der Klimakrise verschärften die Lage weiter. Mehr als zwei Drittel des deutschen Trinkwassers stammen aus Grundwasser, im Hitzesommer 2023 wurde laut BUND bereits in über 80 Landkreisen eingeschränkt, wie viel Wasser entnommen werden darf. Die Studie wurde vom Institut für sozial-ökologische Forschung im Auftrag des BUND durchgeführt, deren ursprüngliche Pressemitteilung im Juli 2025 korrigiert werden musste, weil eine sprachliche Vereinfachung den Befund verzerrt hatte.
Der Fall Baruth: 25 Jahre Zugriff auf Grundwasser
2023 übernahmen Red Bull und Rauch das Unternehmen Brandenburger Urstromquelle in Baruth/Mark und sicherten sich damit eine Wasserentnahmeerlaubnis über 25 Jahre beim zuständigen Wasserbetrieb Wabau. Grundlage der Verträge ist laut taz-Recherchen ein 20 Jahre altes Gutachten, das dem Urstromtal ausreichend Grundwasser bescheinigt, seitdem sei die Zahl der Dürrejahre gestiegen und die Grundwasserneubildung nehme ab, ein neues Gutachten ist nicht geplant. Wabau-Chef Frank Zierath erklärte dazu, das bestehende Gutachten werde entsprechend den Auflagen der wasserrechtlichen Genehmigung ständig durch Monitoring-Untersuchungen fortgeschrieben. Laut BUND herrscht in 15 von 18 Regionen Brandenburgs, darunter im Landkreis Teltow-Fläming, in dem Baruth liegt, bereits Grundwasserstress, eine Betroffene aus einer Siedlung nahe dem Industriegebiet berichtete, Brunnen liefen immer häufiger leer und müssten tiefer nachgebohrt werden.
Die Konzerne wollen den Standort zudem deutlich erweitern: Geplant sind neue Abfülllinien, ein Logistikzentrum, eine Dosenfabrik und eine Kläranlage, mit dem Ziel, die Produktion zu verdoppeln, dafür sollen rund 17 Hektar Wald gerodet werden, teils im Wasserschutzgebiet. Das Erweiterungsprojekt soll laut Berliner Zeitung langfristig rund 600 Arbeitsplätze schaffen. Umweltverbände wie der BUND kamen zu dem Schluss, dass die Erweiterung den Wasserbedarf der Konzerne weiter erhöhen wird. Der Leiter des Wasserbetriebes sagte dazu gegenüber Medien lediglich, es sei genügend Wasser für alle da für die nächsten 100 Jahre.
Geheime Verträge vor Gericht
Bereits im Juli 2023 hatte eine Betroffene über FragDenStaat eine Anfrage an die Stadt gestellt, um zu erfahren, was Baruth mit Red Bull und Rauch zum Fabrikausbau verhandelt hat, wie viel Wasser die Hersteller entnehmen dürfen und wie viel sie dafür zahlen. Die Stadt lehnte ab: Die Anträge seien unbegründet, es bestehe kein Anspruch auf die begehrten Informationen, als Grund nannte sie Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse. Auch Red Bull und Rauch selbst ließen eine Anfrage der taz zur Grundwassernutzung unbeantwortet, eine eigene Stellungnahme der Konzerne liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor. Im Juli 2025 reichte FragDenStaat gemeinsam mit einer Betroffenen Klage gegen die Stadt ein, um Zugang zu den Verträgen, zur vereinbarten Fördermenge und zum Schriftverkehr rund um die Übernahme der Brandenburger Urstromquelle zu erhalten. Die Organisation begründet das damit, dass die Verträge die Wasserversorgung betreffen und nicht hinter Konzerninteressen versteckt werden dürfen, selbst wenn Teile tatsächlich Geschäftsgeheimnisse enthielten, wiege das Recht auf Zugang zu Umweltinformationen schwerer. Juristin Ida Westphal von FragDenStaat erklärte, es sei im öffentlichen Interesse zu erfahren, zu welchen Konditionen sich die Stadt mit Red Bull geeinigt habe. Die Brandenburger Bündnisgrünen unterstützen die Klage, Landesvorsitzende Andrea Lübcke sagte, wenn ein Großkonzern in einer der trockensten Regionen Deutschlands mehr als 90 Prozent der örtlichen Grundwasserförderung beanspruche, jährlich 2,35 Millionen Kubikmeter, bei sinkendem Grundwasserspiegel, müsse die Öffentlichkeit wissen, unter welchen Bedingungen das geschieht.
Bürgermeister Peter Ilk (parteilos) hält eine Veröffentlichung der Vertragsinhalte dagegen für unzulässig und betont, die Versorgung der Bevölkerung sei gesichert, Studien zeigten, dass nur ein Viertel des verfügbaren Wassers genutzt werde. Wabau-Chef Zierath antwortete im Gespräch mit der taz Ende Januar 2025 auf eine Frage zu den Vertragsdetails mit dem Satz, er frage die Fragenden ja auch nicht nach ihrem Arbeitsvertrag; auf eine spätere Anfrage der taz teilte er mit, es gebe keine weiteren Unternehmen, mit denen Verträge abgeschlossen worden seien. Umweltverbände halten die zugrunde liegenden Gutachten dagegen für veraltet und kritisieren, dass die Auswirkungen des Klimawandels nicht ausreichend berücksichtigt seien.
Der Fall Treuchtlingen: Wasser ohne Preis
Ein ähnliches Muster zeigt sich in Treuchtlingen im bayerischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, wo die Aldi-Tochter Altmühltaler seit Jahren bis zu 250.000 Kubikmeter Tiefengrundwasser jährlich aus dem sogenannten überdeckten Sandsteinkeuper fördert, ohne dafür bislang zu zahlen. Anneliese Dischinger von der Bürgerinitiative Wassergruppe Treuchtlingen kritisiert, kommerzielle Abfüller pumpten Wasser ab, am besten immer mehr, während das Wasser immer weniger werde. Der Konflikt schwelt bereits seit 2019, als öffentlich wurde, dass Altmühltaler seine Fördermenge verdoppeln und einen städtischen Brunnen übernehmen wollte, das Landratsamt lehnte den Antrag damals ab. Inzwischen gilt der überdeckte Sandsteinkeuper als übernutzt, es wird insgesamt mehr Grundwasser entnommen, als sich neu bilden kann. Laut ZDFheute ist Treuchtlingen kein Einzelfall: Überall in Deutschland können Mineralwasserhersteller ihren Rohstoff kostenlos oder für maximal wenige Cent pro Kubikmeter aus dem Boden holen, während die Branche 2023 mit dem Gemeingut Wasser einen Gesamtumsatz von über vier Milliarden Euro erzielte.
Die Firma plant zudem, zwei neue Förderbrunnen südlich von Treuchtlingen zu bohren, der BUND Naturschutz lehnt diese Entnahme von Tiefengrundwasser durch den privaten Konzern ab und kritisiert, dass dafür noch nicht einmal eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorliege. BN-Landesbeauftragter Martin Geilhufe erklärte, das über Jahrhunderte angesammelte Grundwasser müsse in Zeiten der Klimakrise und zunehmender Trockenzeiten der kommunalen Trinkwasserversorgung als Reserve dienen, privatwirtschaftliche Unternehmen dürften sich nicht an einem allgemeinen Gut wie Wasser bereichern. Altmühltaler selbst beziffert die Investitionen für die Bohrungen und den Ausbau der zwei Brunnen auf zwei Millionen Euro. Die Wasserrechte für die derzeit genutzten Brunnen laufen am 28. Februar 2026 aus, das Unternehmen hat inzwischen beantragt, künftig weniger aus dem überlasteten Sandsteinkeuper und mehr aus einer anderen Gesteinsschicht, dem Eisensandstein, zu fördern, was laut Altmühltaler eine Entlastung um 80 Prozent ermöglichen könnte. Das Landratsamt verlängerte die bisherige Erlaubnis im Februar 2026 zunächst vorübergehend auf weiterhin maximal 250.000 Kubikmeter pro Jahr, im März 2026 begann Altmühltaler mit dem Verlegen neuer Wasserleitungen zu den geplanten Standorten, über den eigentlichen Antrag entscheidet ausschließlich das Landratsamt in Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt Ansbach. Aldi Nord erklärte dazu, man halte sich an alle Regeln und werde selbstverständlich auch eine gesetzliche Abgabe leisten, wenn sie für alle gelte.
Bayern erhebt Wassercent als eines der letzten Bundesländer
Eine solche Abgabe gibt es in Bayern erst seit Kurzem: Zum 1. Juli 2026 wurde der Wassercent erstmals erhoben, nachdem der Landtag ihn im Dezember 2025 beschlossen hatte. Eingeführt wurde er bereits mit der Novelle des Bayerischen Wassergesetzes zum 1. Januar 2026, die erste Erhebung läuft vom 1. Juli bis 31. Dezember 2026, die ersten Zahlungen erfolgen 2027. Zur Zahlung verpflichtet sind alle Wassernutzer, die Grundwasser unmittelbar aus einem eigenen Brunnen entnehmen, öffentliche Wasserversorger ebenso wie private Entnehmer und die Industrie, Haushalte mit Anschluss an die öffentliche Versorgung werden dagegen direkt über die Wasserversorger an den Kosten beteiligt. Das Entgelt beträgt einheitlich 10 Cent pro entnommenem Kubikmeter, ein Freibetrag greift erst ab einer Menge von 5.000 Kubikmetern im Jahr, im ersten, halbjährigen Erhebungszeitraum liegt er bei 2.500 Kubikmetern. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber nannte den Wassercent einen Meilenstein für den Grundwasserschutz, der dem wichtigsten Lebensmittel einen Wert gebe, die Einnahmen würden zweckgebunden für Wasserschutzmaßnahmen und eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung verwendet. Laut Gesetzentwurf der Staatsregierung soll dadurch für alle Wasserversorger in Bayern eine Mehrbelastung von rund 49 Millionen Euro pro Jahr entstehen, für die Wirtschaft bei der Entnahme aus eigenen Brunnen werden rund 28,7 Millionen Euro Kostenbelastung geschätzt, eine vierköpfige Familie zahlt nach dieser Schätzung dagegen unter 20 Euro mehr im Jahr. Ein Wasserentnahmeentgelt gab es laut ZDFheute vor der Einführung des bayerischen Wassercents bereits in 13 von 16 Bundesländern, in Bayern, Hessen und Thüringen zu diesem Zeitpunkt noch nicht; die Höhe variiert zwischen zwei Cent pro Kubikmeter in Sachsen-Anhalt und 31 Cent in Berlin.
Verbandsgeschäftsführer Jürgen Reichle setzt sich dennoch für einen bundesweit einheitlichen Wassercent ein, den alle Nutzer bezahlen sollen.
In Treuchtlingen ist ebenso offen, wie das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen über den Antrag von Altmühltaler entscheidet, aus dem Eisensandstein künftig zusätzliche 200.000 Kubikmeter zu fördern, laut Zeitplan des Unternehmens soll die Umstellung der Mineralwasserentnahme erst 2027 erfolgen, nach Abschluss aller vorherigen Verfahrensschritte.
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